Archiv für die Kategorie „Kurioses“

Lernen im Schlaf

Samstag, 21. November 2009

Wie mit manchen spezifischen psychologischen Forschungsergebnissen zum Lernen medial umgegangen wird, zeigt sich wieder jüngst am Beipiel eines Experiments von Rudoy et al. (2009), die für ein Experiment ein Dutzend junge Erwachsene zu einem einfachen Lernexperiment ins Labor baten: Die ProbandInnen mussten sich die Positionen von 50 verschiedenen Bildern auf einem Bildschirm einprägen, wobei jedes der Objekte von einem dazugehörigen Geräusch begleitet wurde (z.B. Katze – Miauen, Teekessel – Pfeifen, Dynamit – Explosion usw.). Nach dieser Lernphase schliefen die TeilnehmerInnen, wobei ihnen in er Tiefschlafphase die Geräusche von 25 der 50 Objekte erneut vorgespielt wurden. Nach dem Aufwachen konnten sie die Positionen der 25 akustisch “wiederholten” Objekte ebenso gut angeben wie am Ende der Lernphase, während bei den anderen Objekten die Fehleinschätzung der Bildschirmpositionen durchschnittlich um 20 Prozent zugenommen hatte.

Björn Rasch et al. (2007) stützen vor einigen Jahren ebenfalls die These, dass Lernen im Schlaf auf einer unbewussten Wiederholung von neuem Wissen beruht. Sie baten ihre Versuchsteilnehmer in einem mit dem Blumenduft erfülltem Raum die Position von 15 Kartenpaaren auf einem Computerbildschirm zu lernen. Einer Gruppe von Probanden ließen die Wissenschafter nachts in der Tiefschlafphase Blumenduft um die Nase wehen. Am nächsten Tag prüfte man, wie viele Kartenpaare sich die Probanden gemerkt hatten: Die “Duft-Gruppe” erinnerte sich an 97 Prozent, die Gruppe ohne Duft nur an 85 Prozent. Durch die gezielte Reaktivierung der Erinnerungen mit Hilfe des Dufts hatten die Probanden also tatsächlich etwas besser gelernt. Erinnerungen an Tatsachen und Ereignisse, wie etwa die Position von Karten, werden im Hippocampus verarbeitet, der besonders während der Tiefschlafphase aktiviert wird. Die Magnetresonanzaufnahmen des Gehirns zeigten eine steigende Aktivität im Hippocampus, sobald um die schlafenden Probanden der Duft verströmt wurde. In der REM-Schlafphase hingegen zeigte der Duft hingegen keine verstärkende Wirkung. Fünf Personen brachen das Experiment ab, denn sie schafften es nach der Lerneinheit nicht, rechtzeitig einzuschlafen.

In einem Medium erschien übrigens ein Bericht über das erste Experiment unter dem Titel “Geräusche dopen das Gedächtnis”. Den LeserInnen sei empfohlen, dieses Lernergebnis in einem Brainstorming auf praktische Lernaufgaben im Alltag zu übertragen ;-)

Hierzu passt übrigens ein altes Forschungsergebnis aus dem Jahr 2001:

Im Schlaf lernen funktioniert

Unter diesem Titel erschien im Bild der Wissenschaft folgender Bericht: Vor einer Prüfung zu schlafen bringt mehr als die Nacht durchzubüffeln. Das schließen Forscher um Marcos Frank von der Universität Kalifornien aus Untersuchungen an Katzen. Mit den Experimenten konnten sie erstmals direkt zeigen, dass im Schlaf Eindrücke des Tages im Gehirn festgeschrieben werden, berichten sie im Fachmagazin “Neuron”. Die Forscher deckten bei jungen Katzen für sechs Stunden ein Auge ab. Dadurch bildete sich die Gehirnregion überdimensional aus, die Eindrücke aus dem offenen Auge auswertet. Ein Schläfchen konnte diese Umstellungen beschleunigen: Katzen, die nach der Abdeckung sechs Stunden lang schlafen durften, hatten doppelt so große Änderungen im Gehirn als Tiere, die “durchmachen” mussten. Selbst Katzen, die zwölf Stunden lang die Augenklappe trugen zeigten geringere Anpassungen im Gehirn als Tiere, die die Klappe nur sechs Stunden trugen und anschließend geschlafen haben. Die Umorganisation im Gehirn geschehe vorwiegend in traumlosen Tiefschlafphasen, sagen die Forscher. Solche Anpassungen seien eine Grundlage für Lernen und Erinnern. Die Forscher nehmen an, dass auch bei erwachsenen Tieren und beim Menschen das Gehirn während Tiefschlafphasen besonders plastisch ist und Gelerntes festschreibt.

Quelle: http://warp6.dva.de/sixcms/detail.php?id=88872 (01-05-30) nach http://paedpsych.jku.at/internet/ARBEITSBLAETTERORD/
LERNTECHNIKORD/Gedaechtnis.html
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEHIRN/GehirnZeit.shtml (09-11-10)

Literatur
Rudoy, John D , Voss, Joel L., Westerberg, Carmen E. & Paller, (2009). Strengthening Individual Memories by Reactivating Them During Sleep. Science 20 November , Vol. 326. no. 5956, p. 1079. DOI: 10.1126/science.1179013.
Rasch, B., Buchel, C., Gais S. & Born J. (2007). Odor cues during slow-wave sleep prompt declarative memory consolidation. Science, March 9.

Wie wird man ein berühmter Lerntechnik-Trainer?

Donnerstag, 9. Juli 2009

Monika Armand hat einmal in einem Blogbeitrag eine ironische Anleitung dafür gegeben, wie man ein berühmter Lerntechnik-Trainer wird. Sie schrieb:

  • Zunächst brauchst Du einzelne wissenschaftliche Forschungsergebnisse. Ideal sind solche, welche wissenschaftliche Studienergebnisse markant zusammenfassen und eine eindeutige Wirkungsbeziehung herstellen (Kurzmitteilungen aus Tageszeitungen, Newstickers etc.).
  • In einem zweiten Schritt ist dann Deine Kreativität gefragt: Du brauchst Ideen für kreative Übungen, um die vorherige “wissenschaftliche” Theorie nun im Alltag umsetzen zu können.
  • In einem dritten Schritt baust Du daraus ein übersichtliches System: 1. Theoretische Begründung; 2. Deine kreativen Schlussfolgerungen; 3. Deine Übungen. Diesen letzten “Baustein” setzt Du dann anhand der verschiedenen einzelnen Theoriesätze zusammen.
  • Vierter Schritt: Zuletzt brauchst Du einen Patentanwalt. Gib Deinem System einen einprägsamen Namen, sichere Dir die Markenschutzrechte. Nun brauchst Du Anhänger Deiner Idee. Hole Dir Tipps von Marketingfachleuten, wie die neue “Lerntechnik” gekonnt vermarktet und Du möglichst viele Fans dafür gewinnen kannst.
  • Versuche nun Deine Ideen zu “verkaufen”. Sprich Schulleiter an, denn diese sind immer offen für neue Lernkonzepte, angesichts der scheinbar geringen Wirksamkeit der bislang umgesetzten Lerntechniken.
  • Wenn dann die Sache läuft, kannst Du anfangen, selbst “Trainer” auszubilden und Dich nach und nach zurückziehen.

Diese etwas überzeichnete Darstellung beschreibt recht gut, was sich aktuell auf diesem Sektor überall finden lässt, wobei praktisch keine Effizienznachweise geführt werden. In der Regel propagieren diese selbst ernannten Lerngurus nur jene lange bekannten Methoden der Mnemotechnik, die schon seit Jahrhunderten tradiert werden und manchmal schlicht zur Memotechnik verkommen ;-)

Quelle: http://neuropaedagogik.blogspot.com/2008_02_01_archive.html (24. Februar 2008)