Metakognitive Lernstrategien

Januar 1, 2019 – 5:26 pm

Lernende benötigen strategische Kompetenzen, wenn sie einen Lernprozess erfolgreich bewältigen wollen. Unter Lernstrategien werden in der Regel Verhaltensweisen sowie Kognitionen des Lernenden verstanden, die dieser zur Beeinflussung des Enkodierungsprozesses während des Wissenserwerbs einsetzt. Diese Begriffsbestimmung sieht die Lernenden als Menschen, die Informationen aktiv verarbeiten, interpretieren und zusammenfügen und dazu eine Vielzahl verschiedener Strategien zur Selektion, Enkodierung, Speicherung sowie zum Abruf von Informationen heranziehen. Mittels metakognitiver Strategien findet eine interne Erfolgskontrolle der eigenen Lernschritte statt. Der Lernende übernimmt mit Hilfe dieser Strategien Aufgaben, die im traditionellen Unterricht der Lehrende übernimmt und welche die Kontrolle seines Lernprozesses betreffen. Prinzipiell umfassen sie Strategien zur Planung und Auswahl von kognitiven Lernstrategien, zur Überwachung und Kontrolle des Verstehens und zur Regulierung des Lernprozesses. Die Planungskomponente metakognitiver Strategien umfasst Aktivitäten zur Planung und inhaltlichen Vorbereitung konkreter Lernphasen. Dabei geht es vor allem um Fragen, welche Gebiete des Lernstoffs relevant sind und welche nicht, in welcher Reihenfolge der Stoff durchgearbeitet werden soll usw.. Die Überwachungskomponente umfasst Aktivitäten zur Kontrolle des eigenen Lernprozesses anhand eines gezielten Soll-Ist-Vergleichs, d.h. einem Vergleich von sich selbst gesteckten Lernzielen und dem erreichten Lernforschritt. Die Regulierungskomponente der metakognitiven Lernstrategien schließlich bezieht sich auf Verhaltensänderungen, die sich aus der Selbstdiagnose von Lernschwierigkeiten ergeben.



Was heißt “Lernen lernen”?

Januar 1, 2019 – 5:10 pm

Mit Lernen lernen wird die Fähigkeit, immer wieder neu lernen müssen, betont, aus dem sich lebenslanges Lernen als ständiges Dazulernen entwickelt. Lernen lernen umschreibt einen metakognitiven Prozess, bei dem sich der Lernende zunehmend Wissen über seine eigenen Lern- und Denkprozesse und die Kontrollstrategien, die zu deren Steuerung notwendig sind, aneignet. Das bedeutet, dass ein Lernender, der erfolgreich lernen will, zielorientiert über ein ausreichendes Maß an Leistungsmotivation, Volition, Neugier und kognitive wie metakognitive Lernstrategien verfügen sollte. Dazu sollte er in der Lage sein, die eigenen Lernbedürfnisse bzw. Lerndefizite festzustellen, die notwendigen Lernziele zu erkennen, das geeignete Lernangebot selbst auszuwählen, das die Defizite ausgleichen kann, die Lernzeit und die Lernmedien selbst festzulegen. Darüber hinauf muss er Lernende über Lerntechniken verfügen, die er seinem Lernweg kontinuierlich anpasst und er muss auch in der Lage sein, den Lernprozess selbst zu kontrollieren, zu bewerten und mit der Zielerreichung abzuschließen (vgl. Pieter, 2004).

Bildungspolitisch meint der Begriff des Lernenlernens jenes lebenslange Lernen, das früher meist als Education permanente umschrieben worden ist.

Literatur

Pieter, A. (2004). Selbstbestimmtes Lernen in der Schule. Erfassung der subjektiven Kompetenz zum selbstbestimmten Lernen. Frankfurt a. M.: Peter Lang.



Vokabellernen mit allen Sinnen

Dezember 15, 2018 – 2:53 pm

Mayer et al. (2015) haben Unterrichtsstrategien untersucht, die komplementäre bereichernde Informationen nutzen, wie z.B. Bilder oder Gesten, um die Ergebnisse des Vokabellernens zu optimieren. Sie fanden heraus, dass das Lernen beim Ausführen von Gesten effizienter war als die gängige Praxis des Lernens mit Bildern und dass beide Anreicherungsstrategien besser waren als das Lernen ohne Bereicherung (“verbales Lernen”). Sie orientierten sich dabei an der Hypothese der multisensorische Lerntheorie, die Erklärungen für die positiven Verhaltenseffekte der Bereicherung liefert, indem sie den Nutzen der Anreicherung auf die Aktivierung von Hirnarealen zurückführt, die auf die Verarbeitung der Anreicherung spezialisiert sind. Bei der Untersuchung mussten junge Frauen und Männer eine Woche lang abstrakte und konkrete Substantive der eigens für Forschungszwecke erfundenen Fremdwörter lernen.
Eine Gruppe sah bei der Präsentation eines Wortes ein dazu passendes Bild, in einem weiteren Setting sollten sie das Bild zusätzlich in der Luft nachzeichnen, und eine weitere Gruppe wurde dazu angehalten, das Wort mit einer Geste auszudrücken. Eine Kontrollgruppe musste die Vokabel im klassischen Sinn ohne Anreicherungen erlernen. Danach überprüfte man anhand von Übersetzungstests mehrmals, ob sich die Studienteilnehmer noch an die Begriffe erinnern konnten, wobei die letzte Überprüfung erst sechs Monate später stattfand.

Eine multivariate Musterklassifizierung von Gehirnscans erlaubte es, aus der Hirnaktivität zu entschlüsseln, unter welcher Anreicherungsbedingung das Vokabular gelernt worden war. Am besten konnten sich die Probanden an einen zu lernenden Begriff erinnern, wenn sie ihn selbst mit Gesten ausdrückten. Hörten sie den Begriff und seine Übersetzung und sahen zusätzlich ein Bild davon, konnten sie sich die Übersetzung ebenfalls besser merken. Das Nachzeichnen eines Begriffes unterschied sich dagegen nicht vom reinen Hören.

Offenbar lernt das Gehirn leichter Fremdwörter, wenn es dabei Informationen aus unterschiedlichen Sinnesorganen erhält. Zwar ist unklar, wie sehr sich der Lernerfolg durch mehrere Sinne steigern lässt, doch man empfiehlt, dass die einzelnen Sinneseindrücke zusammenpassen sollten. Wer also etwa das spanische Wort für Apfel lernen will, sollte eine Apfel-Geste machen, einen Apfel schmecken oder ein Apfelbild betrachten. Das erklärt auch, warum die meisten Menschen eine neue Sprache in ihrer natürlichen Umgebung, in der automatisch alle Sinneseindrücke vorhanden sind, am schnellsten und am besten lernen.

Literatur

Mayer, Katja M., Yildiz, Izzet B., Macedonia, Manuela & von Kriegstein, Katharina (2015). Visual and Motor Cortices Differentially Support the Translation of Foreign Language Words. Current Biology, 25, 530-535.



© Werner Stangl Linz 2019