Bewegung bringt Schwung ins Lernen



Langes Sitzen wirkt ermüdend. Besonders Jugendliche und Kinder würden noch mehr Bewegung brauchen, um sich wohl zu fühlen als Erwachsene. Dennoch erwartet man, dass Schülerinnen und Schüler schon am Schulweg im Bus still sitzen, genauso während des Unterrichts und am Nachmittag soll es bei den Hausübungen und beim Leren ebenso weitergehen.

Unser Gehirn kann besser denken, lernen und aufmerksam sein, wenn es mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Sauerstoff wird beim Atmen in die Lungen gepumpt und gelangt über das Blut ins Gehirn. Bei einem Mangel an Sauerstoff sinkt die Arbeitsleistung unseres Gehirns ab und wird erhöht, wenn wir unserem Gehirn wieder Sauerstoff zuführen.

Bewegung beim Lernen Am besten geht das mit Bewegung. Beim Sitzen nimmt der Körper ungefähr einen Viertelliter Sauerstoff in der Minute auf, beim Spazierengehen schon einen halben Liter, und bei einem Dauerlauf sogar zwei Liter in der Minute. Wenn man beim lernen also schon sitzen muss, dann sollte man wenigstens häufig die Position wechseln, tief durchatmen, einmal kurz aufstehen oder sich strecken. Sinnvoll ist es auch, zwischendurch ein paar Bewegungspausen einzuplanen oder Lernphasen mit Spazierengehen zu kombinieren.

Es ist natürlich gefährlich, mit einem Buch in der Hand über die Straße zu laufen, aber der eine oder andere Lernstoff lässt sich durchaus im Gehen an der frischen Luft bewältigen. Zum Beispiel Vokabeln bzw. Sprachen – entweder akustisch mittels CD- oder MP3-Piayer oder auch mit Hilfe einer Vokabelkartei. Ein Stapel von zwanzig bis dreißig Karteikarten kann leicht mitgenommen werden und nach einem kurzen Spaziergang ist das Gehirn frisch und munter und die Wörter sind gespeichert.

Auch andere Lernstoffe können in handlichen Kärtchen zusammengefasst und während eines Spazierganges memoriert werden, wie range Aufzählungen von Begriffen oder Gedichte.

Schon Philosophen wussten den VorteiI der Bewegung zu schätzen, sie versammelten Studenten um sich und gingen spazieren. Komplizierte Themen werden auch von Managern gerne im Gehen besprochen und Schauspieler lernen umfangreiche Texte am besten gehend. Wer über etwas konzentriert nachdenkt, geht häufig ganz unbewusst im Raum herum,denn unser Körper ist von Natur aus für Bewegung gebaut.
(www.lerntipp.at)

Gefunden in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 2. März 2012 unter dem Titel „Werbung“ ūüėČ


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Muskelaktivität fördert übrigens auch die Neubildung von Blutgefäßen im Gehirn, sodass dieses besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird, was einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Demenzkrankheiten und Parkinson hat. Regelmäßige Bewegung ist dabei eines der ganz wenigen Mittel, das präventiv gegen Demenz wirkt. Ein bewegter Muskel schützt nach Ansicht von Medizinern bis zu einem gewissen Grad auch vor den silent inflammations, also jenen stillen Entzündungen im Körper, die an der Entstehung einer Reihe von Krankheiten wie der Arteriosklerose, Zuckerkrankheit oder Krebs beteiligt sind. Ein aktive bewegter Muskel produziert die hormonähnlichen Substanzen Myokine, die eine anti-entzündliche Wirkung haben.

Eine weitere mögliche Erklärung, warum Bewegung das Lernen unterstützt, könnte das Enzym Cathepsin B sein, das beim Laufen vermehrt in den Muskeln entsteht und Gene zu aktivieren scheint, die die Neubildung bestimmter Hirnzellen anregen. Man ließ Probanden vier Monate trainieren und konnten dann tatsächlich einen gestiegenen Enzymspiegel feststellen. Neben dieser positiven Wirkung des Cathepsin B darf man aber auch mögliche negative Effekte des Enzyms nicht außer Acht lassen, denn verschiedene neurologische Erkrankungen sind mit einem Anstieg des Cathepsin-Spiegels verbunden. Wahrscheinlich ist die Aktivität des Enzyms im gesunden Organismus streng reguliert und die Konsequenzen einer verstärkten Produktion könnten von anderen noch unbekannten Zusatzfaktoren abhängig sein.

Unterricht auf dem Fahrrad-Ergometer

Im Main-Echo vom 20. Jänner 2016 fand sich ein interessanter Beitrag über ein Dessauer-Gymnasium, in dem SchülerInnen den Unterricht auch auf Fahrrad-Ergometern verfolgen. Neben den bereits eingeführten Sportklassen soll ab Herbst 2016 erstmals eine sogenannte Ergometer-Klasse für die fünfte Jahrgangsstufe entstehen. Auch der Direktor der Schule waram Anfang skeptisch, als ihm Sportlehrer Tobias Bauer vom Konzept des Wiener Sportwissenschaftlers Martin Jorde berichtet habe. Sportlehrer Tobias Bauer und seine 15 Oberstufenschüler, die im P-Seminar ¬ĽErgometerklasse¬ę das Projekt begleiten, sind überzeugte Verfechter des Bewegungsmodells: ‚ÄěGesundheit, Blutwerte, Konzentration der Schüler würden gefördert, ihr Sozialverhalten habe sich verbessert, es gebe weniger Aggressionen, größere Ausgeglichenheit. Sogar die Schulnoten hätten sich im Vergleich zu Kontrollklassen deutlich gesteigert.‚Äú Der Unterricht in einer Ergometerklasse sieht dabei nicht viel anders als in normalen fünften Klassen, denn jedes Fach, das im Klassenzimmer unterrichtet wird, eignet sich dafür, zum Beispiel Deutsch, Mathematik, Englisch oder Religionslehre. In der letzten Reihe des Klassenzimmers werden sechs Ergometer aufgestellt, auf denen abwechselnd immer sechs Schüler treten. Jedes Kind ist bei durchschnittlich sechs Unterrichtsstunden am Tag etwa eine Schulstunde in Bewegung. Durch spezielle Schreibpulte soll es den radelnden Schülern möglich sein, im Unterricht mitzuschreiben. Stundenzahl und Lehrstoff bleiben im Vergleich zu herkömmlichen fünften Klassen unverändert.

Fahrradfahren und Lernen

Bekanntlich kann körperliche Bewegung die Gedächtnisbildung unterstützen, allerdings zeigen Untersuchungen, dass es darauf ankommt, dass man die Bewegung zum richtigen Zeitpunkt macht, und zwar einige Stunden nach dem Lernen. Bei einem Experiment (Van¬†Dongen et al., 2016) mussten sich Probanden Bilder einzuprägen und wurden danach in drei Gruppen eingeteilt: Die eine musste sofort zum Sport (intensives Fahrradfahren), die zweite nach vier Stunden, die dritte gar nicht. Zwei Tage¬† später wurden alle drei Gruppen geprüft und es zeigte sich, dass diejenigen, die zwischen Lernen und Sport eine vierstündige Pause eingelegt hatten, alle anderen übertrafen. Magnetresonanztomografische Untersuchungen zeigten bei dieser Gruppe eine stärkere Aktivität im Hippocampus, was für die Bildung des Langzeitgedächtnisses entscheidend ist. Man vermutet, dass es an der Ausschüttung körpereigener Stoffe wie Dopamin und Noradrenalin liegt, die die Gedächtnisbildung unterstützen und die durch körperliche Aktivität in die Höhe getrieben wurden.

Denken kann den Gehrhythmus beeinflussen

Untersuchungen von Killeen et al. (2017) zeigen, dass intensive Denkarbeit beim Gehen den Ablauf des Gehens beeinflussen kann. Männer und Frauen verschiedenen Alters wurden auf ein Laufband geschickt und sollten bei angenehmer Gehgeschwindigkeit sie Aufgaben des Stroop-Tests lösen. Es zeigte sich, dass die ProbandInnen mit zunehmendem Alter im Stroop-Test immer schlechter abschnitten und dass beim Lösen der Aufgaben der Schwung des rechten Arms gebremst und die Schwungbewegungen somit asymmetrisch wurden. Da die Verarbeitung von Sprachaufgaben in der linken Hemisphäre erfolgt, sind die Auswirkungen am rechten Arm zu sehen, denn dessen Bewegungen werden von der linken Hemisphäre gesteuert. Asymmetrische Schwungbewegungen zeigten sich jedoch bei jungen Frauen nicht, was vermutlich am Östrogspiegel liegen könnte.

Stroop Test

Literatur

Van Dongen, E. V.,  Kersten, I. H.P., Wagner, I. C., Morris, R. G.M. & Fernández, G. (2016). Physical Exercise Performed Four Hours after Learning Improves Memory Retention and Increases Hippocampal Pattern Similarity during Retrieval. Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2016.04.071.
Killeen, Tim, Easthope, Christopher S., Filli, Linard, LŇĎrincz, Lilla, Schrafl-Altermatt, Miriam, Brugger, Peter, Linnebank, Michael, Curt, Armin, Zörner, Björn & Bolliger, Marc (2017). Increasing cognitive load attenuates right arm swing in healthy human walking. Royal Society Open Science, 4.
Moon, Hyo Youl et al. (). Running-Induced Systemic Cathepsin B Secretion Is Associated with Memory Function,  Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2016.05.025.
Stroop, J. Ridley (1935). Studies of interference in serial verbal reactions. Journal of Experimental Psychology, 28, 643-662.

Bildquelle: http://lexikon.stangl.eu/759/stroop-effekt-stroop-test/ (17-01-25)








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© Werner Stangl Linz 2017