Arbeitsgedächtnisfunktion bei Lernbehinderten



Claudia Mähler
Arbeitsgedächtnisfunktion bei lernbehinderten Kindern und
Jugendlichen

Studie über Funktionsdefizite
Lernschwierigkeiten bei Kindern können unterschiedlichste Gründe haben, wie z.B. Auf-merksamkeitsprobleme, massive Teilleistungsstörungen, Sprachdefizite bei Migrationshinter-grund oder intellektuelle Minderbegabung. Diese Kinder wechseln dann meist in eine Förder-schule mit Lernhilfe.
In der folgenden Studie wird nun genauer auf Kinder mit durchschnittlicher Intelligenz, d.h. Kinder mit Lern- und Leistungsfähigkeiten im Bereich der Lernbehinderung geachtet. Die Frage ob Entwicklungsverzögerungen oder durch Intelligenzminderung bedingte qualitative strukturelle Unterschiede zur normalen Entwicklung als Erklärung zutreffend sind ist bis heu-te weitgehend ungeklärt (vgl. Mähler 2007, S. 97).

„Nicht wenige Studien haben sich mit den Schwierigkeiten lernbehinderter Kinder bei Bear-beitung von Gedächtnisanforderungen beschäftigt. Gedächtnisleistungen werden durch ver-schiedene Aspekte beeinflusst: Die Kapazität der beteiligten Speicher, das Vorwissen, die Kenntnis und Anwendung von Gedächtnisstrategien und auch das Metagedächtnis spielen eine wichtige Rolle bei der individuellen Gedächtnisleistung. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, mögliche Defizite und Besonderheiten lernbehinderter Kinder und Jugendlicher bezüglich der Kapazität des Kurzspeichers zu analysieren“ (Mähler 2007, S. 98).

Studie nach dem Modell von Baddeley
Das Modell von Baddeley (1986) bezüglich des Arbeitsgedächtnisses unterscheidet zwischen drei Systemen: die zentrale Exekutive, die phonologischen Schleife und der visuell-räumlichen Notizblock. Diesen Systemen kommen jeweils unterschiedliche Aufgaben zu (vgl. Mähler 2007, S. 98). „Die zentrale Exekutive übernimmt die Steuerungs- und Überwachungs-funktion kognitiver Prozesse, wie z.B. den flexiblen Abruf von Informationen aus dem Lang-zeitgedächtnis. … Diese wird im Arbeitsgedächtnis von zwei bereichsspezifischen Subsyste-men unterstützt“ (Mähler 2007, S. 98). Die Verarbeitung klanglicher Information geschieht durch die phonologische Schleife und die Verarbeitung statischer und dynamischer räumli-cher Information wird durch den visuell-räumlichen Notizblock geleistet (vgl. Mähler 2007, S. 98).

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Funktionsstörungen bei Kindern mit Lernbehinde-rung bzw. Intelligenzminderungen an das mentale Alter gebunden sind und somit als Ent-wicklungsverzögerung aufzufassen sind (vgl. Mähler 2007, S. 99). „Zur Beantwortung dieser Frage ist ein Design erforderlich, das eine nach mentalem Alter parallelisierte Kontrollgruppe zum Vergleich mit den retardierten Kindern berücksichtigt, möglichst verbunden mit einer nach chronologischem Alter parallelisierten Kontrollgruppe“ (Mähler 2007, S. 99).

Durchführung und Ergebnisse der Studie
„Zur Erfassung der zentralen Exekutive wurden das „Zahlennachsprechen rückwärts“ und die „Counting-Span“-Aufgabe eingesetzt“ (Mähler 2007, S. 100). Für die Erfassung der phonolo-gischen Schleife wurden z.B. das „Zahlennachsprechen vorwärts“ eingesetzt, sowie die „Ge-dächtnisspanne für Lokationen“ etc. für die Erfassung des visuell-räumlichen Notizblocks (vgl. Mähler 2007, S. 101).
Das Ergebnis der Variabeln der zentralen Exekutive bedeutet, dass mit der Lernbehinderung ein Entwicklungsrückstand der zentral-exekutiven Arbeitsgedächtnisfunktion einhergeht, wel-cher dem Rückstand der mentalen Leistungsfähigkeit entspricht. Folgendes Ergebnis ergibt sich bei der Variabeln der phonologischen Schleife: Man muss zwischen jüngeren und älteren lernbehinderten Kindern unterscheiden, denn jüngere LB Kinder zeigen gravierende Defizite in der Funktionstüchtigkeit der phonologischen Schleife, was bei den älteren nicht der Fall ist.
Bei den Ergebnissen des visuell-räumlichen Notizblocks konnte man keine Unterschiede zwi-schen LB Kindern und mental gleichaltrigen erkennen (vgl. Mähler 2007, S. 103).

„Zusammengefasst bedeuten diese Ergebnisse, dass mit der Lernbehinderung sowohl im Alter von 10 Jahre als auch im Alter von 15 Jahren ein Entwicklungsrückstand der visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnisfunktion einhergeht, der dem Rückstand der allgemeinen menta-len Leistungsfähigkeit entspricht“ (Mähler 2007, S. 103f).

Verwendete Literatur
Mähler, C. (2007). Arbeitsgedächtnisfunktion bei lernbehinderten Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. 97-106








Sorry, comments for this entry are closed at this time.

  1. Eine Antwort auf “Arbeitsgedächtnisfunktion bei Lernbehinderten”

  2. Danke für die informationen.

    By Treppenlift on Aug 27, 2010

Sorry, comments for this entry are closed at this time.

free counters

© Werner Stangl Linz 2017