Spitzer hat das Lernen erfunden …



Wenn man zufällig in den Ulm News einen Artikel unter dem Titel „Ulmer Wissenschaftler erforschen wie Gehirn Informationen verarbeitet und geben Lerntipps“ findet und dann Sätze liest wie …

„Der renommierte Hirnforscher entschlüsselt, was beim Lernen im Gehirn passiert und entwickelt zusammen mit Psychologen und Pädagogen Strategien, die den Lernprozess optimieren.“

„Lernen passiert nicht nur bewusst in der Schule oder Universität, sondern auch beiläufig, während eigentlich ganz andere Ziele verfolgt werden, beispielsweise wenn Kinder spielen. Hierbei werden komplexe Bewegungsabläufe, soziale Fähigkeiten und Interaktionsmuster gelernt. „Das Gehirn lernt immer, und es tut nichts lieber als das“, sagt Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer.“

„Das Lernen ist ein hochkomplexer Prozess, bei dem unzählige neuronale Mechanismen ablaufen. „Informationen und Eindrücke aus der Umwelt werden als elektrische oder biochemische Impulse über sensible Nervenverbindungen im Gehirn, so genannte Neuronen, geleitet. Die Kontaktstellen an den Neuronen (Synapsen) verändern sich beim Lernen, bestehende Verbindungen werden verbessert oder neue Verknüpfungen im Gehirn geschaffen. Es entsteht eine Gedächtnisspur. Wir erinnern uns besser an die abgespeicherte Information, je öfter wir diese Spur aktiv gebrauchen – sinnbildlich vorstellbar wie ein kleiner Trampelpfad, der sich bei häufiger Nutzung zu einem stabilen Weg festigt“, beschreibt der Hirnforscher.“

Spitzer Gehirn Lernen

Neuronen Lernen

„Richtiges Lernen sollte aktiv und selbstbestimmt ablaufen, um erfolgreich zu sein. „Beim Wissenserwerb wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttert. Wir empfinden Freude, wenn wir Neues kennenlernen. Deshalb fällt uns das Lernen auch leichter, wenn wir für Themen eine Leidenschaft entwickeln oder Spaß am Hinterfragen von Zusammenhängen haben“, erläutert Professor Spitzer.“

„Nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen sollte eine Schulstunde stärker an den individuellen Lernrhythmus der Schüler angepasst werden.“

„Außerdem brauchen Kinder und Jugendliche eine Balance zwischen Lern- und Entspannungsphasen, um neues Wissen zu verarbeiten und zu festigen.“

… dann kann man als Psychologe, der die mittlerweile doch mehr als hundertjährige Geschichte der Psychologie und deren Erkenntnisse studiert hat, nur den Kopf schütteln, denn das alles ist ein alter Hut und seit fast hundert Jahren bekannt. Offensichtlich macht sich heute niemand mehr die Mühe, die Erkenntnisse der Gestalt- oder Ganzheitspsychologie, der Wahrnehmungspsychologie, der Emotionspsychologie, der Erkenntnisse zur kognitiven Entwicklung von Piagetsoder das Wissen um die Entwicklung von Kindern durch die Bühlers zu studieren, um zu erkennen, dass diese so bahnbrechenden Erkenntnisse der Gehirnforschung keinerlei Neuigkeiten enthalten. Allein die Erinnerung an die Hauptvorlesung von Hubert Rohracher während meines Studiums genügt, um diese Trivialitäten zum Thema Lernen zu wissen.

Quelle
http://www.ulm-news.de/weblog/ulm-news/view/dt/3/
article/28547/Ulmer_Wissenschaftler_erforschen_wie_Gehirn_
Informationen_verarbeitet_und_geben_Lerntipps.html (14-04-09)







Sorry, comments for this entry are closed at this time.

  1. Eine Antwort auf “Spitzer hat das Lernen erfunden …”

  2. In den OÖN vom 3. Dezember 2016 ein Interview mit Manfred Spitzer:
    „Durch digitale Medien nimmt die Empathie ab“
    Hirnforscher Manfred Spitzer polarisiert wie kaum ein anderer. Seine Ansichten über digitale Medien halten die einen für progressiv, die anderen für Realitätsverweigerung. Manfred Wolf hat mit ihm gesprochen.
    Er würde digitale Medien dämonisieren und die Zukunft der Kinder – in Hinblick auf deren beruflichen Werdegang – aufs Spiel setzen. Diesen Vorwürfen muss sich der deutsche Hirnforscher Manfred Spitzer regelmäßig bei Diskussionsrunden im deutschen Fernsehen aussetzen. Dabei wird er meist sehr emotional, denn die Kritiker würden seine Arbeit und das, was im kindlichen Gehirn vorgeht, ja noch nicht einmal verstehen. Diese Woche hielt Spitzer in Linz einen Vortrag im Auftrag der Landesmusikschulen und des Landes Oberösterreich.
     
    Sie sagen, digitale Medien sind für die Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen gefährlich. Konkret würden sie zur Verdummung beitragen. Wie das?
    Digitale Medien beeinträchtigen die Gehirnentwicklung. Und sie erzeugen Sucht. Beides ist nachgewiesen. Die Gehirnentwicklung wird dadurch beeinträchtigt, dass digitale Medien uns geistige Arbeit abnehmen. Genau die ist aber die Voraussetzung, dass sich unser Gehirn entwickelt.
    Ein Beispiel bitte.
    Ich lerne dadurch laufen, indem ich es dauernd mache. Ich lerne dadurch sprechen, dass jeder mit mir spricht. Ich kann aber laufen nicht lernen, wenn ich im Bett liege. Und sprechen nicht, wenn niemand mit mir spricht. Und ich lerne die Benutzung meines Geistes nicht dadurch, dass ich passiv Medien konsumiere. Beispielsweise durch das Wischen über eine eigenschaftslose Glasoberfläche. Ein zweijähriges Kind trainiert so weder Sensorik, denn eine Glasplatte fühlt sich nach nichts an. Noch trainiert es die Motorik, weil ich ja immer die gleiche Handbewegung mache. Das bedeutet, dass ich weder sensorische noch motorische Fähigkeiten ausbilde. Die brauche ich aber, wenn ich später eine Flasche oder ein Glas anfasse. Und das behindert mich später beim Denken, weil alle komplexen Gedanken über die Hände und das Fühlen in den Kopf hineinkommen.
    Also be-greifen.
    Exakt. Be-greifen heißt ja verstehen. Nach neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung ist es so, dass wir beim Be-greifen auch höhere geistige Leistung mittrainieren. Je mehr Fingerspiele ich im Kindergarten mache, desto besser bin ich mit 20 in Mathematik. Wenn ich aber auf dem iPad wische, dann bin ich nicht besser in Mathematik, weil meine Sensomotorik eher verdummt.
    Ab welchem Alter würden Sie Eltern raten, dem Nachwuchs ein Smartphone anzuvertrauen?
    Da ist die Frage, was will ich damit erreichen? Wenn ich nur will, dass die Kinder die Zeit totschlagen, weil ich mich gerade nicht um sie kümmern will oder kann, dann muss ich mir überlegen, ob es nicht etwas Besseres gibt, als sie vor den Bildschirm zu setzen. Die kurze Antwort heißt, Kindergarten und Grundschule definitiv nicht. Mit 14 Jahren unter Aufsicht, denn es gibt keinen größeren Tatort, keinen größeren Rotlichtbezirk als das Internet. Und im Internet bin ich, sobald ich ein Smartphone habe. Und ich schicke eine 13-Jährige ja auch nicht auf die Reeperbahn.
    Jetzt wird aber auf Tausenden Weihnachtszetteln das Wort Smartphone stehen. Was raten Sie dem Christkind?
    Was ich schon lange rate: Wenn das Geschenk ohne Strom auskommt, ist man auf der richtigen Seite.
    Digitale Medien gibt es aber nicht nur zu Hause, sie sind auch fixer Bestandteil in den Schulen.
    Wenn es etwas gibt, von dem ich den Eindruck habe, dass es am Computer besser gelernt werden kann, dann muss ich in der Pädagogik abwägen: Darf ich für diesen Vorteil, sofern es einen gibt, all die Nachteile riskieren? Diese Güterabwägung ist in der Medizin normal. Ich muss nicht nur die Wirkung einer Tablette beachten, sondern auch die Nebenwirkung. So ist es mit digitalen Medien auch. Die haben Wirkung und Nebenwirkung. Nur auf die Nebenwirkung macht niemand aufmerksam. Und die reichen von Depression über Aufmerksamkeitsstörung, Bluthochdruck und risikoreicheres Verhalten bis hin zu Stress. Dieser verursacht mehr Infektionskrankheiten und schwächt die Immunabwehr. Dann gibt es noch Kurzsichtigkeit und Schlafstörungen, die Diabetes und Tagesmüdigkeit verursachen, wodurch es vermehrt zu Unfällen kommt. Es gibt zwei Hände voll handfester Risiken durch die Nutzung von digitalen Medien. Und die sind nachgewiesen. Das ist nicht mein Bauchgefühl.
    Es gibt in Schulen digitale Medien, das ist Realität …
    … sollte es aber nicht …
    … worauf ich hinauswill ist, dass es funktionierende Leseprogramme gibt, die beide Welten vereinen. Das Kind liest ein Buch, dann beantwortet es Fragen im Internet. Das ist doch ein Leseanreiz.
    Kein Mensch liest ein Buch, um hinterher an den Computer zu gehen, um Fragen zu beantworten. Und schon gar nicht, weil man dann für die Beantwortung einen Smiley bekommt. Das ist sekundäre Motivation, und davon wissen wir, dass sie primäre Motivation, nämlich „Hey, es macht Spaß, ein Buch zu lesen“, kaputt macht. Ich glaube nicht, dass man jemanden zum Lesen bringt, indem man so einen – entschuldigen Sie – Schnickschnack macht. Und es gibt keine Studie, die unabhängig und methodisch sauber gemacht wäre, die gezeigt hätte, dass der Computer im Unterricht das Lernen verbessert. Aber wir haben jede Menge Studien, die zeigen, dass, sobald ich Computer im Unterricht habe, die Aufmerksamkeit abnimmt, die Konzentration weniger wird, weniger gelernt wird. Das ist nachgewiesen. Und solange es nicht nachweislich erbracht wird, dass es was bringt, sollte man es nicht machen.
    In Schulen sind sie aber gegeben. Wie lässt es sich nun, Ihrer Meinung nach, übereinbringen?
    Ach wissen Sie, wir hatten auch mal Sprachlabors, jetzt haben wir sie nicht mehr. Die Amerikaner schrauben die Computer aus den Klassen ab, die sagen, wir haben das jetzt 20 Jahre probiert und es bringt nichts. Wenn sie Smartphones verbieten, wird die Leistung der Schüler besser. Das hat man an 90 Schulen in England gezeigt. Ein Smartphone-Verbot führte in den Jahren danach zu kontinuierlicher Verbesserung der Schulleistung.
    Digitale Medien sind aber nicht per se schlecht.
    Nein. Ich bin Arzt und Wissenschafter. Ohne das Werkzeug Internet geht das alles nicht. Aber was die Produktivität meiner Arbeit erhöht, ist nicht notwendig für die Freizeitgestaltung von Jugendlichen.
    Für Ihre Thesen ernten Sie von vielen Seiten Kritik …
    Den Shitstorm habe ich bei meinem Buch „Digitale Demenz“ schlimmer erlebt. Jetzt ist es gar nicht mehr so arg. Ich glaube, dass die schweigende Mehrheit der Meinung ist, dass digitale Medien Schaden anrichten. Und man muss wissen: Es gibt eine riesengroße Lobby. Genauso, wie wir 50 Jahre lang erzählt bekommen haben, dass Rauchen ungefährlich ist, weil Wissenschafter dafür bezahlt worden sind, genauso haben wir heute Leute, die uns einreden, dass alles toll ist mit der Digitalisierung. Die Firmen, die diese Digitalisierung vorantreiben, Ap-ple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook, das sind die reichsten der Welt. Gegen die ist die Tabak-Lobby winzig. Und die hat in Deutschland 140.000 Tote pro Jahr bewirkt, und das 50 Jahre lang.
    Werden wir in 20 Jahren Aufschriften auf den Smartphones haben, so sie nicht schon überholt sind, wie auf den Zigaretten? „Schädlich für die Entwicklung des Gehirns Ihres Kindes.“
    Ich denke, wir werden so weit kommen wie in Südkorea, da hat man vor einem Jahr Gesetze erlassen, deren Ziel es ist, die nächste Generation zu schützen. Und das in Südkorea, von wo die meisten Smart-phones herkommen. Die haben die beste digitale Infrastruktur, aber auch 31 Prozent Smartphone-Süchtige unter 19 Jahren. Wenn Sie dort unter 19 sind und ein Smartphone kaufen, passiert Folgendes: Es wird eine Software installiert, die dafür sorgt, dass Sie auf die schlimmsten Porno- und Gewaltseiten nicht kommen, die misst, wie oft Sie Ihr Smartphone benutzen. Wenn das eine eingestellte Zeit überschreitet, dann erhalten Ihre Eltern eine Mitteilung. Und wenn Sie nach Mitternacht spielen wollen, dann kommen Sie da nicht ran, weil die Server für die Smartphones von unter 19-Jährigen gesperrt sind. In Südkorea hat man begriffen, dass Smartphones Kindern schaden, und es wird Zeit, dass wir das hier auch begreifen.
    In Österreich wurde jüngst ein Mädchen misshandelt. Das Video davon wurde viral und millionenfach angeklickt. Ist auch Ersteres eine Auswirkung der Digitalisierung? Immerhin, Raufereien gab es ja vorher auch.
    Ja, aber durch digitale Medien werden soziale Kompetenzen und Einfühlungsvermögen reduziert, Empathie nimmt ab. Ich weiß, die Leute sagen, Raufereien gab es immer. Aber: Polizisten sagen, früher, wenn sich einer nicht mehr gerührt hat, dann hat man aufgehört, heute ist das anders.
    Also fällt die Hemmschwelle?
    Das ist nachgewiesen. Je mehr Bildschirmnutzung ein Jugendlicher hat, desto weniger Empathie hat er für Eltern und Freunde.

    By "" on Dez 4, 2016

Sorry, comments for this entry are closed at this time.

free counters

© Werner Stangl Linz 2017