Archiv für die Kategorie „Studium“

Supervision für Studierende

Dienstag, 24. August 2010

Die Studienzeit bedeutet für viele Studierende Unsicherheit und Stress. Leistungsdruck, Zeitnot und emotionale Belastungen führen leicht zu Überforderung und Frust, nicht selten sogar zum Studienabbruch.

Alexandra Peischer untersucht und beschreibt die Einsatzmöglichkeiten und Chancen von Supervision für Studierende, wobei sich m Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Innsbruck Gruppensupervision als höchst effiziente Begleitung für Studierende erwies. Als Gegenpol zur Anonymität des Hochschulbetriebs schafft sie einen geeigneten Rahmen für vertrauensvollen Austausch und gibt damit Orientierungshilfe sowie Hilfe zur Selbsthilfe in Bezug auf studentische Problem- und Fragestellungen. Gruppensupervision bietet zudem ein geeignetes Übungsfeld für das Lernen in Gruppen, was besonders für zukünftig in pädagogischen Arbeitsfeldern Tätige unerlässlich scheint. Tendenziell konnte eine höhere Studienzufriedenheit sowie die Entwicklung bzw. Erweiterung von persönlichen und sozialen Kompetenzen nachgewiesen werden. Supervision als innovative Beratungsform für Studierende leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen der universitären Ausbildung.

Siehe dazu Praktische Lerntipps fürs Studium

Vorwissenschaftliche Arbeit

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Ein wichtiger Aspekt der neuen Reifeprüfung ist die Erstellung einer vorwissenschaftlichen Arbeit. Jeder Schüler muss in Zukunft bereits am Ende der siebten Klasse in Absprache mit seinem Lehrer das Thema einer vorwissenschaftlichen Arbeit für seine Reifeprüfung wählen. In einem Fach seiner Wahl muss der Schüler diese Arbeit während der achten Klasse vor dem Reifeprüfungstermin erarbeiten und somit seine Fähigkeit zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten und seine Studienfähigkeit unter Beweis stellen. Die fertige Arbeit wird dann im Rahmen der Reifeprüfung – ähnlich wie bei Prüfungen auf der Universität – vom Schüler mündlich präsentiert. Vom Umfang her wird die Vorwissenschaftliche Arbeit zwischen 4500 und 6000 Worten, also eine Länge von 15 bis 17 Seiten umfassen, wobei jede Lehrkraft höchstens fünf Arbeiten betreuen soll. Die künftige schriftliche Prüfung besteht dann aus den Fächern Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache und als viertes Prüfungsfach kann Darstellende Geometrie, Chemie, Physik, Biologie oder eine weitere Fremdsprache gewählt werden.
In der Neukonzeption der Reifeprüfungsbestimmungen für allgemein bildende höhere Schulen in Österreich trägt man mit den drei voneinander unabhängigen Säulen (verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit mit Präsentation, standardisierte schriftliche Klausurprüfung, standortbezogene mündliche Prüfung) auch den Anforderungen nach Erhöhung der Studierfähigkeit, Standardisierung und Kompetenzorientierung sowie der Wahrung von standortbezogenen Spezifizierungen und schulautonomen Profilbildungen Rechnung.

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Die vorwissenschaftliche Arbeit vereint die positiven Erfahrungen aus den Bereichen der Fachbereichsarbeit sowie der Spezialfrage und trägt den individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie schulspezifischen Elementen und schulautonomen pädagogischen Schwerpunkten Rechnung. Sie soll eine eigenständige, außerhalb der Unterrichtszeit erstellte Arbeit sein, welche die Studierfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen unter Beweis stellt. Die bei der Präsentation nachgewiesene Präsentationskompetenz sowie die Ausdrucks- und Diskursfähigkeit sind Teil der vorwissenschaftlichen Arbeit (“1. Säule”) und in deren Beurteilung einzubeziehen.

Dieses Modell nimmt grundsätzlich Rücksicht auf die gesetzlichen Sonderformen der AHS und auf die autonomen Schwerpunkte. Besucht ein/e Schüler/in eine AHS-Sonderform oder einen solchen Schwerpunkt, muss dieser im Rahmen der Reifeprüfung abgebildet werden. Die an den Standorten autonom entwickelten, laut Lehrplan der AHS mit mindestens 8 Wochenstunden ausgestatteten Schwerpunkte sind somit entweder bei der “Vorwissenschaftlichen Arbeit” oder bei den Klausurprüfungen (als “4. Klausur”) oder den “Mündlichen Prüfungen” von den Schüler/innen bei ihrer Prüfungswahl zu berücksichtigen . Die Aufgabenstellungen für diese “4. Klausur” (wenn sie eine “Schwerpunktklausur” ist – zB Informatik) werden allerdings am jeweiligen Standort erstellt.

Details zur “Vorwissenschaftlichen Arbeit“ mit Präsentation

Ziele der VWA und ihrer Präsentation sind

  • angemessene Themenstellung
  • Selbstständigkeit
  • Ursachen und Zusammenhänge aufzeigen
  • Arbeit mit Quellen und (vor)wissenschaftlichen Methoden
  • Logisches und kritisches Denken
  • Klare Begriffsbildung
  • Sinnvolle Fragestellungen
  • Ausdrucks- Diskursfähigkeit

Details

  • Festlegung auf das Thema: Ende der vorletzten Schulstufe (Im Verlauf der vorletzten Schulstufe sollte zB eine Unverbindliche Übung „Vorwissenschaftliches Arbeiten“ angeboten werden; Zweck: Schülerinnen und Schüler erwerben bzw. schärfen die nötigen Kompetenzen);
    Das Thema der VWA wird im Einvernehmen zwischen Prüfer/in und Schüler/in festgelegt und nachweislich durch die Schulleitung approbiert
  • Lehrer/in kann ein Thema ablehnen, nicht aber den/die Schüler/in
  • Teamarbeit ist unter genau zu definierenden Voraussetzungen möglich: Eine Aufgabenstellung kann von höchstens drei Prüfungskandidat/innen bearbeitet werden, wobei die Themenbereiche so weit abgegrenzt werden müssen, dass die eigenständige Leistung eines jeden einzelnen Prüfungskandidaten klar erkennbar und beurteilbar ist, daher:
  • Themenstellung mit Untertitel und Abstract in einer Fremdsprache („Erwartungshorizont“)
  • Die VWA ist nicht einem Unterrichtsgegenstand zugeordnet.
  • Der Prüfer muss sachkompetent, aber nicht der Fachlehrer sein
  • Die Zahl der VWA pro Prüfer wird nicht festgelegt und ist an der Schule zu regeln. Es besteht für die Schüler/innen eine freie Wahl der Prüfer/innen.
  • (Gemeinsames, verpflichtendes) Gespräch zwischen Lehrkraft und Schüler/innen zu Beginn der VWA (Allgemeines, Organisatorisches, „Spielregeln“, Intention, Konsequenzen bei Verwendung unerlaubter Hilfsmittel,…)
  • 2 bis 3 weitere Orientierungsgespräche während der Erstellung der VWA (= Einzelgespräche!) zw. Lehrer/in und Schüler/in verpflichtend, bei denen die Lehrkraft den Fortschritt/Prozess beobachtet und protokolliert : Lehrer/innen erhalten einen Protokollbogen, in dem die Fortschritte im Lernprozess festgehalten werden
  • (Begleitendes) Protokoll für Schüler/innen verpflichtend, in dem eigene Fortschritte dokumentiert werden
  • Abgabe der VWA (inkl. Begleitprotokoll): Ende des ersten Semesters
  • Negative bzw. nicht beurteilte VWA muss wiederholt werden (Nebentermin)
  • Umfang: Korridor 4500-6000 Worte, (exklusive Inhalts-, Literatur- und Bilderverzeichnis; entspricht 15-20 Seiten à ca. 300 Worte/Seite)
  • Vorlage: digital und 2 ausgedruckte Exemplare
  • Die Schulbehörde 1. Instanz legt den Termin für die Präsentation der VWA fest. Die Dauer beträgt ca. 10 Minuten und soll ein Problemaufriss, jedoch nicht bloß eine Inhaltsangabe sein. Der/Die Kandidatin soll dabei seine/ihre Diskursfähigkeit, die initiative Mitgestaltung des Gespräches, seine/ihre Argumentationsfähigkeit etc. unter Beweis stellen.
  • Bei der Präsentation einer Arbeit in der Fremdsprache geschieht das in der Fremdsprache, die Kommission kann aber Zwischenfragen auf Deutsch stellen.

Beurteilung

  • Die Lehrkraft beschreibt in einem „Gutachten“ die Vorzüge und Schwächen der schriftlichen Arbeit.
  • Die Gesamtbeurteilung wird nach der Präsentation festgelegt.
  • Eine positiv beurteilte VWA (mit Präsentation) soll erhalten bleiben, auch wenn die Abschlussklasse wiederholt werden muss.

Nützliche Internetseiten zur Erstellung einer vorwissenschaftlichen Arbeit

Quelle: http://www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/ba/reifepruefung.xml (09-09-09)

Aussteigen oder Durchhalten? Was unterscheidet Studienabbrecher von anderen Studierenden?

Sonntag, 2. August 2009

Ausgangspunkt der Studie von Schiefele, Streblow und Brinkmann (2007) war, die Gründe des Studienabbruches (unterschieden nach Früh- uns SpätabbrecherInnen) zu analysieren und diese mit Weiterstudierenden zu vergleichen (vgl. Schieferle u.a., 2007).
In bisherigen Studien wurden drei relevante Bedingungsfaktoren untersucht: psychologische Faktoren (z.B. Leistung in Schule/Studium, eigene Leistungsbeurteilung, Lern- und Arbeitsstrategien, Zeitmanagement, Studieninteresse, soziale Kontakte, usw.), soziodemografische Merkmale und Rahmenbedingungen (Alter, Kinder, abgeschlossene Bildung, Lebensansprüche, finanzielle Bedürfnisse, Erwerbstätigkeit, usw.) und institutionelle Merkmale (Lehrqualität, Prüfungsmodalitäten, Beratungsangebote, usw.) (vgl. Schieferle u.a., 2007).
Definitionen, Gruppen und Analyse
Diese Studie vergleicht 47 StudienabbrecherInnen (Früh- und SpätabbrecherInnen) mit einer parallelisierten Referenzgruppe) von Weiterstudierenden (jeweils zwei reguläre Studierende pro AbbrecherIn) hinsichtlich des Studienfachs, Geschlechts und Alters. StudienabbrecherInnen sind Personen, welche ihr Studium abgebrochen und an keiner anderen Universität fortgesetzt haben, hierbei wird zwischen Früh- (Abbruch im ersten Studienjahr) und SpätabbrecherInnen (Abbruch ab dem dritten Semester) unterschieden. Die Gruppe Weiterstudierende umfasst sich regulär im Studium befinde Personen. Viele der mittlerweile schon ermittelten Bedingungsfaktoren wurden überprüft und durch die Bereiche Motivation, Selbstkonzept, Lernstrategien, soziale Kompetenz und Lehrqualität ergänzt. Zusätzlich wurden Variablen wie Abiturnote, selbsteingeschätzter Kenntnisstand, finanzielle Situation und Berufsausbildung berücksichtigt (vgl. Schiefele u.a., 2007).
Ergebnisse zu Studienbeginn
Aufgrund der fehlenden Betroffenheit aller wurden die Faktoren Kinder, Berufsausbildung, Stipendien nicht berücksichtig. Im Bereich Wohn- und Lebensform wurde kein Unterschied festgestellt, gleiches gilt im Bereich der Finanzierung. Die Studie bewies, dass Früh- und SpätabbrecherInnen über schlechtere Abiturnoten als ihre Referenzgruppen verfügten. Auffällig war, dass SpätabbrecherInnen besser Noten hatten als FrühabbrecherInnen. Im Bereich der Motivation zeigen StudienabbrecherInnen einen niedrigeren Wert als die Weiterstudierenden auf. Speziell bei Studieninteresse und Demotivation sind signifikante Unterschiede ersichtlich. Bei der epistemischen Neugier war nur zu den FrühabbrecherInnen ein Unterschied merkbar. Keine Unterschiede wies das Selbstkonzept aus. Lernstrategien wurden, laut der Studie, von SpätabbrecherInnen seltener genutzt. Die soziale Kompetenz und die epistemologischen Überzeugungen ergaben keine wesentlichen Unterschiede, jedoch im Bereich der Beurteilung der Lehrqualität hoben sich SpätabbrecherInnen stark von ihrer Referenzgruppe ab, anders als FrühabbrecherInnen. Die Faktoren Kompetenz/Engagement und Leistungsdruck ergaben auch keine signifikanten Abweichungen der jeweiligen Gruppen (vgl. Schiefele u.a., 2007).
Ergebnisse zum Abbruchzeitpunkt
Um angemessenen vergleichen zu können, wurden hier derselben Messzeitpunkte beider Gruppen gewählt.
Im Bereich Finanzierung ergaben sich wieder keine Unterschiede, jedoch der selbsteingeschätzte Kenntnisstand wurde von SpätabbrecherInnen niedriger als von Weiterstudierenden beurteilt. Ein Haupteffekt für die Faktoren Abbruch und Zeitpunkt ergab die Variable Motivation. Keine Unterschiede wies wiederum das Selbstkonzept auf. Auch das Studieninteresse, die leistungsorientierte extrinische Motivation, die Demotivation und die intrinistischen Berufsziele waren Faktoren für den Abbruch. Der Faktor Zeitpunkt wurde bis auf das Studieninteresse von denselben Variablen beeinflusst. SpätabbrecherInnen zeigen in allen vier Variablen die ungünstigsten aus. Wesentliche Unterschiede waren bei den Lernstrategien im Bezug auf Abbruch und Zeitpunkt zu finden. Planungs-, Regulationsstrategien und Zeitmanagement waren erhebliche Faktoren für den Abbruch. Weiter zeigen SpätabbrecherInnen die niedrigsten Werte in Planung, Regulation, Anstrengung und lernen mit anderen auf. Die soziale Kompetenz erwies bedeutsame Ergebnisse der Faktoren Zeitpunkt und Abbruch aus. Den Faktor Abbruch betrifft vor allem die soziale Ängstlichkeit, die von den AbbrecherInnen gesamt geringer beurteilt wurde, als bei ihrer Referenzgruppe. Die soziale Integration von SpätabbrecherInnen im Studium jedoch fiel wieder sehr gering aus. Früh- und SpätabbrecherInnen beurteilen die Lehrqualität in ihrem Fach geringer als Weiterstudierende. Lehrveranstaltungen (Gesamtbeurteilung), Relevanz der Lehrinhalte und Höhe des Leistungsdruckes werden weniger schlecht beurteilt als die Kompetenz und das Engagement der Lehrenden (vgl. Schiefele u.a., 2007).

Literatur
Schiefele, U., Streblow, L., Brinkmann, J. (2007). Aussteigen oder Durchhalten – Was unterscheidet Studienabbrecher von anderen Studierenden? Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 127-140.