Kinder mit nichtdeutscher Herkunftssprache



Die Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bei Kindern mit nichtdeutscher Herkunftssprache durch ein Training der phonologischen Bewusstheit

Dieser Artikel dokumentiert ein Projekt, welches Subgruppen von Kindern identifizieren sollte, die nicht oder kaum von einem Training der phonologischen Bewusstheit profitieren. Bisher konnte ermittelt werden, dass Kinder mit deutscher Muttersprache von diesem Projekt profitieren. Unklar ist jedoch, ob auch Kinder mit Migrantenhintergrund davon profitieren (vgl. Weber, Marx & Schneider 2007, S. 66-67)

Ablauf
Das Projekt bestand aus Vor- und Nachtests. Getestet wurden 438 Vorschulkinder von Regelkindergärten, das Durchschnittsalter betrug 5,7 Jahre. Um einen Vergleich zu haben, wurden sowohl Kinder mit deutscher Muttersprache als auch Kinder mit Deutsch als Zweitsprache getestet. Die Vor- und Nachtests bestanden jeweils aus Aufgaben zu den drei Komponenten der phonologischen Informationsverarbeitung, d.h. zur phonologischen Bewusstheit, zum phonologischen Arbeitsgedächtnis und zur Geschwindigkeit beim Zugriff auf das semantische Lexikon (die Kinder mussten so schnell wie möglich angeordnete Abbildungen namentlich benennen können). Außerdem nahmen die Kinder noch zusätzlich am Trainingsprogramm „Hören, Lauschen, Lernen“, sowie am ergänzenden Buchstaben-Laut-Training teil. Diese Programme bestanden aus Reimspielen, Silbenerkennungen,…(vgl. Weber, Marx & Schneider 2007, S. 67-69).

Ergebnisse
Bei den Vortests schnitten die Migrantenkinder in der Mehrzahl der eingesetzten Testverfahren signifikant schlechter ab, als die Kinder mit deutscher Muttersprache. Die Migrantenkinder zeigten den größten Rückstand beim Reimen und beim phonologischen Arbeitsgedächtnis. Keine großen Unterschiede gab es jedoch beim Zahlenbenennen und bei der Buchstabenkenntnis.
Durch die Defizite in der sprachlichen Informationsverarbeitung können diese Kinder als Risikokinder für spätere Lese-Rechtschreibschwierigkeiten eingestuft werden. Der Haupteffekt für diese Defizite liegt im Zeitfaktor.
Auch bei den Nachtests schnitten die Migrantenkinder deutlich schlechter ab als die Kinder mit deutscher Muttersprache. In allen Bereichen konnten zwar Steigerungen gemessen werden, jedoch lagen diese immer noch unter den Werten der einheimischen Kinder.
Unabhängig von der Sprache gilt demnach: Je besser die phonologische Bewusstheit am Ende des Trainings, desto besser die Lese-Rechtschreibleistung (vgl. Weber, Marx & Schneider 2007, S. 69-72).

Diskussion

Trotz der Fortschritte in phonologischen Bereich schnitten die geförderten Migrantenkinder im Lesen und Schreiben insgesamt schlechter ab als die Kinder mit deutscher Muttersprache. Hinweise darauf, wie man Kindern mit Deutsch als Zweitsprache das Lesen- und Schreibenlernen zusätzlich erleichtern kann, können systematische Analysen ihrer Defizite liefern. Bislang liegen allerdings nur wenig Erkenntnisse darüber vor, wie sich diese Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bei Kindern mit Migrationshintergrund genau äußern (zB: durch ein verlangsamtes Lesetempo oder eine geringere Lesegenauigkeit) (vgl. Weber, Marx & Schneider 2007, S. 72-73).

Verwendete Literatur
Marx, P., Schneider, W. & Weber, J. (2007). Die Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten bei Kindern mit nichtdeutscher Herkunftssprache durch ein Training der phonologischen Bewusstheit. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 21, 65-75.








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© Werner Stangl Linz 2017