Körpergedächtnis

März 1, 2018 – 1:53 pm

Analog zum Aufbau einer Gedächtnisstruktur zur Orientierung über die Umwelt konstruiert unser Körpergedächtnis (kinästhetisches Gedächtnis) aus interozeptiven und haptischen Sinneswahrnehmungen ein dreidimensionales Modell unseres Körpers. Durch Integration und Speicherung dieser Körperwahrnehmungen wird ein Körpergedächtnis aufgebaut.  Auch der menschliche Körper hat also ein Gedächtnis, wobei früh gelernte Bewegungsabläufe wie Fahrradfahren, Klavierspielen und Schwimmen ein Leben lang gespeichert werden.So können sich die Finger eines Klavierspielers auch nach vielne Jahren noch an die Läufe erinnern. Auch Tänzer memorieren unendlich viele, komplizierte Schrittfolgen, Sprünge und Drehungen, die auch lange nach dem Ende der aktiven Laufbahn erhalten bleiben, wobei hier vor allem die Musik das Körpergedächtnis stützt. Jede Aneignung von Bewegungsmustern, Schritten und Anschlägen arbeitet demnach mit dem Erinnerungsvermögen des Körpers und seinem kinästhetischen Gedächtnis, das  das Gelernte speichert und  es als verkörpertes Wissen verfügbar macht, wobei zum Erinnern natürlich auch das Löschen, Vergessen und Verdrängen wie beim normalen Gedächtnis gehören.
Musik dient außerdem dazu, Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu holen, etwa bei Demenzkranken, bei denen man durch das Vorspielen von Kinderliedern oder alten Schlagern das Erinnerungsvermögen erhöhen kann. Übrigens ist diese besonders gute Verankerung bei Bewegungen dafür verantwortlich, dass es so schwer ist, einmal Gelerntes zu korrigieren und Abgespeichertes zu vergessen, was besonders bei SportlerInnen ein großer Nachteil sein kann.
Der menschliche Körper nimmt allerdings auch zwischenmenschliche Beziehungen durch Erfahrungen im Körper wahr, die genauso  eine biologische Spur hinterlassen können.



Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis bekommen

März 1, 2018 – 11:13 am

Damit Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis kommen kann, müssen die neuen Informationen als wichtig bewertet werden, wobei diese Selektion einen natürlichen Schutzmechanismus des Gehirns darstellt und der Überflutung mit uninteressanten Informationen entgegenwirken soll. Dabei ist von Mensch zu Mensch verschieden, welche Augenblicke, Objekte oder Gerüche gespeichert werden, denn das hängt mit der Bedeutung zusammen, die man dem aktuellen Geschehen beimisst. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Gefühlen zu, denn bekanntlich werden Ereignisse, die besonders starke Emotionen auslösen ein Leben lang nicht mehr vergessen, während einfache und meist häufig wiederholte Begebenheiten des Alltags es nicht in den Langzeitgedächtnis schaffen, sodass diese als unwichtig empfundene Informationen vom Gehirn einfach gelöscht oder durch andere Inhalte überschrieben werden. Hinzu kommt, dass man sich mit zunehmendem Alter an immer weniger Dinge erinnern kann, was nicht nur mit einem Abbau des Gedächtnisses – das Stirnhirn verliert an Funktionsfähigkeit und Volumen- zu tun hat, sondern auch mit einer Umstrukturierung des Gehirns.



Aktive vs passive Lernstrategien

Februar 27, 2018 – 2:45 pm

Strategien des aktiven Lernens führen zu einem besseren Gedächtnis und machen auch das Lernen für den Lernenden interessanter. Der Begriff aktiv bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man sich bewusst in den Lernprozess einbringt. Aktiv Lernende setzen meist eine Vielzahl von Strategien für das Erlernen eines Unterrichtsstoffes ein.

Passives Lernen bedeutet, man lernt, ohne sich ganz auf den Lernstoff einzulassen oder über das gerade Gelesene oder Gesehene nachzudenken. Wird das Gehirn aber bei diesem Lernen nicht gefordert und einbezogen, so geht es in eine Art Ruhezustand über (Default Modus).

Beim aktiv Lernen richtet man hingegen seine Aufmerksamkeit auf das Lernmaterial, kategorisiert es und nutzt sein Denkvermögen und eine Vielzahl an Methoden, um konzentriert und fokussiert zu bleiben. So wird die gelernte Information im Kurzzeitgedächtnis verarbeitet und schließlich im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Gehirn kann dabei wie ein Muskel trainiert werden, und zwar durch kurze, regelmäßige Lernsitzungen. Um diesen Muskel zu aktivieren, muss ein Lehrstoff eingehend studiert, visualisiert in einen einprägsamen Zusammenhang gesetzt und aktiv wiederholt werden.



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© Werner Stangl Linz 2018