Lernen und Alkohol

März 6, 2019 – 9:35 am

Die Wissenschaftler haben in Versuchen mit Ratten die Vorgänge im Gehirn entschlüsselt, warum Menschen nach dem Genuss großer Mengen Alkohols am Tag danach Minuten oder sogar Stunden der Erinnerung an den Vorabend fehlen. Die für die Erinnerungsprozesse zuständigen Rezeptoren werden bei einem Alkoholrausch dadurch blockiert, da die Nervenzellen Steroide bilden, die die Synapsenübertragung hemmen, wodurch Erinnerungen gar nicht erst entstehen können.
Lernende sollten sollten daher nach einem Tag anstrengenden Lernens möglichst keinen Alkohol trinken, denn bereits geringe Mengen können die Gedächtnisleistung erheblich reduzieren. In einer Studie einer kanadischen Universität. mussten Studenten eine komplizierte Denkaufgabe lösen, wobei eine Gruppe noch am selben Abend Alkohol trank, während eine Vergleichsgruppe abstinent blieb. Eine Woche später wurde kontrolliert, wie groß das Erinnerungsvermögen war. Diejenigen, die nach dem Lernen Alkohol getrunken hatten, hatten erheblich größere Gedächtnislücken als die Nicht-Trinker.

Eine Folge des Alkoholkonsums ist auch die Dehydrierung des Körpers, denn Alkohol ist ein Diuretikum, also ein harntreibendes Mittel, das dem Körper Flüssigkeit entzieht, und zwar bis zu viermal so viel, wie beim Trinken konsumiert wird. Im Gehirn wird bei einer Dehydrierung die Funktion der Hypophyse beeinträchtigt, sodass der Wasserhaushalt nicht mehr richtig gesteuert werden kann. Auch werden bei der alkoholbedingten Dehydrierung Mineralien wie Magnesium, Kalium und Natrium aus dem Körper ausgeschieden, die für kognitive Funktionen wichtig sind. Um diese Verluste zu kompensieren, benötigt das Gehirns einige Zeit, und zwar wesentlich länger, als der Alkohol im Körper nachzuweisen ist, je nach Konsummenge bis zu einen Tag danach. Daher leiden auch noch lange nach dem Abbau des Alkohols die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, aber auch die Reaktionszeit und die Entscheidungsfähigkeit.

Literatur

http://paedpsych.jku.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/GEDAECHTNISORD/Alkohol.html (98-11-02)
https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen-Lernen.shtml (11-06-21)



Warum Kinder lernen

März 4, 2019 – 11:45 am

Jedes Kind kommt prinzipiell neugierig und wissbegierig zur Welt, wobei Kinder immer und überall lernen, allerdings nicht willentlich gesteuert, sondern vor allem unbewusst. Das menschliche Gehirn ist von Natur aus darauf ausgerichtet, immer lernen zu wollen, d.h, es kann gar nichts anderes als lernen. Allerdings funktioniert das Gedächtnis von Kindern, vor allem wenn es um das frühe Lernen geht, nach ganz eigenen Gesetzen, da das kindliche Gehirn nicht die Informationen einfach nur speichert, sondern diese immer zuerst automatisch prüft und hinsichtlich ihrer Bedeutung in einer aktuellen Situation interpretiert, wobei jede neue Information einige Hürden überwinden muss, bevor sie das Kurzzeitgedächtnis aufnimmt. Wenn sich das Gehirn dagegen entscheidet, dann ist das reiner Selbstschutz, denn das Gehirn ist ein ökonomisches Organ, das alle Außenreize, Informationen und alltägliche Kleinigkeiten auf deren Relevanz hin untersucht, um nicht wegen einer grenzenlosen Reizüberflutung handlungsunfähig zu bleiben.
Wenn Kinder später unmotiviert im Unterricht sitzen, hat das gute Gründe, denn der Lernraum Schule ist meist durch Misserfolge, ein schlechtes Verhältnis zum Lehrer oder zu den Klassenkameraden negativ besetzt. Diese negative Einstellung ist eine schlechte Lernbasis, denn das Gehirn reduziert sein Leistungsvermögen und verweigert sich den lernfördernden Reizen und verliert an Assoziationskraft. Kinder lernen schließlich nur dann erfolgreich, wenn ihnen die Lerninhalte, das Lernumfeld und die Lernmethoden Spaß machen. Viele Eltern glauben, ihr Kind mit Belohnungen für das Lernen motivieren zu müssen, doch Belohnungen bewirken oft das Gegenteil, denn das in Aussicht gestellte Geschenk hindert das Kind daran, sich selbst zu motivieren. Allmählich werden Spaß, Wohlgefühl und mögliche innere Zufriedenheit als Motivatoren verdrängt und das Streben auf die äußere Belohnung gelenkt. Überdies nutzen sich solche äußeren Anreize schnell ab. Damit wird die von Geburt an vorhandene Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, binnen kurzem zerstört. Schließlich lernt ein Kind nicht Laufen, weil es die Eltern mit etwas dafür belohnen, sondern weil es laufen können möchte und jeder kleine Erfolg von ein paar Schritten Belohnung genug ist. Vor allem unerwartete Erfolge, die entsprechend gewürdigt werden, prägen sich als positive Erlebnisse ein und dienen als Motivation für die Zukunft. Hirnforscher haben nachgewiesen, dass Emotionen beim Lernen eine entscheidende Rolle spielen, und eine Gedächtnisbildung ohne Emotionen gar nicht möglich ist.

Entstanden unter Verwendung von
Roedenbeck, Maja (2010). Gedächtnis-Genies: So lernen Kinder.
http://www.urbia.de/magazin/schulkind/schule-und-lernen/
gedaechtnis-genies-so-lernen-kinder (10-05-04)



Lernen mit Texten und Bildern

Februar 22, 2019 – 7:46 pm

Der Vorteil, der sich beim Lernen mit Bildern und Texten durch auditiver anstatt visueller Darbietung ergibt nennt man Modalitätseffekt. Mayer und Moreneo (1998) führten ein Experiment zum Nachweis dieses Effektes durch, indem sie einen kurzen Text akustisch, zeitgleich mit einem Bild darboten. Bei der Präsentation des Textes in visueller Form war dieser in das Bild integriert. Die Überprüfung des Wissens erfolgte durch Wiedergabeaufforderung und durch Transferaufgaben. Das Ergebnis lautete, dass die Lernleistung bei auditiver Präsentation besser war. Ursachen für dieses Ergebnis sind laut Mayer und Moreno:

  • Split-Attention-Annahme: Das Wahrnehmungssystem ermöglicht die gleichzeitige Aufnahme von Text und Bild bei auditiver Darstellung des Textes (vgl. Mayer & Moreno 1998, zit. nach Rummer & Fürstenberg & Schweppe S.37-38).
  • Modalitätsannahme: Bei visueller Vorführung wirkt Bild und Text entgegen dieselbe Arbeitsgedächtnisressource, da beide das visuelle räumliche Subsystem benützen. Dies beeinflusst die Lernkapazität im negativen Sinn (vgl. Mayer 2001,2007, zit. nach Rummer & Fürstenberg & Schweppe S.38-39).

Es ist jedoch in Frage zu stellen, ob die Modalitätsannahme der Wahrheit entspricht, da laut Baddeley (z.B. 1986,1999) der visuell präsentierte Text von sensorischen Registern (Zwischenspeicher, nicht zum Arbeitsgedächtnis gehörend) in die phonologische Schleife (dort werden die auditiven Texte verarbeitet) übertragen werden, das visuell räumliche Subsystem wird also nicht belastet (vgl. Baddeley 1986, 1999, zit. nach Rummer & Fürstenberg & Schweppe S.39).
Der Modalitätseffekt sollt also nur auf der Basis der Split-Attention-Annahme erklärt werden, da der Vorteil nicht direkt von der Darbietungsart des Testes abhängt sondern von der zeitgleiche Präsentation. Es herrscht Uneinigkeit ob dieser Vorteil verschwindet, wenn Text und Bild nicht gleichzeitig präsentiert werden, da noch zu wenige Untersuchungen zu diesem Thema durchgeführt wurden.


Recency-Effekt

Dies bezeichnet den Vorteil des Lernens einer Liste aus Buchstaben/Zahlen bei auditiver Darbietung für das letzte Zeichen. Grund dafür ist, dass visuell-sensorische Repräsentationen schnell zerfallen, akustisch-sensorische Repräsentationen jedoch solange bestehen, bis sie durch nachfolgende akustische Reize überschrieben werden. Dieser Vorteil wirkt sich ebenso beim Satzbehalten aus. Hierbei beschränkt sich der Vorteil auf das letzte Wort eines Satzes. Bei Ein-Satz-Texten müsste dadurch das Behalten des gesamten Satzes unterstützt werden (vgl. Rummer & Fürstenberg & Schweppe 2008, S. 37-45).

Experiment
Ziel dieses Experimentes ist es zu veranschaulichen, dass der Recency-Effekt bei längeren Texten sich nur auf den letzt genannten Satz begrenzt. Es wurden Texte (4 Aussagen die gezeigten Sternbilder betreffend) entweder auditiv oder visuell Studenten dargeboten, danach sahen sie am Bildschirm ein Pseudo-Sternbild. Darauf folgend wurden sie die Aussagen (in anderer Reihenfolge) abgefragt, zudem mussten sie das Sternbild zeichnen. Nachfolgend wurde ein neuer Durchgang gestartet.
Bei der Bildrekonstruktion ergab sich kein Unterschied auf Grund der Präsentationsweise des Textes. In Bezug auf die Korrektheit der Aussagen ließ sich, wie erwartet, nur für den letzten Satz ein Vorteil für die auditive Wiedergabe erkennen. Für die mittleren Positionen ergab sich sogar eher ein Vorteil für die visuelle Darbietung. Dies widerlegt die Modalitätsannahme von Mayer (2001), dass es einen generellen Vorteil für auditive Darbietung gibt. Weiters beweist dies, dass der Modalitätseffekt bei aufeinander folgender Darbietung auf dem Recency-Effekt und nicht auf einer Überlastung des visuell-räumlichen Subsystems beruht.
Bei diesem Experiment wurde vorerst nur die Theorie geprüft, jedoch noch nicht die Reichweite in der Praxis (vgl. Rummer & Fürstenberg & Schweppe 2008, S. 37-45).

In der Praxis ist es selten, dass Text und Bild nacheinander gezeigt werden, es gäbe jedoch einen Vorteil bei kurzen Texten. Meist werden Text und Bild zeitgleich präsentiert. Hierbei treten der Recency-Effekt und der Modalitätseffekt auch bei längeren Texten ein. Besonders ausgeprägt sind diese bei kurzen Texten und wenn diese inhaltlich aufeinander Bezug nehmen (vgl. Rummer & Fürstenberg & Schweppe 2008, S. 37-45).

Verwendete Literatur
Rummer, R. & Fürstenberg, A. & Schweppe, J. (2008). Lernen mit Texten und Bildern Zeitschrift für Pädagogoische Psychologie, 22, 37-45.



© Werner Stangl Linz 2019