Archiv für die Kategorie „Populärwissenschaftliches“

Sechs neurowissenschaftliche Grundprinzipien des Lernens

Donnerstag, 29. Juli 2010
  • Orientierung: Über 100 Megabyte an Information erreichen unser Gehirn pro Sekunde, so dass erst einmal alles Relevante herausgesiebt werden muss. Das zu Lernende muss daher bedeutsam sein, Reizdarbietung allein reicht nicht.
  • Konkrete Erfahrung: Verständnis und Einsicht können Erfahrung festigen, aber nicht ersetzen, daher ist das Lernen durch die Wahl des Lernarrangements beeinflussbar.
  • Verarbeitungstiefe: Wer sich intensiv mit etwas auseinandersetzt, kann sich bei gleichem Zeitaufwand hinterher viel besser daran erinnern als bei oberflächlicher Betrachtung, denn Verarbeitungstiefe sorgt für nachhaltiges Lernen.
  • Emotionen: Werden positive Emotionen angesprochen, werden die gedächtnisrelevanten Strukturen im Gehirn aktiv und unterstützen auf diese Weise das Lernen, sodass der Lernerfolg größer wird.
  • Aufmerksamkeit: Sie ist stets begrenzt.
  • Motivation: Das Gehirn muss sich von innen heraus über Dopaminausschüttung selbst motivieren, wobei hierfür die Relation von Anforderung und Fähigkeit entscheidend ist, im Extremfall entsteht Langeweile oder Überforderung.

Quelle: http://www.morgenweb.de/ (10-07-29)

Körpergedächtnis

Freitag, 26. März 2010

Analog zum Aufbau einer Gedächtnisstruktur zur Orientierung über die Umwelt konstruiert unser Körpergedächtnis (kinästhetisches Gedächtnis) aus interozeptiven und haptischen Sinneswahrnehmungen ein dreidimensionales Modell unseres Körpers. Durch Integration und Speicherung dieser Körperwahrnehmungen wird ein Körpergedächtnis aufgebaut.  Auch der menschliche Körper hat also ein Gedächtnis, wobei früh gelernte Bewegungsabläufe wie Fahrradfahren, Klavierspielen und Schwimmen ein Leben lang gespeichert werden.So können sich die Finger eines Klavierspielers auch nach vielne Jahren noch an die Läufe erinnern. Auch Tänzer memorieren unendlich viele, komplizierte Schrittfolgen, Sprünge und Drehungen, die auch lange nach dem Ende der aktiven Laufbahn erhalten bleiben, wobei hier vor allem die Musik das Körpergedächtnis stützt. Jede Aneignung von Bewegungsmustern, Schritten und Anschlägen arbeitet demnach mit dem Erinnerungsvermögen des Körpers und seinem kinästhetischen Gedächtnis, das  das Gelernte speichert und  es als verkörpertes Wissen verfügbar macht, wobei zum Erinnern natürlich auch das Löschen, Vergessen und Verdrängen wie beim normalen Gedächtnis gehören.
Musik dient außerdem dazu, Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu holen, etwa bei Demenzkranken, bei denen man durch das Vorspielen von Kinderliedern oder alten Schlagern das Erinnerungsvermögen erhöhen kann. Übrigens ist diese besonders gute Verankerung bei Bewegungen dafür verantwortlich, dass es so schwer ist, einmal Gelerntes zu korrigieren und Abgespeichertes zu vergessen, was besonders bei SportlerInnen ein großer Nachteil sein kann.
Der menschliche Körper nimmt allerdings auch zwischenmenschliche Beziehungen durch Erfahrungen im Körper wahr, die genauso  eine biologische Spur hinterlassen können.

Sechs Erkenntnisse zum Lernen

Mittwoch, 24. März 2010

Katrin Hille, die Forschungsleiterin des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen am Universitätsklinikum Ulm möchte mit Hilfe der Lehrer in den Schulen ,,Leuchttürme” errichten, die auf die ganze Bildungslandschaft ausstrahlen. Ihrer Meinung nach gelangten Forschungs-Erkenntnisse der Pädagogik, der Didaktik oder der Hirnforschung viel zu selten und zu spät in die Praxis, weshalb sie sechs Knackpunkte entwickelt hat, die nach ihren Erkenntnissen das Lernen bestimmen:

Lernen ist ein aktiver Prozess, denn wer nur zuhört, lernt nicht viel. Menschen lernen am besten durch Tun. Außerdem lernen wir unbewusst, was manchem Lehrer nicht klar sei; wenn er die Liebe predige, lernten Kinder vielleicht zu predigen, aber nicht zu lieben. Gefühle können den Lernprozess stören, zum Beispiel Angst – sie können ihn aber auch befördern; immer dann lernten wir besonders intensiv. Alle drei Probleme haben mit der Lernintensität zu tun. Die Verarbeitungstiefe hat es noch nicht in die Schule geschafft, denn es ist in der Forschung seit über vierzig Jahren bekannt, dass man dadurch mehr in der gleichen Zeit lernt. Je intensiver wir uns mit etwas beschäftigten, umso tiefer lernen wir – wer beim Lernen nachdenke, weiß am meisten. Dafür ist die Motivation wichtig: Unser Gehirn berechnet im Voraus, was passiert. Trifft es nicht ein, lernen wir entweder nichts oder unerwartet viel. Deshalb muss guter Unterricht immer positive Überraschungen bieten. Außerdem sind Vorbilder für die Lernmotivation viel wichtiger als Zuckerbrot und Peitsche. Es ist furchtbar schwierig, länger als eine Stunde an einem Ort aufmerksam zu sein, denn Lernen ist räumlich und zeitlich begrenzt. Diese Erkenntnisse könnten die Schulen entscheidend verbessern, denn vor allem wünschten sich Kinder, dass sie eingebunden werden, sich kompetent fühlen und in einer vorgegebenen Struktur autonom handeln dürfen.

Quelle: http://www.echo-online.de/suedhessen/darmstadt/
-Die-Grundfesten-des-Bildungssystems-sind-falsch
;art1231,759626,C (10-03-24)

Digitale Demenz

Freitag, 19. März 2010

Bei einer Untersuchung an jüngeren Berufstätigen wurde festgestellt, dass schon mehr als 60% über Vergesslichkeit klagen, etwa sich nicht die eigene Telefonnummer oder die PIN merken, ein Gedicht im Kopf zu behalten oder die Frage “Was habe ich heute Mittag gegessen?”. Als eine der Ursachen für diese Veränderung der Merkfähigkeit wird die steigende Informationsflut vermutet, denn es wurde beobachtet, dass viele Berufstätige alle 11 Minuten im Schnitt ihre Arbeit unterbrechen, um sich anderen Dingen wie Telefonaten oder E-Mails zu widmen. Man wird dadurch aus dem Arbeitsprozess herausgerissen und auch die Konzentration schwindet unter der dauerhaften Belastung. Nicht zu vernachlässigen ist der Zeitverlust, der durch das ständige Suchen entsteht.

Quelle: http://www.lernen-merken-erinnern.de/
wozu-noch-lernen-oder-das-zeitalter-der-digitalen-demenz/ (10-03-18)

Merkmale nachhaltigen Lernens

Freitag, 4. Dezember 2009

Wilfried Helms nennt einige wesentliche Aspekte nachhaltigen Lernens, denn effektives Lernen bedeutet für ihn das Lernen in kleinen Schritten, was Zeit und Geduld kostet.

  • Ich brauche Lernwillen: »Ich will lernen.«
  • Ich verschaffe mir einen Überblick. (Was soll ich tun? Was brauche ich dazu? Welche Methode ist die richtige?)
  • Ich sortiere oder ordne mir den Lernstoff. (Reihenfolgen lassen sich leichter lernen.)
  • Ich lerne mit allen Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen und Bewegung. (Spaß!)
  • Ich verbinde den Lernstoff mit meinem Vorwissen, indem ich zum Beispiel bei Vokabeln eigene Sätze bilde.
  • Ich wiederhole den Lernstoff immer wieder (am Anfang häufiger, später seltener).
  • Ich rede über den Lernstoff mit eigenen Worten.
  • Ich mache Ähnliches unähnlich (zum Beispiel durch Bewegungen, zeitlich versetztes Lernen und Eselsbrücken).
  • Ich verändere die Reihenfolge oder Ordnung, um über die Fakten einzeln zu verfügen.
  • Ich freue mich über meinen Lernerfolg.
  • Ich schließe eventuelle Lernlücken.

Quelle: http://www.westfalenblatt.de/nachrichten/
regional/lippe_rss_erg.php?id=33332 (09-12-04)

Lernen im Schlaf

Samstag, 21. November 2009

Wie mit manchen spezifischen psychologischen Forschungsergebnissen zum Lernen medial umgegangen wird, zeigt sich wieder jüngst am Beipiel eines Experiments von Rudoy et al. (2009), die für ein Experiment ein Dutzend junge Erwachsene zu einem einfachen Lernexperiment ins Labor baten: Die ProbandInnen mussten sich die Positionen von 50 verschiedenen Bildern auf einem Bildschirm einprägen, wobei jedes der Objekte von einem dazugehörigen Geräusch begleitet wurde (z.B. Katze – Miauen, Teekessel – Pfeifen, Dynamit – Explosion usw.). Nach dieser Lernphase schliefen die TeilnehmerInnen, wobei ihnen in er Tiefschlafphase die Geräusche von 25 der 50 Objekte erneut vorgespielt wurden. Nach dem Aufwachen konnten sie die Positionen der 25 akustisch “wiederholten” Objekte ebenso gut angeben wie am Ende der Lernphase, während bei den anderen Objekten die Fehleinschätzung der Bildschirmpositionen durchschnittlich um 20 Prozent zugenommen hatte.

Björn Rasch et al. (2007) stützen vor einigen Jahren ebenfalls die These, dass Lernen im Schlaf auf einer unbewussten Wiederholung von neuem Wissen beruht. Sie baten ihre Versuchsteilnehmer in einem mit dem Blumenduft erfülltem Raum die Position von 15 Kartenpaaren auf einem Computerbildschirm zu lernen. Einer Gruppe von Probanden ließen die Wissenschafter nachts in der Tiefschlafphase Blumenduft um die Nase wehen. Am nächsten Tag prüfte man, wie viele Kartenpaare sich die Probanden gemerkt hatten: Die “Duft-Gruppe” erinnerte sich an 97 Prozent, die Gruppe ohne Duft nur an 85 Prozent. Durch die gezielte Reaktivierung der Erinnerungen mit Hilfe des Dufts hatten die Probanden also tatsächlich etwas besser gelernt. Erinnerungen an Tatsachen und Ereignisse, wie etwa die Position von Karten, werden im Hippocampus verarbeitet, der besonders während der Tiefschlafphase aktiviert wird. Die Magnetresonanzaufnahmen des Gehirns zeigten eine steigende Aktivität im Hippocampus, sobald um die schlafenden Probanden der Duft verströmt wurde. In der REM-Schlafphase hingegen zeigte der Duft hingegen keine verstärkende Wirkung. Fünf Personen brachen das Experiment ab, denn sie schafften es nach der Lerneinheit nicht, rechtzeitig einzuschlafen.

In einem Medium erschien übrigens ein Bericht über das erste Experiment unter dem Titel “Geräusche dopen das Gedächtnis”. Den LeserInnen sei empfohlen, dieses Lernergebnis in einem Brainstorming auf praktische Lernaufgaben im Alltag zu übertragen ;-)

Hierzu passt übrigens ein altes Forschungsergebnis aus dem Jahr 2001:

Im Schlaf lernen funktioniert

Unter diesem Titel erschien im Bild der Wissenschaft folgender Bericht: Vor einer Prüfung zu schlafen bringt mehr als die Nacht durchzubüffeln. Das schließen Forscher um Marcos Frank von der Universität Kalifornien aus Untersuchungen an Katzen. Mit den Experimenten konnten sie erstmals direkt zeigen, dass im Schlaf Eindrücke des Tages im Gehirn festgeschrieben werden, berichten sie im Fachmagazin “Neuron”. Die Forscher deckten bei jungen Katzen für sechs Stunden ein Auge ab. Dadurch bildete sich die Gehirnregion überdimensional aus, die Eindrücke aus dem offenen Auge auswertet. Ein Schläfchen konnte diese Umstellungen beschleunigen: Katzen, die nach der Abdeckung sechs Stunden lang schlafen durften, hatten doppelt so große Änderungen im Gehirn als Tiere, die “durchmachen” mussten. Selbst Katzen, die zwölf Stunden lang die Augenklappe trugen zeigten geringere Anpassungen im Gehirn als Tiere, die die Klappe nur sechs Stunden trugen und anschließend geschlafen haben. Die Umorganisation im Gehirn geschehe vorwiegend in traumlosen Tiefschlafphasen, sagen die Forscher. Solche Anpassungen seien eine Grundlage für Lernen und Erinnern. Die Forscher nehmen an, dass auch bei erwachsenen Tieren und beim Menschen das Gehirn während Tiefschlafphasen besonders plastisch ist und Gelerntes festschreibt.

Quelle: http://warp6.dva.de/sixcms/detail.php?id=88872 (01-05-30) nach http://paedpsych.jku.at/internet/ARBEITSBLAETTERORD/
LERNTECHNIKORD/Gedaechtnis.html
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnZeit.shtml (09-11-10)

Literatur
Rudoy, John D , Voss, Joel L., Westerberg, Carmen E. & Paller, (2009). Strengthening Individual Memories by Reactivating Them During Sleep. Science 20 November , Vol. 326. no. 5956, p. 1079. DOI: 10.1126/science.1179013.
Rasch, B., Buchel, C., Gais S. & Born J. (2007). Odor cues during slow-wave sleep prompt declarative memory consolidation. Science, March 9.

Elterntipps zur Förderung ihrer Kinder

Dienstag, 15. September 2009
  • Kinder wollen lernen, sie sind wissbegierig. Daher sollten Eltern von Anfang an die Lust am Lernen und am Neuen anfeuern. Die Hirnforschung zeigt aber deutlich, dass äußere Anreize – also etwa Belohnungen – bei weitem nicht so wirksam sind wie die inneren Motivatoren. Nicht um des Geldes und der Ehre willen leisten Kinder und Erwachsene oft nahezu Unglaubliches: Sie tun es vor allem, weil sie es wollen.
  • Belohnungen für gute Noten sollten die Ausnahme bleiben. Besser wäre es, dem Kind mal mit einem Ausflug oder einem Kinobesuch eine Freude zu machen. Wichtig ist in jedem Fall, die Belohnungen zu variieren, darauf spricht das Gehirn besonders an. Und ganz wichtig ist es generell, den Kindern das Gefühl zu geben, dass die Eltern ihre Leistungen auch anerkennen.
  • Es ist aber ein Mythos, dass Musikhören dauerhaft die Intelligenz von Kindern steigert. Allerdings hat eigenes Musizieren sehr wohl bleibenden positiven Einfluss auf die Intelligenz. Man vermutet, dass Verschaltungen zwischen den beiden Großhirn-Hemisphären durch das Musikmachen besonders effektiv ausgebildet werden und Musizieren ein riesiges Trainingsprogramm für das Gehirn darstellt.
  • Auch sprachliche Kompetenz ist entscheidend für den Schulerfolg. Kinder lesen dann viel und gut, wenn die Eltern ihnen regelmäßig vorlesen. Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass Kinder umso besser sprechen konnten und in IQ-Tests höhere Ergebnisse erzielten, je häufiger die Eltern mit ihnen sprachen. Eltern, die Negativaussagen und Verbote auf ein Minimum beschränkten und durch eine positive Reaktion häufig auf die Äußerungen ihrer Kinder eingingen, förderten ihre Sprachkompetenz am besten.
    Timothy A. Keller & Dr. Marcel Just (Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh) untersuchten die Gehirne von Kindern zwischen acht und zehn Jahren mit mangelhaften Lesefertigkeiten vor und nach einem intensiven Lesetraining von 100 Stunden, wobei die Kinder u.a. immer wieder das Lesen von Wörtern und Sätzen übten. Dieses Training verbessert nach ihren Ergebnissen aber nicht nur die Lesefähigkeiten der Kinder, sondern es waren  in Korrelation zur Steigerung der Lesekompetenz auch in der weißen Gehirnsubstanz deutliche Umstrukturierungen zu erkennen. Beim Lesen identifizieren bestimmte Gehirnbereiche Buchstaben, andere müssen den bekannten Wortschatz und die Grammatik zur Verfügung stellen und wieder andere Areale sind dafür zuständig, die Bedeutung zu interpretieren. Daher ist die weiße Substanz mit ihrer Fähigkeit, Verbindungen herzustellen, so bedeutsam für die Lesefähigkeit, wobei bereits kleine Veränderungen in der weißen Substanz zu einer deutlichen Verbesserung auch anderer kognitiven Leistungen führen. Solche Trainingseffekte waren schon bisher für das Erlernen neuer Fähigkeiten wie Jonglieren oder Spielen eines Musikinstruments nachgewiesen worden.
  • Um gezielt lernen und arbeiten zu können, braucht ein Schüler einen festen Arbeitsplatz. Freizeit- und Arbeitsbereich sollten voneinander getrennt werden. Deshalb empfiehlt es sich nicht, die Hausaufgaben am Küchentisch zu erledigen oder am Arbeitsplatz zu essen. Ein Schulkind braucht nicht unbedingt ein eigenes Zimmer, aber es sollte einen eigenen Arbeitsplatz haben. Laute Musik oder ein laufender Fernseher erschwert die Konzentration. 15 Minuten vor Beginn der Hausaufgaben die Fenster öffnen.
  • Feste Zeiten erleichtern den Start für die Hausaufgaben. In der Regel ist es günstig, nach einer ausreichenden Pause nach dem Mittagessen zu beginnen. Idealerweise sollte ein Kind, das gegen 14 Uhr aus der Schule kommt, also gegen 15 Uhr nach einem nicht allzu fetten Mittagessen mit den Aufgaben beginnen. Aber: Einige Kinder sind tatsächlich abends aufnahmefähiger. Deshalb sollten Eltern immer den individuellen Rhythmus beobachten.

Quellen
Ausschnitte aus einem Interview von Andrea Huber mit Martin Korte in der Berliner Morgenpost vom 15.9.2009.
Lesen verbessert den „Datenaustausch“ im Gehirn.
WWW: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/  (10-02-06)

Wie wird man ein berühmter Lerntechnik-Trainer?

Donnerstag, 9. Juli 2009

Monika Armand hat einmal in einem Blogbeitrag eine ironische Anleitung dafür gegeben, wie man ein berühmter Lerntechnik-Trainer wird. Sie schrieb:

  • Zunächst brauchst Du einzelne wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Ideal sind solche, welche wissenschaftliche Studienergebnisse markant zusammenfassen und eine eindeutige Wirkungsbeziehung herstellen (Kurzmitteilungen aus Tageszeitungen, Newstickers etc.).
  • In einem zweiten Schritt ist dann Deine Kreativität gefragt: Du brauchst Ideen für kreative Übungen, um die vorherige “wissenschaftliche” Theorie nun im Alltag umsetzen zu können.
  • In einem dritten Schritt baust Du daraus ein übersichtliches System: 1. Theoretische Begründung; 2. Deine kreativen Schlussfolgerungen; 3. Deine Übungen. Diesen letzten “Baustein” setzt Du dann anhand der verschiedenen einzelnen Theoriesätze zusammen.
  • Vierter Schritt: Zuletzt brauchst Du einen Patentanwalt. Gib Deinem System einen einprägsamen Namen, sichere Dir die Markenschutzrechte. Nun brauchst Du Anhänger Deiner Idee. Hole Dir Tipps von Marketingfachleuten, wie die neue “Lerntechnik” gekonnt vermarktet und Du möglichst viele Fans dafür gewinnen kannst.
  • Versuche nun Deine Ideen zu “verkaufen”. Sprich Schulleiter an, denn diese sind immer offen für neue Lernkonzepte, angesichts der scheinbar geringen Wirksamkeit der bislang umgesetzten Lerntechniken.
  • Wenn dann die Sache läuft, kannst Du anfangen, selbst “Trainer” auszubilden und Dich nach und nach zurückziehen.

Diese etwas überzeichnete Darstellung beschreibt recht gut, was sich aktuell auf diesem Sektor überall finden lässt, wobei praktisch keine Effizienznachweise geführt werden. In der Regel propagieren diese selbst ernannten Lerngurus nur jene lange bekannten Methoden der Mnemotechnik, die schon seit Jahrhunderten tradiert werden und manchmal schlicht zur Memotechnik verkommen ;-)

Quelle: http://neuropaedagogik.blogspot.com/2008_02_01_archive.html (24. Februar 2008)

Zehn Mythen über das Gehirn

Sonntag, 31. Mai 2009

Isabelle Bareither räumt mit den zehn bekanntesten Mythen rund um das Gehirn auf

  1. Hirnjogging beugt Alzheimer vor
  2. Sport trainiert nur den Körper, nicht den Geist
  3. Gingko und Schokolade sind gut für das Gehirn
  4. Meditation beruhigt das Gehirn
  5. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr
  6. Hirnjogging-Programme machen schlauer
  7. Hintergrundmusik hilft beim Lernen
  8. Mozartmusik macht schlau
  9. Hirndoping führt ohne Nebenwirkungen zu ungekannten Leistungen
  10. Unter Druck kann man besser lernen und mehr leisten

Nachzulesen auf http://www.ksta.de/html/artikel/1242833463290.shtml

Lernen nach Lerntypen – ein Mythos

Mittwoch, 6. Mai 2009

Das Konzept des typengerechten Lernens erfreut sich nicht nur bei Eltern, sondern auch bei LehrerInnen seit einigen Jahrzehnten einer ungebrochenen Popularität. Pashler et al. (2008) haben deshalb mehr als 70 verschiedene Modelle von Lernstilen untersucht, ob es einen empirischen Nachweis dafür gibt, dass Menschen typengerecht besser und effizienter lernen. Nahezu alle Untersuchungen, die angeblich den Nachweis der Wirksamkeit typengerechten Lernens erbracht haben, missachteten grundlegende Kriterien wissenschaftlichen Forschens und waren nicht nur widersprüchlich sondern letztlich im Sinne von vorhandenen Lerntypen uninterpretierbar. Weder wurden die ProbandInnen nach dem statistisch notwendigen Zufallsprinzip auf die verschiedenen Untersuchungsgruppen verteilt, noch wurde sichergestellt, dass alle TeilnehmerInnen am Ende des Experiments denselben Test absolvierten, sodass ihre Lernfortschritte objektiv verglichen hätte werden können. Von den wenigen Studien, die den wissenschaftlichen Standards entsprachen, kamen mehrere zu Ergebnissen, die den Annahmen typengerechter Lernstile widersprachen, sodass sich nach aktuellem Forschungsstand durch nichts belegen lässt, dass Menschen auf unterschiedliche Weise lernen und auch sich nicht grundlegend, wie es manche Lerntypentheorien nahelegen, in ihrem Lernverhalten unterscheiden.

Literatur
Pashler, Harold, McDaniel, Mark, Rohrer, Doug & Bjork, Robert (2008). Learning Styles: Concepts and Evidence, Psychological Science in the Public Interest, 9, 106-119.