Archiv für die Kategorie „Grundlagen des Lernens“

Sechs neurowissenschaftliche Grundprinzipien des Lernens

Donnerstag, 29. Juli 2010
  • Orientierung: Über 100 Megabyte an Information erreichen unser Gehirn pro Sekunde, so dass erst einmal alles Relevante herausgesiebt werden muss. Das zu Lernende muss daher bedeutsam sein, Reizdarbietung allein reicht nicht.
  • Konkrete Erfahrung: Verständnis und Einsicht können Erfahrung festigen, aber nicht ersetzen, daher ist das Lernen durch die Wahl des Lernarrangements beeinflussbar.
  • Verarbeitungstiefe: Wer sich intensiv mit etwas auseinandersetzt, kann sich bei gleichem Zeitaufwand hinterher viel besser daran erinnern als bei oberflächlicher Betrachtung, denn Verarbeitungstiefe sorgt für nachhaltiges Lernen.
  • Emotionen: Werden positive Emotionen angesprochen, werden die gedächtnisrelevanten Strukturen im Gehirn aktiv und unterstützen auf diese Weise das Lernen, sodass der Lernerfolg größer wird.
  • Aufmerksamkeit: Sie ist stets begrenzt.
  • Motivation: Das Gehirn muss sich von innen heraus über Dopaminausschüttung selbst motivieren, wobei hierfür die Relation von Anforderung und Fähigkeit entscheidend ist, im Extremfall entsteht Langeweile oder Überforderung.

Quelle: http://www.morgenweb.de/ (10-07-29)

Ordnungsschwelle und Lernen

Montag, 26. Juli 2010

Das menschliche Gehirn kann nur eine begrenzte Zahl von Informationen verarbeiten, denn laufen zu viele gleichzeitig oder kurz nacheinander ein, werden Menschen rasch ärgerlich, frustriert und manchmal auch aggressiv. Die Ursache von achtzig Prozent aller Lernstörungen hängen mit der Ordnungsschwelle zusammen, dem Mindestabstand, in dem zwei Reize aufeinander folgen müssen, um getrennt bzw. nacheinanader wahrgenommen zu werden. Unterhalb dieser Ordnungsschwelle kann man zwei Reize auch nicht zeitlich ordnen, also nicht sagen, welcher der erste und welcher der zweite Reiz war. Diese Schwelle ist übrigens für alle Sinnesbereiche ziemlich gleich und liegt bei 30 bis 40 Millisekunden, wobei sich Menschen darin unterscheiden können.
Kinder mit hoher Ordnungsschwelle können sich daher noch so sehr anstrengen, der Lehrerin oder dem Lehrer zu folgen, wenn zwei Reize zu rasch aufeinander folgen, entstehen Lücken in der Rezeption, denn das Kind hat zwar die eine Information gehört, etwa dass es ein Heft aus der Schultasche nehmen soll, aber nicht mitverstanden, welches Heft das nun sein soll, denn diese Information lag zu dicht an der Information.

Siehe dazu Gehirn und Zeit

Grundprinzipien des Lernens und notwendige Konsequenzen

Mittwoch, 23. Juni 2010

Besser behalten wird, was verstanden ist.
Unverstandenes kann allenfalls ‘mechanisch auswendig’ gelernt werden, aber es kann, wenn es überhaupt in unser Langzeitgedächtnis gelangt, dort nicht sinnvoll eingeordnet werden. Meistens wird es auch bereits aus dem Kurzzeitspeicher schnell wieder ‘ausgesperrt’.
Also: Nacharbeiten, nachschlagen, nachfragen!

Besser behalten wird, was nicht in der Luft hängt.

Isolierte Informationen finden keinen sicheren Halt im Gedächtnis, denn dieses ist ein ‘feinmaschiges Netz’, in dem das Einzelne nur durch Verknüpfung mit dem Ganzen gehalten wird.
Also: Lernstoff mit bisherigem Wissen verbinden!

Behalten wird nur, was in verkraftbarer Menge angeeignet wird.
Eine große Stoffmenge kann nicht auf einmal aufgenommen werden. Vielmehr führt die Überfrachtung unseres Gehirns zu Denkblockaden, denn unser Gedächtnis ist keine ‘Festplatte’, die in reiner und reihender Form registriert, sondern ein vieldimensionaler Speicher, in dem jede Information ihren gesicherten Platz finden muss. Und diese Einordnung braucht Zeit und Kraft.
Also: Lernstoff in aufnehmbare Einheiten einteilen!

Behalten wird nur, was mit ungestörter Aufmerksamkeit aufgenommen wird.

Was in überanstrengtem oder müdem Zustand gelernt oder was durch zusätzliche Eindrücke überlagert wird, wird oft bereits bis zum nächsten Tag wieder vergessen, denn die ‘Kondition’ und Aufnahmeflexibilität unseres Gehirns sind begrenzt.
Also: Abstände, Pausen, Abschaltphasen zwischen den Lernzeiten!

Behalten wird nur, was wieder aufgerufen, bewegt, gebraucht wird.
Was nur einmal oder flüchtig im Gedächtnis abgelegt ist, wird dort bald verschüttet und vergessen.
Also: Wiederholen, wiederholen …!

Leichter behalten wird, was geordnet ist.
Eine Fülle von Details lässt sich auch kurzfristig nur dann verfügbar halten, wenn sie in unserem Gedächtnis durch ‘Überschriften’ Struktur erhält.
Also: Lernstoff gliedern!

Leichter behalten wird, was zusätzlich in gefilterter Form in unserem Gedächtnis bewegt wird.
Wenn also die Vielfalt eines Stoffes auf Wesentliches reduziert wird, wird Lernen aktiv und damit erfolgreicher als rezeptives Aufnehmen. Außerdem erhält unser Gedächtnis zusätzliche Einordnungs- und Abrufhilfen.
Also: Lernstoff zusammenfassen!

Besser behalten wird, was auf ‘unterschiedlichen Wegen’ aufgenommen und bewegt wird.
Der Wechsel von innerem ‘stillen’ und lautem Sprechen oder auch von schriftlicher Fixierung zentraler Inhalte ‘ergreift’ den Stoff in verschiedener Weise und macht dadurch den Umgang mit ihm sicherer.
Also: Lernform variieren!

Siehe auch Sechs neurowissenschaftliche Grundprinzipien des Lernens

Quelle: http://www.hulda-pankok-gesamtschule.de/
uploads/media/Arbeitstechniken_01.pdf (10-07-06)

Zerstörung der Aufmerksamkeit

Sonntag, 6. Juni 2010

Unter dem Titel “Von der Zersplitterung der Informationen” weist Tania Konnerth  in ihrem Zeit zu leben-Newsletter 514 vom 6.6.2010 darauf hin, dass Informationen heute ganz anders aufbereitet werden als noch vor 20 Jahren, denn die Portionen, in denen Fakten und Informationen präsentiert werden, wurden immer kleiner.

In Filmen werden die Schnitte immer kürzer, aber auch Texte in Büchern oder Zeitschriften werden kürzer. Sachbücher werden heute normalerweise mit vielen Zwischenüberschriften, zusammenfassenden Kästchen, und Randnotizen aufbereitet, wodurch man zwar Sachzusammenhänge schnell erfassen und auch leichter behalten kann, aber zu viele Zwischenüberschriften zerfleddern den Text und führen dazu, dass man ihn nur noch oberflächlich liest. Angesichts dieser fragmentierten Reize hat man fast keine Möglichkeit mehr, ruhig auf etwas hinzuschauen, denn unsere Augen finden oft keinen Halt mehr. Das Hauptziel einer solchen Lektüre besteht eher darin, nicht die Orientierung zu verlieren und wenigstens einen gewissen Überblick zu erhalten, was aber auf Kosten der Tiefe und auch der Konzentrationsfähigkeit geht. Unsere Lesegewohnheiten haben sich dadurch so radikal verändert, dass es einem nach solchen Lektüren immer schwieriger fällt, z.B. einen Roman oder auch nur eine Kurzgeschichte im angemessenen Tempo zu lesen – ich selber brauche im Urlaub für die Umstellung auf Ferienlektüre immer einige Tage, vom Überfliegen der Texte aus meinem Berufsalltag zu einer geruhsamen und entspannenden Leseweise zu gelangen.

Man sollte daher versuchen, auch im Alltag immer wieder eine solche kontemplative Lektüre einzuschieben – etwa vor dem Schlafengehen, was in der Regel auch das Abschalten von den Tagesgedanken erleichtert.

Warum Kinder lernen

Dienstag, 4. Mai 2010

Jedes Kind kommt prinzipiell neugierig und wissbegierig zur Welt, wobei Kinder immer und überall lernen, allerdings nicht willentlich gesteuert, sondern vor allem unbewusst. Das menschliche Gehirn ist von Natur aus darauf ausgerichtet, immer lernen zu wollen, d.h, es kann gar nichts anderes als lernen. Allerdings funktioniert das Gedächtnis von Kindern, vor allem wenn es um das frühe Lernen geht, nach ganz eigenen Gesetzen, da das kindliche Gehirn nicht die Informationen einfach nur speichert, sondern diese immer zuerst automatisch prüft und hinsichtlich ihrer Bedeutung in einer aktuellen Situation interpretiert, wobei jede neue Information einige Hürden überwinden muss, bevor sie das Kurzzeitgedächtnis aufnimmt. Wenn sich das Gehirn dagegen entscheidet, dann ist das reiner Selbstschutz, denn das Gehirn ist ein ökonomisches Organ, das alle Außenreize, Informationen und alltägliche Kleinigkeiten auf deren Relevanz hin untersucht, um nicht wegen einer grenzenlosen Reizüberflutung handlungsunfähig zu bleiben.
Wenn Kinder später unmotiviert im Unterricht sitzen, hat das gute Gründe, denn der Lernraum Schule ist meist durch Misserfolge, ein schlechtes Verhältnis zum Lehrer oder zu den Klassenkameraden negativ besetzt. Diese negative Einstellung ist eine schlechte Lernbasis, denn das Gehirn reduziert sein Leistungsvermögen und verweigert sich den lernfördernden Reizen und verliert an Assoziationskraft. Kinder lernen schließlich nur dann erfolgreich, wenn ihnen die Lerninhalte, das Lernumfeld und die Lernmethoden Spaß machen. Viele Eltern glauben, ihr Kind mit Belohnungen für das Lernen motivieren zu müssen, doch Belohnungen bewirken oft das Gegenteil, denn das in Aussicht gestellte Geschenk hindert das Kind daran, sich selbst zu motivieren. Allmählich werden Spaß, Wohlgefühl und mögliche innere Zufriedenheit als Motivatoren verdrängt und das Streben auf die äußere Belohnung gelenkt. Überdies nutzen sich solche äußeren Anreize schnell ab. Damit wird die von Geburt an vorhandene Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, binnen kurzem zerstört. Schließlich lernt ein Kind nicht Laufen, weil es die Eltern mit etwas dafür belohnen, sondern weil es laufen können möchte und jeder kleine Erfolg von ein paar Schritten Belohnung genug ist. Vor allem unerwartete Erfolge, die entsprechend gewürdigt werden, prägen sich als positive Erlebnisse ein und dienen als Motivation für die Zukunft. Hirnforscher haben nachgewiesen, dass Emotionen beim Lernen eine entscheidende Rolle spielen, und eine Gedächtnisbildung ohne Emotionen gar nicht möglich ist.

Entstanden unter Verwendung von
Roedenbeck, Maja (2010). Gedächtnis-Genies: So lernen Kinder.

http://www.urbia.de/magazin/schulkind/schule-und-lernen/

gedaechtnis-genies-so-lernen-kinder (10-05-04)

Körpergedächtnis

Freitag, 26. März 2010

Analog zum Aufbau einer Gedächtnisstruktur zur Orientierung über die Umwelt konstruiert unser Körpergedächtnis (kinästhetisches Gedächtnis) aus interozeptiven und haptischen Sinneswahrnehmungen ein dreidimensionales Modell unseres Körpers. Durch Integration und Speicherung dieser Körperwahrnehmungen wird ein Körpergedächtnis aufgebaut.  Auch der menschliche Körper hat also ein Gedächtnis, wobei früh gelernte Bewegungsabläufe wie Fahrradfahren, Klavierspielen und Schwimmen ein Leben lang gespeichert werden.So können sich die Finger eines Klavierspielers auch nach vielne Jahren noch an die Läufe erinnern. Auch Tänzer memorieren unendlich viele, komplizierte Schrittfolgen, Sprünge und Drehungen, die auch lange nach dem Ende der aktiven Laufbahn erhalten bleiben, wobei hier vor allem die Musik das Körpergedächtnis stützt. Jede Aneignung von Bewegungsmustern, Schritten und Anschlägen arbeitet demnach mit dem Erinnerungsvermögen des Körpers und seinem kinästhetischen Gedächtnis, das  das Gelernte speichert und  es als verkörpertes Wissen verfügbar macht, wobei zum Erinnern natürlich auch das Löschen, Vergessen und Verdrängen wie beim normalen Gedächtnis gehören.
Musik dient außerdem dazu, Erinnerungen wieder ins Bewusstsein zu holen, etwa bei Demenzkranken, bei denen man durch das Vorspielen von Kinderliedern oder alten Schlagern das Erinnerungsvermögen erhöhen kann. Übrigens ist diese besonders gute Verankerung bei Bewegungen dafür verantwortlich, dass es so schwer ist, einmal Gelerntes zu korrigieren und Abgespeichertes zu vergessen, was besonders bei SportlerInnen ein großer Nachteil sein kann.
Der menschliche Körper nimmt allerdings auch zwischenmenschliche Beziehungen durch Erfahrungen im Körper wahr, die genauso  eine biologische Spur hinterlassen können.

Sechs Erkenntnisse zum Lernen

Mittwoch, 24. März 2010

Katrin Hille, die Forschungsleiterin des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen am Universitätsklinikum Ulm möchte mit Hilfe der Lehrer in den Schulen ,,Leuchttürme” errichten, die auf die ganze Bildungslandschaft ausstrahlen. Ihrer Meinung nach gelangten Forschungs-Erkenntnisse der Pädagogik, der Didaktik oder der Hirnforschung viel zu selten und zu spät in die Praxis, weshalb sie sechs Knackpunkte entwickelt hat, die nach ihren Erkenntnissen das Lernen bestimmen:

Lernen ist ein aktiver Prozess, denn wer nur zuhört, lernt nicht viel. Menschen lernen am besten durch Tun. Außerdem lernen wir unbewusst, was manchem Lehrer nicht klar sei; wenn er die Liebe predige, lernten Kinder vielleicht zu predigen, aber nicht zu lieben. Gefühle können den Lernprozess stören, zum Beispiel Angst – sie können ihn aber auch befördern; immer dann lernten wir besonders intensiv. Alle drei Probleme haben mit der Lernintensität zu tun. Die Verarbeitungstiefe hat es noch nicht in die Schule geschafft, denn es ist in der Forschung seit über vierzig Jahren bekannt, dass man dadurch mehr in der gleichen Zeit lernt. Je intensiver wir uns mit etwas beschäftigten, umso tiefer lernen wir – wer beim Lernen nachdenke, weiß am meisten. Dafür ist die Motivation wichtig: Unser Gehirn berechnet im Voraus, was passiert. Trifft es nicht ein, lernen wir entweder nichts oder unerwartet viel. Deshalb muss guter Unterricht immer positive Überraschungen bieten. Außerdem sind Vorbilder für die Lernmotivation viel wichtiger als Zuckerbrot und Peitsche. Es ist furchtbar schwierig, länger als eine Stunde an einem Ort aufmerksam zu sein, denn Lernen ist räumlich und zeitlich begrenzt. Diese Erkenntnisse könnten die Schulen entscheidend verbessern, denn vor allem wünschten sich Kinder, dass sie eingebunden werden, sich kompetent fühlen und in einer vorgegebenen Struktur autonom handeln dürfen.

Quelle: http://www.echo-online.de/suedhessen/darmstadt/
-Die-Grundfesten-des-Bildungssystems-sind-falsch
;art1231,759626,C (10-03-24)

Lernen zu lernen

Samstag, 16. Januar 2010

Wer wirkungsvoll lernen will, findet im neu aufgelegten Buch von Metzig & Schuster die richtige Lernmethode für seinen Lernstoff. Jede Lerntechnik wird so beschrieben, dass man sie direkt anwenden kann. Ihre Wirkungsweise wird auf dem Hintergrund der Gedächtnispsychologie erklärt und ihre Wirksamkeit anhand von wissenschaftlichen Studien bewertet. Hinweise zur erfolgreichen Prüfungsvorbereitung sind ebenso enthalten wie Hilfen zum Umgang mit der Angst vor Misserfolgen und mit Lernblockaden. In der neuen Auflage behandeln die Autoren in einem neuen Kapitel interaktive Lernangebote im Internet, von Sprachlernprogrammen über Prüfungsfragen für Studenten bis zu Lernspielen für Schüler. Darüber hinaus wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt.

Themen sind z.B.: Wie das Gedächtnis arbeitet.- Lernverhalten.- Bildhafte Vorstellungen.- Lerntechniken für Zahlen, Buchstaben und Namen.- Organisation des Lernstoffs.- Tiefe der Verarbeitung.- Lernen durch Analogiebildung.- Suggestopädie/Superlearning.- Lernen, Angst und Kränkung.- Lernprodukte und Nützliches im Internet.- Lernen aus Büchern, lernen im Leben.

Lernen und Vergessen von Gelerntem

Samstag, 2. Januar 2010

Wie man weiß, reicht Zeit alleine zum Vergessen nicht aus, sondern Vergessen ist eine aktiver Prozess, der durch zeitabhängige Veränderung der Enkodierspezifität zustande kommt. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Passung, die sowohl eine Rolle beim Erinnern als auch beim Nicht-Erinnern spielt. Eine Gedächnisspur verschwindet in der Regel nicht, sie lässt sich bloß nicht mehr so gut auffinden. Vergessen findet auch durch Interferenz statt, etwa durch Quellenkonfusion, d.h., dass  bestimmte Ereignisse einander ähnlich sind und man nicht mehr weiß, welche Erinnerung zu welchem Ereignis gehört.

Interferenz kann auch durch eine Konkurrenz zwischen ähnlichen Gedächtnisspuren zustande kommen bzw. dass sich die einzelnen Ereignisse miteinander vermischen und man nichts mehr findet. Bei retroaktiven Interferenzen sorgen spätere Gedächnisspuren darfür, dass frühere Spuren nur noch erschwert aufgefunden werden, während bei proaktiven Interferenzen frühere Gedächisspuren spätere Gedächnisspuren stören. Interferenz kann auch über die Generalisierung stattfinden, indem man altes Wissen auf neue Situationen überträgt. Es gibt daher zwei Strategien, um Interferenzen entgegen zu wirken: zum einem beim Enkodieren durch das Erzeugen von distinkten Gedächnisspuren und zum anderen beim Zugriff, durch Unterdrückung (Inhibition) von ungewollten Gedächnisspuren. Beim Enkodieren sollte man möglichst auffällige Informationen mit abspeichern, damit man somit distinkte Gedächnisspuren erzeugt, die dafür sorgen, dass man später die richtige Information wiederfindet. Während des Gedächniszugriffs kann eine Interferenz auch durch einen inhibitatorischen Mechanismus unterdrückt werden, bei dem stärkere Spuren zugunsten von schwächeren Spuren unterdrückt werden. Zugriffsbedingtes Vergessen bezeichnet den Zustand, wenn mehrere Informationen mit dem gleichen Zugriffssignal assoziert sind und der erste Zugriff die folgenden erschwert.

Es gibt zwei Möglichkeiten auf Gedächnisspuren zuzugreifen, den aktiven Zugriffsprozess als Erinnern und das Gefühl der Vertrautheit, d.h., das Wiedererkennen. Das Gefühl der Vertrautheit kommt etwa beim Erinnern an ein gelerntes Wort auf und nicht als bewusste  Erinnerung, wobei das Wiedererkennen nicht auf eine Repräsentation angewiesen ist, die den kompletten Kontext enthält, sondern es kann sowohl in Teilen oder sogar gänzlich kontextfrei erfolgen. Eine wichtige Konsequenz aus dem impliziten Gedächnis und dem Gefühl der Vertrautheit ist die erhöhte Verarbeitungsflüssigkeit.

Mit Hilfe von Mnemotechniken kann man sein Gedächnis verbessern, wobei bestinmmte Enkodierschemata wie z.B. die Methode der Orte verwendet werden. Der Effekt beruht auf einer Kombination mehrere Prinzipien, zum einen des bedeutungsvollen Hervorhebens, das als der Versuch, eine einzigartige Erinnerung zu schaffen gewertet werden kann, mit dem auch Interferenzen unterdrückt werden, zum anderen durch identische Enkodier- und Abrufstrukturen, also durch optimale Passung. Die Mnemotechniken sind insbesondere gut geeignet für Informationen, die wenig Struktur besitzen und somit von der Enkodier- und Abrufstruktur abhängig sind. Auch das Lernen mittels Prüfungsfragen führt zu besseren Lernleistungen, da auf das Wissen aktiver zugegriffen wird, sich somit Verknüpfungen zwischen dem Material und den potentiellen Fragestelungen bilden, wodurch die Fragen selbst zu Zugriffssignalen werden, d.h., eine hohe Enkodierspezifität erreicht. Eine Verteilung des Lernens führt in der Regel ebenfalls zu besseren Lernleistungen (Verteilungseffekt),aber durch das Gefühl der Vertrautheit, das eine Beherrschung des Lernstoffes vortäuscht, kann der Lerneffekt behindert werden. Bei längeren Pausen hingegen verringert sich das Gefühl der Vertrautheit und das Material wird nochmals aktiver verarbeitet.

Lernen und Wiedergeben von Gelerntem

Samstag, 2. Januar 2010

Grundlagen von Elaboration, Enkodierung und Abruf von Gedächnisinhalten

Ein Prinzip der Enkodierung von neuem Wissen ist, dass je länger eine Information im Kurzzeitgedächtnis ist, desto wahrscheinlicher ist der Übergang ins Langzeitgedächtnis. Dabei hat die Rolle der Lernabsicht (Intentionen) nur dann einen großen Effekt, wenn sie mit gedächtniswirksamen Verarbeitungsprozessen kombiniert werden. Intentionelles Lernen geschieht vor allem durch den Aufbau verständnisorienterter Repräsentation, wobei die semantische Verarbeitung allein nicht ausreicht. Es kommt auch auf die Repräsentation an, die man bei dieser Verarbeitung erstellt und die Beziehungen, Verknüpfungen usw. (= Elaboration) herstellt. Es gilt: Wenn ein gutes Verständnis vorhanden ist, dann folgt daraus gute Verarbeitung und ergo gute Lernleistung

Der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation erfordert praktisch immer den Zugriff auf das semantische Langzeitwissen, also ist für die Elaboration Wissen aus dem Langzeitgedächtnis erforderlich, vor allem wegen der Kategorisierung. Beim Verknüpfen können auch Fehler (Illusionen) im Aufbau der der Repräsentation entstehen bzw. gehen Infomationen, die nicht so wichtig erscheinen, verloren. Auch braucht der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation Aufmerksamkeit, denn erst die aufmerksamkeitsintensiven Prozesse sorgen dafür, daß die relevanten Aspekte aus dem Langzeitgedächtnis herausgeholt werden und diese Verknüpfungen aktiv gehalten werden, was auf Dauer anstrengend sein kann. im Langzeitgedächtnis verteilte Repräsentationen müssen zu Gedächnisspuren zusammengebunden werden, da viele Informationen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns abgelegt und verarbeitet werden. Diese bilden dann eine Gedächtnisspur, wobei der Hippocampus als zentrale Verknüpfungsinstanz wirkt: Erinnerungsbruchstücke aktivieren eine Repräsentation im Hippocampus, diese reaktiviert die bei der Kodierung des Ereignis beteiligten Bereiche des kortikalen Netzwerks. Der Hippocampus ist somit nicht nur eine Integrations- sondern auch eine Modulationsinstanz. Das menschliche Gedächnis ist darüber hinaus inhaltsaddresiert, d.h., dass die Adresse selbst die Information enthält. Findet eine Enkodierung ohne Beteiligung des Hippocampus z.B. im impliziten Lernen statt, d.h.,  es gibt keine bewusste  Repräsentation, aber dennoch wird unsere Handlungsauswahl dadurch beeinflußt. Das implizite Lernsystem ist in der Regel nicht strukturiert bzw. einheitlich, sondern es können mehre verschiedene implizite Repräsentationen nebeneinander vorhanden sein, die einander nicht stören. Man geht davon aus, dass die Areale für das implizite Lernen über mehrer Hirnareale verteilt sind. Darüber hinaus ist  implizites Lernen unflexibler, es dauert länger. Man geht jedoch davon aus, das sich durch implizites Lernen die Assoziationsstärken im kortikalen Netzwerk allmählich verändern. Ein wichtiger impliziter Gedächniseffekte ist das Priming, bei dem es darauf ankommt, dass das wichtige Material während der Lern- und Testphase auf gleiche Art und Weise perzeptuell verarbeitet wird.
Es besteht eine enge Beziehung zwischen Enkodierung und dem späteren Zugriff auf Gedächtnisinhalte, denn die Zustände der Kodierungsphase und der Enkodierungsphase sind gleich. Dabei spielt die Enkodierungsspezifität (Effekt der Passung) eine wichtige Rolle, denn je ähnlicher die Zugriffssignale der Anfragen an das Langzeitgedächtnis sind, desto besser erfolgt die Verarbeitung.
Daher ist nicht nur das zu lernende Material wichtig, sondern auch der Kontext, da er sowohl bei der Enkodierung wie auch bei der Kodierung berücksichtig wird. Beim richtigen Elaborieren nimmt man mehr zusätzliche Informationen auf, die zum gelernten “dazugehören” und man besitzt dann mehr Informationen, um diese wieder abzurufen, d.h., viele verschiedene Zugangsinformationen führen zu einer Information.