Archiv für die Kategorie „Populärwissenschaftliches“

Merkmale nachhaltigen Lernens

Freitag, 4. Dezember 2009

Wilfried Helms nennt einige wesentliche Aspekte nachhaltigen Lernens, denn effektives Lernen bedeutet für ihn das Lernen in kleinen Schritten, was Zeit und Geduld kostet.

  • Ich brauche Lernwillen: »Ich will lernen.«
  • Ich verschaffe mir einen Überblick. (Was soll ich tun? Was brauche ich dazu? Welche Methode ist die richtige?)
  • Ich sortiere oder ordne mir den Lernstoff. (Reihenfolgen lassen sich leichter lernen.)
  • Ich lerne mit allen Sinnen: Sehen, Hören, Fühlen und Bewegung. (Spaß!)
  • Ich verbinde den Lernstoff mit meinem Vorwissen, indem ich zum Beispiel bei Vokabeln eigene Sätze bilde.
  • Ich wiederhole den Lernstoff immer wieder (am Anfang häufiger, später seltener).
  • Ich rede über den Lernstoff mit eigenen Worten.
  • Ich mache Ähnliches unähnlich (zum Beispiel durch Bewegungen, zeitlich versetztes Lernen und Eselsbrücken).
  • Ich verändere die Reihenfolge oder Ordnung, um über die Fakten einzeln zu verfügen.
  • Ich freue mich über meinen Lernerfolg.
  • Ich schließe eventuelle Lernlücken.

Quelle: http://www.westfalenblatt.de/nachrichten/
regional/lippe_rss_erg.php?id=33332 (09-12-04)

Lernen im Schlaf

Samstag, 21. November 2009

Wie mit manchen spezifischen psychologischen Forschungsergebnissen zum Lernen medial umgegangen wird, zeigt sich wieder jüngst am Beipiel eines Experiments von Rudoy et al. (2009), die für ein Experiment ein Dutzend junge Erwachsene zu einem einfachen Lernexperiment ins Labor baten: Die ProbandInnen mussten sich die Positionen von 50 verschiedenen Bildern auf einem Bildschirm einprägen, wobei jedes der Objekte von einem dazugehörigen Geräusch begleitet wurde (z.B. Katze – Miauen, Teekessel – Pfeifen, Dynamit – Explosion usw.). Nach dieser Lernphase schliefen die TeilnehmerInnen, wobei ihnen in er Tiefschlafphase die Geräusche von 25 der 50 Objekte erneut vorgespielt wurden. Nach dem Aufwachen konnten sie die Positionen der 25 akustisch “wiederholten” Objekte ebenso gut angeben wie am Ende der Lernphase, während bei den anderen Objekten die Fehleinschätzung der Bildschirmpositionen durchschnittlich um 20 Prozent zugenommen hatte.

Björn Rasch et al. (2007) stützen vor einigen Jahren ebenfalls die These, dass Lernen im Schlaf auf einer unbewussten Wiederholung von neuem Wissen beruht. Sie baten ihre Versuchsteilnehmer in einem mit dem Blumenduft erfülltem Raum die Position von 15 Kartenpaaren auf einem Computerbildschirm zu lernen. Einer Gruppe von Probanden ließen die Wissenschafter nachts in der Tiefschlafphase Blumenduft um die Nase wehen. Am nächsten Tag prüfte man, wie viele Kartenpaare sich die Probanden gemerkt hatten: Die “Duft-Gruppe” erinnerte sich an 97 Prozent, die Gruppe ohne Duft nur an 85 Prozent. Durch die gezielte Reaktivierung der Erinnerungen mit Hilfe des Dufts hatten die Probanden also tatsächlich etwas besser gelernt. Erinnerungen an Tatsachen und Ereignisse, wie etwa die Position von Karten, werden im Hippocampus verarbeitet, der besonders während der Tiefschlafphase aktiviert wird. Die Magnetresonanzaufnahmen des Gehirns zeigten eine steigende Aktivität im Hippocampus, sobald um die schlafenden Probanden der Duft verströmt wurde. In der REM-Schlafphase hingegen zeigte der Duft hingegen keine verstärkende Wirkung. Fünf Personen brachen das Experiment ab, denn sie schafften es nach der Lerneinheit nicht, rechtzeitig einzuschlafen.

In einem Medium erschien übrigens ein Bericht über das erste Experiment unter dem Titel “Geräusche dopen das Gedächtnis”. Den LeserInnen sei empfohlen, dieses Lernergebnis in einem Brainstorming auf praktische Lernaufgaben im Alltag zu übertragen ;-)

Hierzu passt übrigens ein altes Forschungsergebnis aus dem Jahr 2001:

Im Schlaf lernen funktioniert

Unter diesem Titel erschien im Bild der Wissenschaft folgender Bericht: Vor einer Prüfung zu schlafen bringt mehr als die Nacht durchzubüffeln. Das schließen Forscher um Marcos Frank von der Universität Kalifornien aus Untersuchungen an Katzen. Mit den Experimenten konnten sie erstmals direkt zeigen, dass im Schlaf Eindrücke des Tages im Gehirn festgeschrieben werden, berichten sie im Fachmagazin “Neuron”. Die Forscher deckten bei jungen Katzen für sechs Stunden ein Auge ab. Dadurch bildete sich die Gehirnregion überdimensional aus, die Eindrücke aus dem offenen Auge auswertet. Ein Schläfchen konnte diese Umstellungen beschleunigen: Katzen, die nach der Abdeckung sechs Stunden lang schlafen durften, hatten doppelt so große Änderungen im Gehirn als Tiere, die “durchmachen” mussten. Selbst Katzen, die zwölf Stunden lang die Augenklappe trugen zeigten geringere Anpassungen im Gehirn als Tiere, die die Klappe nur sechs Stunden trugen und anschließend geschlafen haben. Die Umorganisation im Gehirn geschehe vorwiegend in traumlosen Tiefschlafphasen, sagen die Forscher. Solche Anpassungen seien eine Grundlage für Lernen und Erinnern. Die Forscher nehmen an, dass auch bei erwachsenen Tieren und beim Menschen das Gehirn während Tiefschlafphasen besonders plastisch ist und Gelerntes festschreibt.

Quelle: http://warp6.dva.de/sixcms/detail.php?id=88872 (01-05-30) nach http://paedpsych.jku.at/internet/ARBEITSBLAETTERORD/
LERNTECHNIKORD/Gedaechtnis.html
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnZeit.shtml (09-11-10)

Literatur
Rudoy, John D , Voss, Joel L., Westerberg, Carmen E. & Paller, (2009). Strengthening Individual Memories by Reactivating Them During Sleep. Science 20 November , Vol. 326. no. 5956, p. 1079. DOI: 10.1126/science.1179013.
Rasch, B., Buchel, C., Gais S. & Born J. (2007). Odor cues during slow-wave sleep prompt declarative memory consolidation. Science, March 9.

Elterntipps zur Förderung ihrer Kinder

Dienstag, 15. September 2009
  • Kinder wollen lernen, sie sind wissbegierig. Daher sollten Eltern von Anfang an die Lust am Lernen und am Neuen anfeuern. Die Hirnforschung zeigt aber deutlich, dass äußere Anreize – also etwa Belohnungen – bei weitem nicht so wirksam sind wie die inneren Motivatoren. Nicht um des Geldes und der Ehre willen leisten Kinder und Erwachsene oft nahezu Unglaubliches: Sie tun es vor allem, weil sie es wollen.
  • Belohnungen für gute Noten sollten die Ausnahme bleiben. Besser wäre es, dem Kind mal mit einem Ausflug oder einem Kinobesuch eine Freude zu machen. Wichtig ist in jedem Fall, die Belohnungen zu variieren, darauf spricht das Gehirn besonders an. Und ganz wichtig ist es generell, den Kindern das Gefühl zu geben, dass die Eltern ihre Leistungen auch anerkennen.
  • Es ist aber ein Mythos, dass Musikhören dauerhaft die Intelligenz von Kindern steigert. Allerdings hat eigenes Musizieren sehr wohl bleibenden positiven Einfluss auf die Intelligenz. Man vermutet, dass Verschaltungen zwischen den beiden Großhirn-Hemisphären durch das Musikmachen besonders effektiv ausgebildet werden und Musizieren ein riesiges Trainingsprogramm für das Gehirn darstellt.
  • Auch sprachliche Kompetenz ist entscheidend für den Schulerfolg. Kinder lesen dann viel und gut, wenn die Eltern ihnen regelmäßig vorlesen. Außerdem haben Untersuchungen gezeigt, dass Kinder umso besser sprechen konnten und in IQ-Tests höhere Ergebnisse erzielten, je häufiger die Eltern mit ihnen sprachen. Eltern, die Negativaussagen und Verbote auf ein Minimum beschränkten und durch eine positive Reaktion häufig auf die Äußerungen ihrer Kinder eingingen, förderten ihre Sprachkompetenz am besten.
    Timothy A. Keller & Dr. Marcel Just (Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh) untersuchten die Gehirne von Kindern zwischen acht und zehn Jahren mit mangelhaften Lesefertigkeiten vor und nach einem intensiven Lesetraining von 100 Stunden, wobei die Kinder u.a. immer wieder das Lesen von Wörtern und Sätzen übten. Dieses Training verbessert nach ihren Ergebnissen aber nicht nur die Lesefähigkeiten der Kinder, sondern es waren  in Korrelation zur Steigerung der Lesekompetenz auch in der weißen Gehirnsubstanz deutliche Umstrukturierungen zu erkennen. Beim Lesen identifizieren bestimmte Gehirnbereiche Buchstaben, andere müssen den bekannten Wortschatz und die Grammatik zur Verfügung stellen und wieder andere Areale sind dafür zuständig, die Bedeutung zu interpretieren. Daher ist die weiße Substanz mit ihrer Fähigkeit, Verbindungen herzustellen, so bedeutsam für die Lesefähigkeit, wobei bereits kleine Veränderungen in der weißen Substanz zu einer deutlichen Verbesserung auch anderer kognitiven Leistungen führen. Solche Trainingseffekte waren schon bisher für das Erlernen neuer Fähigkeiten wie Jonglieren oder Spielen eines Musikinstruments nachgewiesen worden.
  • Um gezielt lernen und arbeiten zu können, braucht ein Schüler einen festen Arbeitsplatz. Freizeit- und Arbeitsbereich sollten voneinander getrennt werden. Deshalb empfiehlt es sich nicht, die Hausaufgaben am Küchentisch zu erledigen oder am Arbeitsplatz zu essen. Ein Schulkind braucht nicht unbedingt ein eigenes Zimmer, aber es sollte einen eigenen Arbeitsplatz haben. Laute Musik oder ein laufender Fernseher erschwert die Konzentration. 15 Minuten vor Beginn der Hausaufgaben die Fenster öffnen.
  • Feste Zeiten erleichtern den Start für die Hausaufgaben. In der Regel ist es günstig, nach einer ausreichenden Pause nach dem Mittagessen zu beginnen. Idealerweise sollte ein Kind, das gegen 14 Uhr aus der Schule kommt, also gegen 15 Uhr nach einem nicht allzu fetten Mittagessen mit den Aufgaben beginnen. Aber: Einige Kinder sind tatsächlich abends aufnahmefähiger. Deshalb sollten Eltern immer den individuellen Rhythmus beobachten.

Quellen
Ausschnitte aus einem Interview von Andrea Huber mit Martin Korte in der Berliner Morgenpost vom 15.9.2009.
Lesen verbessert den „Datenaustausch“ im Gehirn.
WWW: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/  (10-02-06)

Wie wird man ein berühmter Lerntechnik-Trainer?

Donnerstag, 9. Juli 2009

Monika Armand hat einmal in einem Blogbeitrag eine ironische Anleitung dafür gegeben, wie man ein berühmter Lerntechnik-Trainer wird. Sie schrieb:

  • Zunächst brauchst Du einzelne wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Ideal sind solche, welche wissenschaftliche Studienergebnisse markant zusammenfassen und eine eindeutige Wirkungsbeziehung herstellen (Kurzmitteilungen aus Tageszeitungen, Newstickers etc.).
  • In einem zweiten Schritt ist dann Deine Kreativität gefragt: Du brauchst Ideen für kreative Übungen, um die vorherige “wissenschaftliche” Theorie nun im Alltag umsetzen zu können.
  • In einem dritten Schritt baust Du daraus ein übersichtliches System: 1. Theoretische Begründung; 2. Deine kreativen Schlussfolgerungen; 3. Deine Übungen. Diesen letzten “Baustein” setzt Du dann anhand der verschiedenen einzelnen Theoriesätze zusammen.
  • Vierter Schritt: Zuletzt brauchst Du einen Patentanwalt. Gib Deinem System einen einprägsamen Namen, sichere Dir die Markenschutzrechte. Nun brauchst Du Anhänger Deiner Idee. Hole Dir Tipps von Marketingfachleuten, wie die neue “Lerntechnik” gekonnt vermarktet und Du möglichst viele Fans dafür gewinnen kannst.
  • Versuche nun Deine Ideen zu “verkaufen”. Sprich Schulleiter an, denn diese sind immer offen für neue Lernkonzepte, angesichts der scheinbar geringen Wirksamkeit der bislang umgesetzten Lerntechniken.
  • Wenn dann die Sache läuft, kannst Du anfangen, selbst “Trainer” auszubilden und Dich nach und nach zurückziehen.

Diese etwas überzeichnete Darstellung beschreibt recht gut, was sich aktuell auf diesem Sektor überall finden lässt, wobei praktisch keine Effizienznachweise geführt werden. In der Regel propagieren diese selbst ernannten Lerngurus nur jene lange bekannten Methoden der Mnemotechnik, die schon seit Jahrhunderten tradiert werden und manchmal schlicht zur Memotechnik verkommen ;-)

Quelle: http://neuropaedagogik.blogspot.com/2008_02_01_archive.html (24. Februar 2008)

Zehn Mythen über das Gehirn

Sonntag, 31. Mai 2009

Isabelle Bareither räumt mit den zehn bekanntesten Mythen rund um das Gehirn auf

  1. Hirnjogging beugt Alzheimer vor
  2. Sport trainiert nur den Körper, nicht den Geist
  3. Gingko und Schokolade sind gut für das Gehirn
  4. Meditation beruhigt das Gehirn
  5. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr
  6. Hirnjogging-Programme machen schlauer
  7. Hintergrundmusik hilft beim Lernen
  8. Mozartmusik macht schlau
  9. Hirndoping führt ohne Nebenwirkungen zu ungekannten Leistungen
  10. Unter Druck kann man besser lernen und mehr leisten

Nachzulesen auf http://www.ksta.de/html/artikel/1242833463290.shtml