Zum Thema ‘Lerntheorie’

Lerntheorien sind Modelle und Hypothesen, die versuchen paradigmatisch Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären.



Lerntheorien sind Modelle und Hypothesen, die versuchen paradigmatisch Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären.

Mastery vs Performance Orientierung beim Lernen




Bei der Mastery-Orientierung soll sich der Lernende daran orientieren, eine Aufgabe möglichst gut zu machen. Kann er dies nicht, soll er die Aufgabe dazu nutzen, aus seinen Fehlern zu lernen. Ein Versagen bei einer Aufgabe wird nicht als Schwäche ausgelegt, sondern als Möglichkeit, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Bei der Performance-Orientierung soll sich der Lernende daran orientieren, bei einer Aufgabe möglichst gut abzuschneiden, z.B. eine gute Note zu bekommen oder besser zu sein als andere. Es geht also mehr um den Vergleich mit anderen als um die tatsächliche Leistung.

Literatur
Dweck, C. S. & Leggett, E. L. (1988). A social-cognitive approach to motivation and personality. Psychological Review, 95, 256–273.



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Vokabellernen mit allen Sinnen




Mayer et al. (2015) haben Unterrichtsstrategien untersucht, die komplementäre bereichernde Informationen nutzen, wie z.B. Bilder oder Gesten, um die Ergebnisse des Vokabellernens zu optimieren. Sie fanden heraus, dass das Lernen beim Ausführen von Gesten effizienter war als die gängige Praxis des Lernens mit Bildern und dass beide Anreicherungsstrategien besser waren als das Lernen ohne Bereicherung (“verbales Lernen”). Sie orientierten sich dabei an der Hypothese der multisensorische Lerntheorie, die Erklärungen für die positiven Verhaltenseffekte der Bereicherung liefert, indem sie den Nutzen der Anreicherung auf die Aktivierung von Hirnarealen zurückführt, die auf die Verarbeitung der Anreicherung spezialisiert sind. Bei der Untersuchung mussten junge Frauen und Männer eine Woche lang abstrakte und konkrete Substantive der eigens für Forschungszwecke erfundenen Fremdwörter lernen.
Eine Gruppe sah bei der Präsentation eines Wortes ein dazu passendes Bild, in einem weiteren Setting sollten sie das Bild zusätzlich in der Luft nachzeichnen, und eine weitere Gruppe wurde dazu angehalten, das Wort mit einer Geste auszudrücken. Eine Kontrollgruppe musste die Vokabel im klassischen Sinn ohne Anreicherungen erlernen. Danach überprüfte man anhand von Übersetzungstests mehrmals, ob sich die Studienteilnehmer noch an die Begriffe erinnern konnten, wobei die letzte Überprüfung erst sechs Monate später stattfand.

Eine multivariate Musterklassifizierung von Gehirnscans erlaubte es, aus der Hirnaktivität zu entschlüsseln, unter welcher Anreicherungsbedingung das Vokabular gelernt worden war. Am besten konnten sich die Probanden an einen zu lernenden Begriff erinnern, wenn sie ihn selbst mit Gesten ausdrückten. Hörten sie den Begriff und seine Übersetzung und sahen zusätzlich ein Bild davon, konnten sie sich die Übersetzung ebenfalls besser merken. Das Nachzeichnen eines Begriffes unterschied sich dagegen nicht vom reinen Hören.

Offenbar lernt das Gehirn leichter Fremdwörter, wenn es dabei Informationen aus unterschiedlichen Sinnesorganen erhält. Zwar ist unklar, wie sehr sich der Lernerfolg durch mehrere Sinne steigern lässt, doch man empfiehlt, dass die einzelnen Sinneseindrücke zusammenpassen sollten. Wer also etwa das spanische Wort für Apfel lernen will, sollte eine Apfel-Geste machen, einen Apfel schmecken oder ein Apfelbild betrachten. Das erklärt auch, warum die meisten Menschen eine neue Sprache in ihrer natürlichen Umgebung, in der automatisch alle Sinneseindrücke vorhanden sind, am schnellsten und am besten lernen.

Literatur

Mayer, Katja M., Yildiz, Izzet B., Macedonia, Manuela & von Kriegstein, Katharina (2015). Visual and Motor Cortices Differentially Support the Translation of Foreign Language Words. Current Biology, 25, 530-535.



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Nachhaltiges Lernen





Wissenschaftlich betrachtet kann man verschiedene Lernstrategien unterscheiden, mit dem sich SchülerInnen und StudentInnen Wissen aneignen. Eine besonders häufige Form ist das Lernen durch Auswendiglernen, bei dem ein Lernstoff so oft wiederholt wird, bis er sich temporär im Wissen verankert hat und dort abgerufen werden kann. Diese Strategie ist manchmal für eine konkrete Prüfung sinnvoll und erfolgreich, greift aber zu kurz, wenn es um nachhaltiges Lernen geht, besonders dann, wenn der Lernstoff als wenig bedeutsam oder sogar als Belastung empfunden wird, was in der subjektiven Wahrnehmung vieler SchülerInnen auf große Teile des in der Schule vermittelten Wissens zutreffen dürfte. Bekanntlich ist Lernen leichter, wenn es mit Freude und Interesse praktiziert wird, d.h., wenn der Lernende eine starke Eigenmotivation entwickelt hat. So fällt es etwa vielen SchülerInnen schwer, sich Vokabeln für den Unterricht zu merken, während das Behalten von Fachvokabeln aus Computerspielen oder Texte von Popsongs wenig Probleme bereiten. Solche Inhalte werden emotional in persönlich bedeutsame Strukturen eingeordnet, d.h., diese Wissensinhalte werden nicht durch ihre Wiederholung auswendig gelernt, sondern sie werden zu einem gewissen Grad verinnerlicht.

Siehe dazu auch die Prinzipien des Lernens!



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© Werner Stangl Linz 2019