Lernen und Wiedergeben von Gelerntem



Grundlagen von Elaboration, Enkodierung und Abruf von Gedächnisinhalten

Ein Prinzip der Enkodierung von neuem Wissen ist, dass je länger eine Information im Kurzzeitgedächtnis ist, desto wahrscheinlicher ist der Übergang ins Langzeitgedächtnis. Dabei hat die Rolle der Lernabsicht (Intentionen) nur dann einen großen Effekt, wenn sie mit gedächtniswirksamen Verarbeitungsprozessen kombiniert werden. Intentionelles Lernen geschieht vor allem durch den Aufbau verständnisorienterter Repräsentation, wobei die semantische Verarbeitung allein nicht ausreicht. Es kommt auch auf die Repräsentation an, die man bei dieser Verarbeitung erstellt und die Beziehungen, Verknüpfungen usw. (= Elaboration) herstellt. Es gilt: Wenn ein gutes Verständnis vorhanden ist, dann folgt daraus gute Verarbeitung und ergo gute Lernleistung.

Nach Edelmann (2000) kann man zwischen aussagenartiger, analoger, handlungsmäßiger und multipler Repräsentation von Wissen unterscheiden. Diese unterschiedlichen Codierungen bzw. Repräsentationen von Wissen können auf unterschiedliche Weise zur Lösung von Problemen bzw. Aufgaben beitragen. Vor allem die Transformation von Wissen von einer Repräsentationsform in eine andere – siehe intermodaler Transfer – gilt als wichtige Voraussetzung für die Bearbeitung komplexer Problemstellungen und generell als Anreiz für die kognitive Entwicklung. Aufgaben können sich etwa innerhalb einer Repräsentationsform bewegen, d. h., die Aufgabeninformation und die für die Aufgabenlösung erforderlichen Wissenseinheiten basieren auf der selben Repräsentationsform. Es kann aber auch notwendig sein, verschiedene Repräsentationsformen zu integrieren, wenn eine Wissen in verschiedenen Repräsentationsformen vorliegt, die für die Lösung zu integrieren sind, etwa Informationen durch Text und Grafik zusammenzuführen. Bei einer Transformation in andere Repräsentationsformen muss man für die Aufgabenlösung das vorliegende Wissen in eine Repräsentationsform transformieren, die nicht durch die Aufgabe vorgegeben wird, um etwa aus Daten eine Grafik zu produzieren.

Der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation erfordert praktisch immer den Zugriff auf das semantische Langzeitwissen, also ist für die Elaboration Wissen aus dem Langzeitgedächtnis erforderlich, vor allem wegen der Kategorisierung. Beim Verknüpfen können auch Fehler (Illusionen) im Aufbau der der Repräsentation entstehen bzw. gehen Infomationen, die nicht so wichtig erscheinen, verloren. Auch braucht der Aufbau verständnisorientierter Repräsentation Aufmerksamkeit, denn erst die aufmerksamkeitsintensiven Prozesse sorgen dafür, daß die relevanten Aspekte aus dem Langzeitgedächtnis herausgeholt werden und diese Verknüpfungen aktiv gehalten werden, was auf Dauer anstrengend sein kann. im Langzeitgedächtnis verteilte Repräsentationen müssen zu Gedächnisspuren zusammengebunden werden, da viele Informationen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns abgelegt und verarbeitet werden. Diese bilden dann eine Gedächtnisspur, wobei der Hippocampus als zentrale Verknüpfungsinstanz wirkt: Erinnerungsbruchstücke aktivieren eine Repräsentation im Hippocampus, diese reaktiviert die bei der Kodierung des Ereignis beteiligten Bereiche des kortikalen Netzwerks. Der Hippocampus ist somit nicht nur eine Integrations- sondern auch eine Modulationsinstanz.

Das menschliche Gedächnis ist darüber hinaus inhaltsaddresiert, d.h., dass die Adresse selbst die Information enthält. Findet eine Enkodierung ohne Beteiligung des Hippocampus z.B. im impliziten Lernen statt, d.h.,  es gibt keine bewusste  Repräsentation, aber dennoch wird unsere Handlungsauswahl dadurch beeinflußt. Das implizite Lernsystem ist in der Regel nicht strukturiert bzw. einheitlich, sondern es können mehre verschiedene implizite Repräsentationen nebeneinander vorhanden sein, die einander nicht stören. Man geht davon aus, dass die Areale für das implizite Lernen über mehrer Hirnareale verteilt sind. Darüber hinaus ist  implizites Lernen unflexibler, es dauert länger. Man geht jedoch davon aus, das sich durch implizites Lernen die Assoziationsstärken im kortikalen Netzwerk allmählich verändern. Ein wichtiger impliziter Gedächniseffekte ist das Priming, bei dem es darauf ankommt, dass das wichtige Material während der Lern- und Testphase auf gleiche Art und Weise perzeptuell verarbeitet wird.
Es besteht eine enge Beziehung zwischen Enkodierung und dem späteren Zugriff auf Gedächtnisinhalte, denn die Zustände der Kodierungsphase und der Enkodierungsphase sind gleich. Dabei spielt die Enkodierungsspezifität (Effekt der Passung) eine wichtige Rolle, denn je ähnlicher die Zugriffssignale der Anfragen an das Langzeitgedächtnis sind, desto besser erfolgt die Verarbeitung.
Daher ist nicht nur das zu lernende Material wichtig, sondern auch der Kontext, da er sowohl bei der Enkodierung wie auch bei der Kodierung berücksichtig wird. Beim richtigen Elaborieren nimmt man mehr zusätzliche Informationen auf, die zum gelernten „dazugehören“ und man besitzt dann mehr Informationen, um diese wieder abzurufen, d.h., viele verschiedene Zugangsinformationen führen zu einer Information.

Literatur

Edelmann, W. (2000). Lernpsychologie. Weinheim: Beltz.







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© Werner Stangl Linz 2017