Archiv für die Kategorie „Grundlagen des Lernens“

Lernen zu lernen

Samstag, 16. Januar 2010

Wer wirkungsvoll lernen will, findet im neu aufgelegten Buch von Metzig & Schuster die richtige Lernmethode für seinen Lernstoff. Jede Lerntechnik wird so beschrieben, dass man sie direkt anwenden kann. Ihre Wirkungsweise wird auf dem Hintergrund der Gedächtnispsychologie erklärt und ihre Wirksamkeit anhand von wissenschaftlichen Studien bewertet. Hinweise zur erfolgreichen Prüfungsvorbereitung sind ebenso enthalten wie Hilfen zum Umgang mit der Angst vor Misserfolgen und mit Lernblockaden. In der neuen Auflage behandeln die Autoren in einem neuen Kapitel interaktive Lernangebote im Internet, von Sprachlernprogrammen über Prüfungsfragen für Studenten bis zu Lernspielen für Schüler. Darüber hinaus wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt.

Themen sind z.B.: Wie das Gedächtnis arbeitet.- Lernverhalten.- Bildhafte Vorstellungen.- Lerntechniken für Zahlen, Buchstaben und Namen.- Organisation des Lernstoffs.- Tiefe der Verarbeitung.- Lernen durch Analogiebildung.- Suggestopädie/Superlearning.- Lernen, Angst und Kränkung.- Lernprodukte und Nützliches im Internet.- Lernen aus Büchern, lernen im Leben.

Lernen und Vergessen von Gelerntem

Samstag, 2. Januar 2010

Wie man weiß, reicht Zeit alleine zum Vergessen nicht aus, sondern Vergessen ist eine aktiver Prozess, der durch zeitabhängige Veränderung der Enkodierspezifität zustande kommt. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Passung, die sowohl eine Rolle beim Erinnern als auch beim Nicht-Erinnern spielt. Eine Gedächnisspur verschwindet in der Regel nicht, sie lässt sich bloß nicht mehr so gut auffinden. Vergessen findet auch durch Interferenz statt, etwa durch Quellenkonfusion, d.h., dass  bestimmte Ereignisse einander ähnlich sind und man nicht mehr weiß, welche Erinnerung zu welchem Ereignis gehört.

Interferenz kann auch durch eine Konkurrenz zwischen ähnlichen Gedächtnisspuren zustande kommen bzw. dass sich die einzelnen Ereignisse miteinander vermischen und man nichts mehr findet. Bei retroaktiven Interferenzen sorgen spätere Gedächnisspuren darfür, dass frühere Spuren nur noch erschwert aufgefunden werden, während bei proaktiven Interferenzen frühere Gedächisspuren spätere Gedächnisspuren stören. Interferenz kann auch über die Generalisierung stattfinden, indem man altes Wissen auf neue Situationen überträgt. Es gibt daher zwei Strategien, um Interferenzen entgegen zu wirken: zum einem beim Enkodieren durch das Erzeugen von distinkten Gedächnisspuren und zum anderen beim Zugriff, durch Unterdrückung (Inhibition) von ungewollten Gedächnisspuren. Beim Enkodieren sollte man möglichst auffällige Informationen mit abspeichern, damit man somit distinkte Gedächnisspuren erzeugt, die dafür sorgen, dass man später die richtige Information wiederfindet. Während des Gedächniszugriffs kann eine Interferenz auch durch einen inhibitatorischen Mechanismus unterdrückt werden, bei dem stärkere Spuren zugunsten von schwächeren Spuren unterdrückt werden. Zugriffsbedingtes Vergessen bezeichnet den Zustand, wenn mehrere Informationen mit dem gleichen Zugriffssignal assoziert sind und der erste Zugriff die folgenden erschwert.

Es gibt zwei Möglichkeiten auf Gedächnisspuren zuzugreifen, den aktiven Zugriffsprozess als Erinnern und das Gefühl der Vertrautheit, d.h., das Wiedererkennen. Das Gefühl der Vertrautheit kommt etwa beim Erinnern an ein gelerntes Wort auf und nicht als bewusste  Erinnerung, wobei das Wiedererkennen nicht auf eine Repräsentation angewiesen ist, die den kompletten Kontext enthält, sondern es kann sowohl in Teilen oder sogar gänzlich kontextfrei erfolgen. Eine wichtige Konsequenz aus dem impliziten Gedächnis und dem Gefühl der Vertrautheit ist die erhöhte Verarbeitungsflüssigkeit.

Mit Hilfe von Mnemotechniken kann man sein Gedächnis verbessern, wobei bestinmmte Enkodierschemata wie z.B. die Methode der Orte verwendet werden. Der Effekt beruht auf einer Kombination mehrere Prinzipien, zum einen des bedeutungsvollen Hervorhebens, das als der Versuch, eine einzigartige Erinnerung zu schaffen gewertet werden kann, mit dem auch Interferenzen unterdrückt werden, zum anderen durch identische Enkodier- und Abrufstrukturen, also durch optimale Passung. Die Mnemotechniken sind insbesondere gut geeignet für Informationen, die wenig Struktur besitzen und somit von der Enkodier- und Abrufstruktur abhängig sind. Auch das Lernen mittels Prüfungsfragen führt zu besseren Lernleistungen, da auf das Wissen aktiver zugegriffen wird, sich somit Verknüpfungen zwischen dem Material und den potentiellen Fragestelungen bilden, wodurch die Fragen selbst zu Zugriffssignalen werden, d.h., eine hohe Enkodierspezifität erreicht. Eine Verteilung des Lernens führt in der Regel ebenfalls zu besseren Lernleistungen (Verteilungseffekt),aber durch das Gefühl der Vertrautheit, das eine Beherrschung des Lernstoffes vortäuscht, kann der Lerneffekt behindert werden. Bei längeren Pausen hingegen verringert sich das Gefühl der Vertrautheit und das Material wird nochmals aktiver verarbeitet.

Lernen und Wiedergeben von Gelerntem

Samstag, 2. Januar 2010

Grundlagen von Elaboration, Enkodierung und Abruf von Gedächnisinhalten

Ein Prinzip der Enkodierung von neuem Wissen ist, dass je länger eine Information im Kurzzeitgedächtnis ist, desto wahrscheinlicher ist der Übergang ins Langzeitgedächtnis. Dabei hat die Rolle der Lernabsicht (Intentionen) nur dann einen großen Effekt, wenn sie mit gedächtniswirksamen Verarbeitungsprozessen kombiniert werden. Intentionelles Lernen geschieht vor allem durch den Aufbau verständnisorienterter Repräsentation, wobei die semantische Verarbeitung allein nicht ausreicht. Es kommt auch auf die Repräsentation an, die man bei dieser Verarbeitung erstellt und die Beziehungen, Verknüpfungen usw. (= Elaboration) herstellt. Es gilt: Wenn ein gutes Verständnis vorhanden ist, dann folgt daraus gute Verarbeitung und ergo gute Lernleistung

Der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation erfordert praktisch immer den Zugriff auf das semantische Langzeitwissen, also ist für die Elaboration Wissen aus dem Langzeitgedächtnis erforderlich, vor allem wegen der Kategorisierung. Beim Verknüpfen können auch Fehler (Illusionen) im Aufbau der der Repräsentation entstehen bzw. gehen Infomationen, die nicht so wichtig erscheinen, verloren. Auch braucht der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation Aufmerksamkeit, denn erst die aufmerksamkeitsintensiven Prozesse sorgen dafür, daß die relevanten Aspekte aus dem Langzeitgedächtnis herausgeholt werden und diese Verknüpfungen aktiv gehalten werden, was auf Dauer anstrengend sein kann. im Langzeitgedächtnis verteilte Repräsentationen müssen zu Gedächnisspuren zusammengebunden werden, da viele Informationen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns abgelegt und verarbeitet werden. Diese bilden dann eine Gedächtnisspur, wobei der Hippocampus als zentrale Verknüpfungsinstanz wirkt: Erinnerungsbruchstücke aktivieren eine Repräsentation im Hippocampus, diese reaktiviert die bei der Kodierung des Ereignis beteiligten Bereiche des kortikalen Netzwerks. Der Hippocampus ist somit nicht nur eine Integrations- sondern auch eine Modulationsinstanz. Das menschliche Gedächnis ist darüber hinaus inhaltsaddresiert, d.h., dass die Adresse selbst die Information enthält. Findet eine Enkodierung ohne Beteiligung des Hippocampus z.B. im impliziten Lernen statt, d.h.,  es gibt keine bewusste  Repräsentation, aber dennoch wird unsere Handlungsauswahl dadurch beeinflußt. Das implizite Lernsystem ist in der Regel nicht strukturiert bzw. einheitlich, sondern es können mehre verschiedene implizite Repräsentationen nebeneinander vorhanden sein, die einander nicht stören. Man geht davon aus, dass die Areale für das implizite Lernen über mehrer Hirnareale verteilt sind. Darüber hinaus ist  implizites Lernen unflexibler, es dauert länger. Man geht jedoch davon aus, das sich durch implizites Lernen die Assoziationsstärken im kortikalen Netzwerk allmählich verändern. Ein wichtiger impliziter Gedächniseffekte ist das Priming, bei dem es darauf ankommt, dass das wichtige Material während der Lern- und Testphase auf gleiche Art und Weise perzeptuell verarbeitet wird.
Es besteht eine enge Beziehung zwischen Enkodierung und dem späteren Zugriff auf Gedächtnisinhalte, denn die Zustände der Kodierungsphase und der Enkodierungsphase sind gleich. Dabei spielt die Enkodierungsspezifität (Effekt der Passung) eine wichtige Rolle, denn je ähnlicher die Zugriffssignale der Anfragen an das Langzeitgedächtnis sind, desto besser erfolgt die Verarbeitung.
Daher ist nicht nur das zu lernende Material wichtig, sondern auch der Kontext, da er sowohl bei der Enkodierung wie auch bei der Kodierung berücksichtig wird. Beim richtigen Elaborieren nimmt man mehr zusätzliche Informationen auf, die zum gelernten “dazugehören” und man besitzt dann mehr Informationen, um diese wieder abzurufen, d.h., viele verschiedene Zugangsinformationen führen zu einer Information.