Der frühe Spracherwerb



Bisher wusste an über den frühen Spracherwerb, dass sich Babys und Kleinkinder mit zunehmendem Alter auf Konsonanten und Vokale ihrer Sprache konzentrieren und dabei Laute ausschließen, die nicht zu ihrer Muttersprache gehören. David Swingley (University of Pennsylvania) untersuchte nun die Sprachentwicklung bei Babys, indem man diesen zwei Bilder präsentierte, etwa einen Apfel und einen Hund, dann einen der beiden Begriffe benannte und beobachtete, welche Augenbewegungen die benannten Begriffe auslösten. Dann veränderte man die Begriffe ein wenig, indem man verschärfte Konsonanten oder verlängerte Vokale verwendete. Diese falsche Aussprache führte dazu, dass die Kinder weniger oft auf das richtige Objekt blickten, womit bewiesen wurde, dass sogar schon Einjährige Aussprachefehler unterscheiden können. Offensichtlich erlernt ein Kind zuerst den Wortklang und erst später die Bedeutung. Sechs Monate alte Babys aus englischsprachigem Umfeld konnten sogar zwischen ähnlichen Konsonanten der Sprache Hindi, die es im Englischen nicht gibt, unterscheiden, verloren diese Fähigkeit jedoch mit einem Jahr wieder. Kinder lernen also zuerst den Klang möglichst vieler Wörter und sammeln erst später Information über deren Bedeutung. Schon mit acht Monaten können sie somit Wörter nach ihrer Hörform wiedererkennen, aber erst zehn Monate später wissen sie auch um deren Bedeutung Bescheid und unterscheiden sie von ähnlichen Wörtern. Auch das Sprechhören entwickelt sich erst allmählich: Sieben Monate alte Kinder erkennen dasselbe Wort noch nicht wieder, wenn es von Mann und Frau oder mit verschiedenen Betonungen ausgesprochen werden, aber im Alter voni zehn Monaten gelingt es schließlich.
Spracherwerb hängt also in hohem Maße mit der Fähigkeit zur frühen Wiedererkennung von Wörtern zusammen, denn Babys schaffen es, Sprachlaute und Hörformen von ganzen Wörtern wahrzunehmen und damit ihren Wortschatz zu vergrößern und die Sprache grammatikalisch richtig zu erlernen.

Früher Spracherwerb einer Zweitsprache

Früher war man der Ansicht, dass ein guter früher Fremdsprachenunterricht Vorteile mit sich bringt, was etwa dazu führte, den Englischunterricht in immer niedrigere Schulstufen zu verlegen. So hatten Schüler in Österreich in den 1970er-Jahren ab der Mittelschule Englisch, in den 1980ern ab der dritten Volksschulklasse und seit den 1990ern ab der ersten Volksschule. Wichtiger hingegen ist es, die Erstsprache, also die, in der man erstmals schreiben und lesen lernt, gut zu beherrschen, um eine solide Grundlage für die Zweitsprache zu bilden. Beim Zweitspracherwerb hat das Alter bei Lernbeginn wenig Einfluss, denn Studien zeigen, dass SchülerInnen, die erst mit 13 Jahren Englischunterricht hatten, im Alter von 18 Jahren auf dem gleichen Niveau waren wie Schüler, die in der Volksschule fünf Jahre Englisch hatten.

Literatur & Quellen

Pfenninger, S. E. & Singleton, D. (2017). Beyond Age Effects: Variables Trumping the Age Factor in Instructional L2 Learning. Bristol: Multilingual Matters.
http://www.pressetext.ch/pte.mc?pte=081031029 (08-11-01)
http://diepresse.com/home/Wissenschaft/5094542/ (16-09-30)







Sorry, comments for this entry are closed at this time.

Sorry, comments for this entry are closed at this time.

free counters

© Werner Stangl Linz 2017