Lernen ohne Anstrengung – Sechs Regeln für erfolgreiches Lernen


Wilfried Helms behauptet, dass wenige Minuten täglich pro Unterrichtsfach reichen, wenn man etwas Neues lernen will. Einzige Bedingung: Wer wirklich etwas lernen und behalten will, braucht einen Überraschungseffekt und ein Glücksgefühl. Unser Gehirn lernt nur, wenn es einen Grund hat. Der Effekt verstärkt sich, wenn man von anderen für seine Leistung gelobt wird. Man sollt sich an ungeliebte Lernstoffe langsam heranzutasten, etwa nur 15 Minuten konzentrieren. Helms gibt SchülerInnen sechs Tipps:

  • In Häppchen lernen: Für neuen Stoff planst du am ersten Tag zweimal zehn Minuten ein und pausierst dazwischen zwei Minuten. Willst du weiterbüffeln, beschäftigst du dich eine halbe Stunde mit etwas, das dir leichtfällt und Spaß macht. Du wiederholst das Gelernte erst am nächsten Tag und dann nach einer Woche erneut. Einen Monat nach der ersten Einheit vertiefst du dich wieder in den Stoff. Je nachdem, wie oft du das Gelernte brauchst und wie sorgfältig du die Zeit genutzt hast, behältst du dein Wissen bis zu drei Jahren. Siehe dazu Benjamins & Werners Lernmaschine
  • Die Sieben-Wörter-Regel: Packe Vokabeln in Päckchen mit bis zu sieben Wörtern. Fasse zum Beispiel alle Wörter zusammen, die mit Fortbewegung zu tun haben. Das zweite Päckchen enthält Dinge, die zum Haushalt gehören, und so weiter. Um die Wörter zu verinnerlichen, bildest du mit jeder Vokabel einen kurzen Satz. Du benötigst pro Wort ein bis zwei Minuten. Fürs Wiederholen am nächsten Tag brauchst du nur fünf Sekunden. Ähnlich gehst du vor, wenn du es mit einzelnen Fakten zu tun hast, wie etwa im Geschichtsunterricht. Stell dich hin oder geh im Zimmer auf und ab. Das unterstützt die Gehirnarbeit.
  • Der Trick mit dem ABC: Fehlt dir eine Struktur, weil du dir die Namen von Bibelbüchern oder Flüssen einprägen musst, bilde deine eigene Ordnung. Denke dir eine Geschichte aus, in der du die Namen verwendest, oder lege eine alphabetische Reihenfolge fest. Bei Grammatik unterteilst du in Häppchen. Schreibe dir zu jeder Form ein eigenes Beispiel auf. Lerne Verben, indem du sie in Wortgruppen zusammenfasst, die ähnlich klingen: gehen – ging – bin gegangen. Fangen – fing – bin gefangen. Siehe dazu Schick den Lernstoff auf Reisen …
  • Mach dir ein Bild: Stell dir das richtig geschriebene Wort bei geschlossenen Augen immer wieder vor. Hapert es bei dir bei Aufsätzen und Inhaltsangaben, erstelle eine Liste mit Regeln und präg sie dir ein. Wenn es dann darauf ankommt, schreibe deine Arbeit stur nach Ablaufplan. Siehe dazu Mach Werbung gegen Fehler!
  • Aufrecht rechnen: Kopfrechnen ist die Grundlage für Mathematik – also üben. Ziel ist es, jede Aufgabe des Einmaleins in ein bis zwei Sekunden zu beantworten. Rechne dabei vorwärts und rückwärts. Lernst du etwas Neues, reichen bereits ein bis zwei Übungsaufgaben. Überprüfe dein Wissen, indem du das Gelernte jemandem erklärst, der nicht im Thema steckt. Beim Rechnen beeinflusst die Körperhaltung dein Lernvermögen. Deshalb achte auf eine aufrechte Haltung und steh mit beiden Fußsohlen fest auf dem Boden.
  • Der Computer muss warten: Wenn nicht alles umsonst gewesen sein soll, verzichte mindestens eine Stunde vor und nach dem Lernen auf Computerspiele. Das Spiel löst im Körper dieselbe Reaktion aus, als ob man gerade mit angesehen hätte, wie der eigene Hamster überfahren wurde. Mehr als 20 Minuten Computerspielen am Tag können sogar Gehirnzellen vernichten.

Quelle: http://www.faz.net/ (08-09-15)



Grundlagen des Lernens


Wenn das Gehirn Informationen verarbeitet oder abruft, werden Signale zwischen Gehirnzellen mit Hilfe von elektrischen und chemischen Signalen weitergeleitet, die dabei über Synapsen zwischen diesen Nerven übertragen werden. Durch Lernen entstehen immer wieder neue Verknüpfungen. Entsteht dabei ein besonders starker Impuls, reagiert der Empfängernerv beim nächsten Mal auch auf schwächere Reize intensiver, d. h., mit deren Hilfe festigt sich das Wissen langsam aber sicher und man kann sich künftig schneller an das Erlernte erinnern.

Immer, wenn eine neue Information verarbeitet werden, werden die Verbindungen zwischen den Gedächtniszellen miteinander neu und nachhaltiger kombiniert, alte Verbindungen verblassen oder werden bei diesem Prozess sogar überschrieben. Daher vergessen Menschen durch das Lernen von neuen Dingen mitunter auch bereits Gelerntes, wobei dieses alte Gelernte meist noch vorhanden ist, man darauf aber nicht mehr zugreifen kann. Daher ist es wichtig, den Lernstoff immer wieder zu wiederholen und das bereits Gelernte nochmals zu verknüpfen bzw. tiefer im Gedächtnis zu verankern. Daraus ergeben sich einige Grundlagen des Lernens, die in folgenden Lerntipps illustriert und beschrieben werden:



Mastery vs Performance Orientierung beim Lernen


Bei der Mastery-Orientierung soll sich der Lernende daran orientieren, eine Aufgabe möglichst gut zu machen. Kann er dies nicht, soll er die Aufgabe dazu nutzen, aus seinen Fehlern zu lernen. Ein Versagen bei einer Aufgabe wird nicht als Schwäche ausgelegt, sondern als Möglichkeit, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Bei der Performance-Orientierung soll sich der Lernende daran orientieren, bei einer Aufgabe möglichst gut abzuschneiden, z.B. eine gute Note zu bekommen oder besser zu sein als andere. Es geht also mehr um den Vergleich mit anderen als um die tatsächliche Leistung.

Literatur
Dweck, C. S. & Leggett, E. L. (1988). A social-cognitive approach to motivation and personality. Psychological Review, 95, 256–273.



© Werner Stangl Linz 2019