Begriffe und Wörter ohne Sinnesbezug erlernt bleiben leer



Begriffe sind nach dem Verständnis der Psychologie mentale Gruppierungen ähnlicher Gegenstände, Ereignisse, Ideen oder Personen.  Wie Studien der Universität Ulm (Markus Kiefer,  Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) zeigten, werden Begriffe und Wörter im Gehirn nicht nur abstrakt weiterverarbeitet, sondern können ohne die Verknüpfung mit einer Sinneswahrnehmung nicht richtig verstanden werden. Beim Lesen von Begriffen, die für einen hörbaren Gegenstand wie etwa das Telefon stehen, werden auch jene Bereiche im Gehirn aktiviert, die für das Hören zuständig sind. Da Begriffe im Gehirn normalerweise eng mit den Bereichen für Hören, Sehen und Handeln verflochten sind, sollten Kinder beim Begriffserwerb ihre Umwelt mit möglichst vielen Sinnen erfahren, den sonst bleibt das Wissen blutleer, so dass sie sich später nicht wirklich einen Begriff von ihrer Umwelt machen können. Wenn Kinder etwa Tiere oder Pflanzen nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern kennen, blieben diese Begriffe für sie letztlich abstrakt, inhaltlich arm und unverständlich. Während des Lernens ist daher auch die reale Anschauung wichtig, die mit Begriffen gemeinten Gegenstände also auch hören, sehen, riechen und fühlen zu können. Selbst abstrakte Begriffe wie Freiheit oder Gerechtigkeit werden nur dann vollständig erfasst, wenn sie in eine konkrete, wahrnehmbare Situation eingebettet sind. Das menschliche Gehirn kann wahrscheinlich immer nur durch den Bezug zu Wahrnehmung und Handlung einem Begriff eine Bedeutung verleihen. Ist dies nicht gewährleistet, können wir zwar mit den Worten sprachlich umgehen, verstehen aber deren Sinn nicht wirklich.

Quelle: Journal of Neuroscience vom 19. November 2008, Vol 28(47), S. 12224-12230.








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