Zum Thema ‘Lernorganisation’

Mit Lernprozess sind jene Organisationsstrukturen gemeint, das Lernen erleichtern oder behindern können.



Mit Lernprozess sind jene Organisationsstrukturen gemeint, das Lernen erleichtern oder behindern können.

Interessefördernder Unterricht




Für die Realisierung von interesseförderndem Unterricht muss man wissen, wie Interessen entstehen, wie sie sich entwickeln und wie man als Lehrerin oder Lehrer diese Entwicklung beeinflussen kann. Grundsätzlich  nimmt man eine kontinuierliche Interessengenese an, wobei auf der ersten Stufe eine zunächst an sich uninteressante Gegenstandsauseinandersetzung in ein aktuelles Interesse umgemünzt wird. Dies gelingt etwa, wenn diese Auseinandersetzung mit Begleitumständen und -themen verknüpft wird, die für die SchülerInnen interessant sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von Catch-Faktoren, die das aktuelle Interesse eines Schülers wecken. Auch eine zunächst rein extrinsisch motivierte Gegenstandsauseinandersetzung kann über die Erfahrung von Catch-Impulsen bei der eigentlichen Auseinandersetzung zu aktuellem Interesse führen. In einem zweiten Schritt geht es um eine mittel- bis langfristigen Stabilisierung des aktuellen Interesses am Interessengegenstand, wobei diese Auseinandersetzung die Persönlichkeitsstruktur des interessierten Schülers bzw. der interessierten Schülerin aktualisieren soll, sodass er oder sie allmählich dem Interessengegenstand eine allgemeine Wertschätzung entgegenbringt. Die Elemente des Gegenstands bzw. der Gegenstandsauseinandersetzung, die stabilisierend auf das Interesse wirken, bezeichnet man als Hold-Faktoren. Der letzte Schritt schließlich umfasst due Übernahme des aktuellen Interesses in die dispositionale Struktur des Schülers oder der Schülerin, sodass das aktuelle Interesse zum dispositionalen Interesse werden kann. Während im Unterricht eine kurzfristige Erzeugung und mittelfristige Stabilisierung von aktuellem Interesse noch relativ einfach möglich ist, ist die langfristige Stabilisierung und der Übergang vom aktuellen zum dispositionalen Interesse nur schwer und über längere Zeiträume hinweg zu erreichen. Zu einer Stabilisierung des aktuellen Interesses kann es nämlich nur dann kommen, wenn der Schüler oder die Schülerin eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowohl auf der rationalen Ebene als wichtig und mit ihren eigenen Zielen vereinbar erlebt, als diese auch auf der emotionalen Ebene als positiv erlebt.



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Aufschieberitis bei Studentinnen und Studenten




Nach Untersuchungen zeigen etwa 70 bis 90 Prozent der Studierenden Prokrastinationsverhalten, denn das selbstbestimmte Lernen verleitet viele StudentInnen zum Aufschieben. Ursache sind meist unklare Prioritäten, eine schlechte Planung, oder dass man gar nicht weiß, wie und womit man überhaupt anfangen soll, andere wieder prokrastinieren, weil sie Versagensängste haben. Vor allem besonders langwierige, umfangreiche Aufgaben wie Bachelor- und Masterarbeit werden von Studenten oft aufgeschoben. Um erfolgreich bei Prüfungen zu sein, muss man oft kurzfristig Unangenehmes in Kauf nehmen, um übergeordnete Ziele zu erreichen. Dazu gehört etwa, für eine Prüfung mehrere Tage oder Wochen zu lernen und in dieser Zeit seine Freizeit einzuschränken. Das gelingt leichter, wenn StudentInnen nach einem festen Zeitplan arbeiten und jeden Tag zur selben Uhrzeit beginnen. Man sollte sich dabei etwa zehn bis fünfzehn Minuten vorher Zeit nehmen, um sich innerlich auf seine Aufgabe einzustellen, etwa indem man seinen Arbeitsplatz herrichtet und Gegenstände, die ablenken können, wegräumt.  Auch sollte man große Aufgaben immer in kleine Schritte zerlegen und diese kleinen Schritte auch zu notieren, denn generell nehmen sich viele StudentInnen zu viele Aufgaben am Tag vor. Hilfreich ist dabei dann die Fünfzig-Prozent-Regel, wobei man sich fragt, wie viel man eigentlich schaffen will, denn wenn man zu seinem Arbeitspensum eine konkrete Vorstellung entwickelt hat, sollte man den Umfang noch einmal um die Hälfte reduzieren, denn erst dann ist die Planung in der Regel realistisch.

Die Prokrastinationsambulanz der Westfälischen Wilhlems-Universität Münster bietet Diagnostik, Beratung und Therapie bei Prokrastination an und erforscht dieses Problem mit dem Ziel, die Behandlung zu optimieren. Auf der Site der Prokrastinationsambulanz hat man die Möglichkeit, sich in folgenden Bereichen zu testen:

Prokrastination (Pathologisches Aufschieben)
Depressivität
Aufmerksamkeitsstörung (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung; ADS oder ADHS)

Zu diesen Bereichen erscheinen nacheinander Fragebögen, die in der Praxis und Forschung der klinischen Psychologie entwickelt und genutzt werden. Auf der Grundlage dieser Fragebögen erfolgt die Einschätzung einer möglichen Behandlungsbedürftigkeit. Man kann den Selbsttest für sich allein ausfüllen und anonym auswerten lassen und erhält sofort im Anschluss eine individuelle Rückmeldung darüber, ob man gemäß den Angaben zum Aufschiebeverhalten bereits von Prokrastination sprechen kann oder nicht.

Link: http://ww3.unipark.de/uc/Selbsttest_Prokrastination/ospe.php (16-04-04)

Quellen
http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article153980794/Gegen-Aufschieberitis-hilft-die-50-Prozent-Regel.html (16-04-10)
https://www.uni-muenster.de/Prokrastinationsambulanz/Angebote_Test.html (16-04-10)
http://studium.lerntipp.at/motivation/aufschieberitis.shtml (16-04-10)



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Warum Anmerkungen zu psychologischen Aspekten des Lernens?




In einer einführenden Lehrveranstaltung an der Johannes Kepler Universität Linz für Studentinnen der Wirtschaftspädagogik, habe ich versucht, diesen auch die Grundlagen des richtigen Lernens und Studieren zu vermitteln. Dabei entstand in Laufe der Jahre eine Checkliste von Aspekten, die ich in dieser Lehrveranstaltung in jedem Fall vermitteln wollte.

Die teilweise provokant formulierten Thesen wurden in der Lehrveranstaltung mit einschlägigen psychologischen Erkenntnissen belegt, wodurch es gelang, das aktuelle Lernverhalten der Studentinnen und Studenten zu thematisieren und zumindest im Ansatz zu verändern. Dies gelang meistens dadurch, indem ich die Studentinnen und Studenten die Nachteile ihrer bisherigen Methoden praktisch erfahren ließ.

Da ich diese einführende Lehrveranstaltung schon seit einigen Jahren nicht mehr durchführe, möchte ich in diesem Lernblog die in vier Gruppen weitergeben:



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© Werner Stangl Linz 2018