Zum Thema ‘Grundlagen des Lernens’

In den Grundlagen des Lernens werden grundlegende Merkmale von Lernen und Lehren vermittelt.



In den Grundlagen des Lernens werden grundlegende Merkmale von Lernen und Lehren vermittelt.

Körpergedächtnis



Analog zum Aufbau einer Gedächtnisstruktur zur Orientierung über die Umwelt konstruiert unser Körpergedächtnis (kinästhetisches Gedächtnis) aus interozeptiven und haptischen Sinneswahrnehmungen ein dreidimensionales Modell unseres Körpers. Durch Integration und Speicherung dieser Körperwahrnehmungen wird ein Körpergedächtnis aufgebaut.  Auch der menschliche Körper hat also ein Gedächtnis, wobei früh gelernte Bewegungsabläufe wie Fahrradfahren, Klavierspielen und Schwimmen ein Leben lang gespeichert werden.So können sich die Finger eines Klavierspielers auch nach vielne Jahren noch an die Läufe erinnern. Auch Tänzer memorieren unendlich viele, komplizierte Schrittfolgen, Sprünge und Drehungen, die auch lange nach dem Ende der aktiven Laufbahn erhalten bleiben, wobei hier vor allem die Musik das Körpergedächtnis stützt. Jede Aneignung von Bewegungsmustern, Schritten und Anschlägen arbeitet demnach mit dem Erinnerungsvermögen des Körpers und seinem kinästhetischen Gedächtnis, das  das Gelernte speichert und  es als verkörpertes Wissen verfügbar macht, wobei zum Erinnern natürlich auch das Löschen, Vergessen und Verdrängen wie beim normalen Gedächtnis gehören.
Musik dient außerdem dazu, Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu holen, etwa bei Demenzkranken, bei denen man durch das Vorspielen von Kinderliedern oder alten Schlagern das Erinnerungsvermögen erhöhen kann. Übrigens ist diese besonders gute Verankerung bei Bewegungen dafür verantwortlich, dass es so schwer ist, einmal Gelerntes zu korrigieren und Abgespeichertes zu vergessen, was besonders bei SportlerInnen ein großer Nachteil sein kann.
Der menschliche Körper nimmt allerdings auch zwischenmenschliche Beziehungen durch Erfahrungen im Körper wahr, die genauso  eine biologische Spur hinterlassen können.



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Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis bekommen



Damit Gelerntes vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis kommen kann, müssen die neuen Informationen als wichtig bewertet werden, wobei diese Selektion einen natürlichen Schutzmechanismus des Gehirns darstellt und der Überflutung mit uninteressanten Informationen entgegenwirken soll. Dabei ist von Mensch zu Mensch verschieden, welche Augenblicke, Objekte oder Gerüche gespeichert werden, denn das hängt mit der Bedeutung zusammen, die man dem aktuellen Geschehen beimisst. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Gefühlen zu, denn bekanntlich werden Ereignisse, die besonders starke Emotionen auslösen ein Leben lang nicht mehr vergessen, während einfache und meist häufig wiederholte Begebenheiten des Alltags es nicht in den Langzeitgedächtnis schaffen, sodass diese als unwichtig empfundene Informationen vom Gehirn einfach gelöscht oder durch andere Inhalte überschrieben werden. Hinzu kommt, dass man sich mit zunehmendem Alter an immer weniger Dinge erinnern kann, was nicht nur mit einem Abbau des Gedächtnisses – das Stirnhirn verliert an Funktionsfähigkeit und Volumen- zu tun hat, sondern auch mit einer Umstrukturierung des Gehirns.



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Grundprinzipien des Lernens und notwendige Konsequenzen



Besser behalten wird, was verstanden ist.
Unverstandenes kann allenfalls ‚mechanisch auswendig‘ gelernt werden, aber es kann, wenn es überhaupt in unser Langzeitgedächtnis gelangt, dort nicht sinnvoll eingeordnet werden. Meistens wird es auch bereits aus dem Kurzzeitspeicher schnell wieder ‚ausgesperrt‘.
Also: Nacharbeiten, nachschlagen, nachfragen!

Besser behalten wird, was nicht in der Luft hängt.

Isolierte Informationen finden keinen sicheren Halt im Gedächtnis, denn dieses ist ein ‚feinmaschiges Netz‘, in dem das Einzelne nur durch Verknüpfung mit dem Ganzen gehalten wird.
Also: Lernstoff mit bisherigem Wissen verbinden!

Behalten wird nur, was in verkraftbarer Menge angeeignet wird.
Eine große Stoffmenge kann nicht auf einmal aufgenommen werden. Vielmehr führt die Überfrachtung unseres Gehirns zu Denkblockaden, denn unser Gedächtnis ist keine ‚Festplatte‘, die in reiner und reihender Form registriert, sondern ein vieldimensionaler Speicher, in dem jede Information ihren gesicherten Platz finden muss. Und diese Einordnung braucht Zeit und Kraft.
Also: Lernstoff in aufnehmbare Einheiten einteilen!

Behalten wird nur, was mit ungestörter Aufmerksamkeit aufgenommen wird.

Was in überanstrengtem oder müdem Zustand gelernt oder was durch zusätzliche Eindrücke überlagert wird, wird oft bereits bis zum nächsten Tag wieder vergessen, denn die ‚Kondition‘ und Aufnahmeflexibilität unseres Gehirns sind begrenzt.
Also: Abstände, Pausen, Abschaltphasen zwischen den Lernzeiten!

Behalten wird nur, was wieder aufgerufen, bewegt, gebraucht wird.
Was nur einmal oder flüchtig im Gedächtnis abgelegt ist, wird dort bald verschüttet und vergessen.
Also: Wiederholen, wiederholen …!

Leichter behalten wird, was geordnet ist.
Eine Fülle von Details lässt sich auch kurzfristig nur dann verfügbar halten, wenn sie in unserem Gedächtnis durch ‚Überschriften‘ Struktur erhält.
Also: Lernstoff gliedern!

Leichter behalten wird, was zusätzlich in gefilterter Form in unserem Gedächtnis bewegt wird.
Wenn also die Vielfalt eines Stoffes auf Wesentliches reduziert wird, wird Lernen aktiv und damit erfolgreicher als rezeptives Aufnehmen. Außerdem erhält unser Gedächtnis zusätzliche Einordnungs- und Abrufhilfen.
Also: Lernstoff zusammenfassen!

Besser behalten wird, was auf ‚unterschiedlichen Wegen‘ aufgenommen und bewegt wird.
Der Wechsel von innerem ’stillen‘ und lautem Sprechen oder auch von schriftlicher Fixierung zentraler Inhalte ‚ergreift‘ den Stoff in verschiedener Weise und macht dadurch den Umgang mit ihm sicherer.
Also: Lernform variieren!

Siehe auch Sechs neurowissenschaftliche Grundprinzipien des Lernens

Quelle: http://www.hulda-pankok-gesamtschule.de/
uploads/media/Arbeitstechniken_01.pdf (10-07-06)



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© Werner Stangl Linz 2018