Phänomenologisches Modell des menschlichen Lernens nach Dreifus & Dreifus



Dreyfus & Dreyfus (1988) entwickelten ein fünfstufiges Lernmodell, das innerhalb der Stufen unterschiedliche Lernziele und Lerninhalte definiert und dadurch die Anwendung verschiedener Lerntheorien sinnvoll macht.
Lernen wird hier als Entwicklungsprozess betrachtet, die jeweiligen Stufen bilden somit eine Hierarchie, in der die höhere Stufe im Prozess des Lernens auf der jeweils niedrigeren Stufe aufbaut.

  • Stufe  1  –  Neuling  (Novice):  Es  ist  noch  kein  Wissen  zum  Thema  des Lernstoffs vorhanden. Grundlagenwissen muss erst aufgebaut werden. Der Lernende hat noch keine Kompetenzen und muss daher das neue Wissen, ohne es hinterfragen zu können, aufnehmen. Der Lehrstoff wird vom Lehrer ausgewählt und gesteuert.
  • Stufe 2 – Fortgeschrittener Anfänger (Advanced Beginner): Der Lernende wird mit Situationen konfrontiert, in denen das vorhandene Wissen bereits anwendbar ist. Die Situationen werden variiert, das Vorwissen wird von Situation zu Situation unterschiedlich geübt. Der Lernende ist noch nicht selbstständig.
  • Stufe 3 – Kompetenz (Competence): Relevante Fakten und Regeln sind dem Lernenden bekannt. Er kann bereits entscheiden, welches Faktum bei welchem Problemfall angewendet werden kann. Im erlernten Wissensgebiet ist der Lernende bereits selbstständig. Er vertritt eine eigene Meinung und steht sich selbst kritisch gegenüber. Entscheidungen und Intuitionen fallen ihm aber noch schwer.
  • Stufe  4  –  Gewandtheit  (Proficiency):  Der  Lernende  analysiert,  wählt schrittweise    Lösungsverfahren    aus    und    gewinnt    eine    ganzheitliche Wahrnehmung  der  Problemsituation.  Der  richtige  Lösungsweg  präsentiert sich ihm bereits mit dem ersten Erkennen der Situation.
  • Stufe 5 – Expertentum (Expertise): Der Experte erkennt unterschiedlichste komplexe Situationen und katalogisiert diese als vertraute „Fälle“ mit bereits vorhandenen Lösungswegen. Entscheidungen werden nicht wie in der vorausgegangener Stufe analytisch getroffen sondern intuitiv, wobei der Begriff der Intuition die zentrale Kategorie des Lernmodells darstellt.

Stufe 1 und Stufe 2 dieses Modells können dem Behaviorismus zugeordnet werden, während Teile der Stufen 2 bis 5  Kognitivismus und Konstruktivismus kombinieren.

Literatur
Dreyfus H. L. & Dreyfus S. E. (1988). Künstliche Intelligenz. Von den Grenzen der Denkmaschine und dem Wert der Intuition. Hamburg, Reinbek: Rowohlt.
Stangl. W. (1998). Phänomenologisches Modell des menschlichen Lernens von Dreifus & Dreifus.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lernen.shtml (98-11-12)








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© Werner Stangl Linz 2017