Lernen und Hormone

Februar 26, 2018 – 5:07 pm

Dass Hormone einen Einfluss auf das Lernen haben, zeigte sich in einer Untersuchung von Gail Greendale et al. (2009) an mehr als zweitausend Frauen vor, während und nach der Menopause, in der ihre Lernfähigkeit überprüft wurde. Sechzig Prozent der Frauen berichten bei einer Selbsteinschätzung von Gedächtnisschwierigkeiten während der Wechseljahre, was durch Tests zum Wortgedächtnis und Arbeitsgedächtnis bestätigt werden konnte. Die Probandinnen verbesserten ihre Leistungen, je öfter sie sich den Tests unterzogen, doch kurz vor der Menopause war die Verbesserung in allen Testbereichen signifikant geringer. Eine Hormontherapie jedoch verhalf den Frauen zu einem besseren Gedächtnis im Vergleich zu denen, die keine Behandlung erhalten hatten, doch nahmen die Lernleistungen dieser Frauen nach dem Klimakterium im Gegensatz zu den nicht behandelten nicht mehr zu. Man vermutet folgende Ursachen: Östrogene regulieren u. a. auch das Wärmezentrum im Gehirn, das die Körpertemperatur konstant hält, jedoch kommt es im Klimakterium häufig zu Funktionsstörungen und Hitzewallungen sind eine mögliche Folge. Untersuchungen der Hautoberflächentemperatur zeigen, dass bei Frauen in dieser Zeit im Laufe eines Tages etwa zwanzig Hitzewallungen auftreten.

Literatur
G.A. Greendale, M.-H. Huang, R.G. Wight, T. Seeman, C. Luetters, N.E. Avis, J. Johnston, and A.S. Karlamangla (2009). Effects of the menopause transition and hormone use on cognitive performance in midlife women. Neurology, 72, 1850.



Grundprinzipien des Lernens und notwendige Konsequenzen

Februar 23, 2018 – 10:42 am

Besser behalten wird, was verstanden ist.
Unverstandenes kann allenfalls ‚mechanisch auswendig‘ gelernt werden, aber es kann, wenn es überhaupt in unser Langzeitgedächtnis gelangt, dort nicht sinnvoll eingeordnet werden. Meistens wird es auch bereits aus dem Kurzzeitspeicher schnell wieder ‚ausgesperrt‘.
Also: Nacharbeiten, nachschlagen, nachfragen!

Besser behalten wird, was nicht in der Luft hängt.

Isolierte Informationen finden keinen sicheren Halt im Gedächtnis, denn dieses ist ein ‚feinmaschiges Netz‘, in dem das Einzelne nur durch Verknüpfung mit dem Ganzen gehalten wird.
Also: Lernstoff mit bisherigem Wissen verbinden!

Behalten wird nur, was in verkraftbarer Menge angeeignet wird.
Eine große Stoffmenge kann nicht auf einmal aufgenommen werden. Vielmehr führt die Überfrachtung unseres Gehirns zu Denkblockaden, denn unser Gedächtnis ist keine ‚Festplatte‘, die in reiner und reihender Form registriert, sondern ein vieldimensionaler Speicher, in dem jede Information ihren gesicherten Platz finden muss. Und diese Einordnung braucht Zeit und Kraft.
Also: Lernstoff in aufnehmbare Einheiten einteilen!

Behalten wird nur, was mit ungestörter Aufmerksamkeit aufgenommen wird.

Was in überanstrengtem oder müdem Zustand gelernt oder was durch zusätzliche Eindrücke überlagert wird, wird oft bereits bis zum nächsten Tag wieder vergessen, denn die ‚Kondition‘ und Aufnahmeflexibilität unseres Gehirns sind begrenzt.
Also: Abstände, Pausen, Abschaltphasen zwischen den Lernzeiten!

Behalten wird nur, was wieder aufgerufen, bewegt, gebraucht wird.
Was nur einmal oder flüchtig im Gedächtnis abgelegt ist, wird dort bald verschüttet und vergessen.
Also: Wiederholen, wiederholen …!

Leichter behalten wird, was geordnet ist.
Eine Fülle von Details lässt sich auch kurzfristig nur dann verfügbar halten, wenn sie in unserem Gedächtnis durch ‚Überschriften‘ Struktur erhält.
Also: Lernstoff gliedern!

Leichter behalten wird, was zusätzlich in gefilterter Form in unserem Gedächtnis bewegt wird.
Wenn also die Vielfalt eines Stoffes auf Wesentliches reduziert wird, wird Lernen aktiv und damit erfolgreicher als rezeptives Aufnehmen. Außerdem erhält unser Gedächtnis zusätzliche Einordnungs- und Abrufhilfen.
Also: Lernstoff zusammenfassen!

Besser behalten wird, was auf ‚unterschiedlichen Wegen‘ aufgenommen und bewegt wird.
Der Wechsel von innerem ’stillen‘ und lautem Sprechen oder auch von schriftlicher Fixierung zentraler Inhalte ‚ergreift‘ den Stoff in verschiedener Weise und macht dadurch den Umgang mit ihm sicherer.
Also: Lernform variieren!

Siehe auch Sechs neurowissenschaftliche Grundprinzipien des Lernens

Quelle: http://www.hulda-pankok-gesamtschule.de/
uploads/media/Arbeitstechniken_01.pdf (10-07-06)



Pausen sind wichtig für die Gedächtniskonsolidierung

Februar 16, 2018 – 5:52 pm

Georg Elias Müller und Alfons Pilzecker veröffentlichten 1900 eine Monographie, in der Berichte über vierzig Experimente zum Erlernen, Vergessen und Erinnern enthalten waren (Müller, Pilzecker 1900). In einem dieser Experimente zur Gedächtniskonsolidierung mussten ihre Teilnehmer eine Liste von sinnlosen Silben lernen. Danach musste eine Gruppe der Probanden eine zweite Liste lernen, während die andere sechs Minuten lang eine Pause machte. Eineinhalb Stunden später wurden beide Gruppen getestet, wobei sich die Gruppe mit der Pause nahezu 50% ihrer Silbenliste gemerkt hatten, während die anderen Gruppe nicht einmal 30 % erreicht hattw.

Diese Ergebnisse zeigen nachhaltig, wie wichtig es ist, dem Gehirn immer wieder Zeit zu geben, das Gelernte zu verarbeiten. Allerdings ist es wichtig, in diesem Pausen nicht andere Tätigkeiten auszuführen, sondern tatsächlich einfach ruhig zu sitzen und nichts zu tun – und wenn möglich, dabei auch nichts zu denken. Wenn es beim Lernen gelingt, einen solchen Pausenrhythmus zu entwickeln bzw. auch durchzuhalten, kann man seine Lernleistung auf Dauer enorm steigern.

Literatur

Müller, G. E. & Pilzecker, A. (1900). Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis. Zeitschrift für Psychologie, Ergänzungsband 1, 1-300.



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© Werner Stangl Linz 2018