Lernen und Emotion



Schon bei einer ersten Betrachtung eines Problems, einer Fragestellung oder Aufgabe werden Gefühle produziert. Handelt es sich um ein Problem aus einer vertrauten Klasse von Problemen, die schon häufiger erfolgreich gelöst wurden, so wird man mit Freude, Spaß und Selbstvertrauen an die Aufgabe herangehen. Das ist aber nicht der Regelfall. Viel vertrauter sind Situationen, in denen man konkrete Aufgaben mit vergangenen Mißerfolgen, allgemeinen Antipathien und sogar Unwohlsein verbindet. Aus einer solchen Gefühlslage heraus findet das erfolgreiche Lösen von Problemen, das Lernen von Problemlösungsprozeduren unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen statt. Die Wichtigkeit solcher emotionaler Faktoren sollte man nicht unterschätzen, wobei die Wechselwirkung kognitiver und affektiver Charakteristika innerhalb einer Person eine wichtige Rolle spielt. So wirkt etwa emotionale Stabilität förderlich auf die Entfaltung intellektueller Fähigkeiten, andererseits bewirken intellektuelle Fähigkeiten eine gerade erst die emotionale Stabilität. Gefühle haben daher einen enormen Einfluss auf jeden Lernvorgang, so dass generell gilt: Negative Gefühle wie Angst, Unlust oder Sorge beeinträchtigen das Einprägen des Lernstoffs. Auch Lernen unter Stress mindert den Erfolg. Hingegen wird der Stoff besonders gut aufgenommen, wenn er mit positiven Gefühlen verbunden wird. Auch daher ist es wichtig, gut motiviert in einen Lernvorgang hineinzugehen.

Nicht immer kann diese Motivation in der Sache, mit der wir uns beschäftigen müssen, selbst begründet sein (intrinsische Motivation). Häufig sind es äußere Anreize wie etwa eine in Aussicht gestellte Belohnung, die uns motivieren (extrinsische Motivation). Die Gefühle entstehen in einem Teil des Gehirns, der limbisches System genannt wird, und die Aufgabe hat, eintreffende Informationen zu bewerten, ihre Relevanz zu prüfen und somit eine adäquate Reaktion des Menschen auf den entsprechenden Reiz sicherzustellen. Mit dieser Bewertung ist eine emotionale Einfärbung der Informationen verbunden. Eine positive emotionale Besetzung des Lernstoffes ist für das Behalten wichtig.

Die Angst vor mathematischen Aufgaben etwa kann Fehlleistungen des Gedächtnisses verursachen, denn Menschen mit Angst vor Mathematik neigen dazu, Vermeidungsstrategien an den Tag zu legen, was in der Schule zu schlechten Noten führt und auch dazu, dass sich SchülerInnen mögliche Berufs- und Lebenswege verbauen, bei denen Mathematik eine wichtige Rolle spielt, etwa in den meisten technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Dabei besteht in der Regel nur ein geringer Zusammenhang zwischen der Angst vor dem Rechnen und den tatsächlichen mathematischen Fähigkeiten, denn vielmehr ist das Arbeitsgedächtnis bei mathematikängstlichen Menschen einfach blockiert. Das Arbeitsgedächtnis ist nämlich unter anderem beim Speichern von temporären Informationen wie bei der Addition beteiligt, sodass einfache Rechnungen nur unter der Mitarbeit dieser Gedächtnisform überhaupt möglich werden. Das Arbeitsgedächtnis ist in solchen Situationen aber auch damit beschäftigt, die negativen Emotionen unter Kontrolle zu halten, sodass für das Rechnen nur eine beschränkte Kapazität übrig bleibt.

Es ergeben sich diese Probleme mit dem Arbeitsgedächtnis aber nur bei Aufgaben mit Zahlen, denn es handelt sich um eine erlernte Angstreaktion. Hat ein Lernender einmal Angst vor mathematischen Aufgaben entwickelt, fällt es ihm wegen kurzzeitiger Gedächtnisausfälle immer schwerer, die Lösungswege zu erlernen. Das Vertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten schwindet und die Angst verstärkt sich. Bekämpft werden kann diese Phobie mit einem tieferen Verständnis für das Fach. Demnach sollte der Mathematikunterricht nicht nur ein Regelwerk vermitteln, das aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann, sondern Wege aufzeigen, wie man an Mathematikaufgaben herangeht.

Quelle
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Lernmotivation.shtml (11-12-03)








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