Nichtstun beim Lernen



Da sich alle Lebensbereiche beschleunigen, fühlen sich viele Menschen schuldig, wenn sie nicht wenigstens irgendwie beschäftigt sind, und füllen daher alle Freiräume sogar im Urlaub oder in Ferienzeiten mit Aktivitäten. Manche Menschen entwickeln sogar eine gewisse Angst vor den Momenten völliger Entspannung, weil wir sie diese als verlorene Zeit empfinden. Dabei sind Pausen ein unverzichtbarerer Teil jeder kreativen Arbeit, und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass viele Menschen durch Innehalten und Nichtstun schneller vorwärts kommen und danach auch klügere Entscheidungen treffen. Innehalten und Nichtstun verlangsamt die Aktivität der Gehirnwellen, der Blutdruck sinkt, die Durchblutung wird gefördert und der Energiehaushalt des Körpers verbessert, der Stress reduziert und das Immunsystem gestärkt. Zwar sind Ziele notwendig im Leben, um etwas zu erreichen, doch Menschen, die sich allzu starr auf Ziele fixieren, verschließen sich zugleich neuen Möglichkeiten, denn irgendwann erreichen sie zwar das eine Ziel, suchen aber sofort das nächste, ohne Innezuhalten. Dabei ist es eine lange bekannte Tatsache, dass sich das menschliche Gedächtnis etwas gerade Gehörtes oder Gelesenes am besten dann merken kann, wenn danach einfaches Nichtstun kommt, also wann man sich einfach für zehn Minuten hinzusetzt und zu entspannt, denn in dieser Phase hat das Gehirn Zeit und Ruhe, das Erlernte zu verarbeiten und abzuspeichern. In einer Studie erzählte man Probanden zwischen 61 und 87 Jahren eine Kurzgeschichte, wobei eine Gruppe danach zehn Minuten in einem dunklen Raum pausieren durfte, während die andere zu dieser Zeit ein Computerspiel absolvieren musste. Es zeigte sich deutlich, dass die Probanden mehr Details behielten, wenn sie nach dem Hören der Kurzgeschichte eine Ruhepause einlegten. Nach einer Woche sollten sie die Geschichte erneut wiedergeben. Auch hier konnte die Ruhe-Gruppe wesentlich mehr von der Geschichte wiedergeben als die andere Gruppe. Auch die von manchen Menschen mit allerlei Tricks bekämpfte Aufschieberitis, also das kleine Liegenlassen mancher Aufgaben, kann Vieles entstehen lassen, wofür in einem straff strukturierten Tagesablauf kein Raum wäre.

Literatur
Stangl, W. (2011). Lernen im Alter. senioren.lerntipp.at.
WWW: http://senioren.lerntipp.at/Lernen-im-Alter.shtml (11-08-12)








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© Werner Stangl Linz 2017