Wann soll man beim Lernen eine Pause machen?
Dezember 21, 2011 – 5:58 pm
Der menschliche Körper benötigt neben dem Nachtschlaf auch über den Tag verteilt immer wieder Pausen, um zu Kräften zu kommen. Besonders wichtig ist dies während des Lernens, da das Gehirn unter dauerhafter Beanspruchung immer weniger leistungsfähig wird. Wie oft sollte man beim Lernen eine Pause einlegen? Signale dafür, dass der Körper eine Pause braucht, können sein:
- das Verlangen, sich zu strecken und die Muskeln zu entspannen
- Gähnen oder Seufzen
- Appetit auf einen kleinen Imbiss oder etwas zum Trinken
- das Bedürfnis, zur Toilette zu gehen
- Abschweifen der Gedanken.
Werden diese Hinweise nicht beachtet, schüttet der Körper bestimmte Stoffe aus, die es kurze Zeit noch ermöglichen, auch ohne Pause weiterzuarbeiten. Die Folge davon sind allerdings Stress, mit dem ein Abbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht.
Wichtig ist auch die Dauer der Pause, denn ist sie zu kurz, ist man danach nicht erholt, ist sie aber zu lang, ist man nach der Pause aus dem Lernrhythmus draußen und hat keine rechte Lust mehr weiterzuarbeiten. Konkrete Angaben zur Pausenlänge sind nicht sehr sinnvoll, denn diese hängt von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab – das Beste ist, man beobachtet sich selber genau und achtet auf die Signale, die einem der Körper sendet, wenn er bereit ist, weiter zu machen, also die entsprechenden Signale seines Körpers beobachtet, sodass sich ein individueller Rhythmus von Arbeit und Pausen einpendelt.
In den Pausen sollte man auf weitere Kopfarbeit verzichten, also sind Zeitunglesen, Computerspiele der Fernsehen nicht geeignet. Sinnvoll sind alle Tätigkeiten, die mit einer körperlichen Bewegung zu tun haben, also einen kurzen Spaziergang machen, das Arbeitszimmer durchzulüften und ein paar Turnübungen machen.
Neurochemische Forschungen bestätigen den Sinn von Pausen
Bekanntlich lernen Menschen am effektivsten, wenn sie sich Lerninhalte in kleinen Einheiten einprägen, die von Pausen unterbrochen werden. Nach neuesten Erkenntnissen könnten biochemische Prozesse im Gehirn dafür verantwortlich sein. Wenn das Gehirn neue Informationen aufnimmt, werden im Gehirn zahlreiche Botenstoffe ausgeschüttet, welche die Aktivität bestimmter Gehirnareale und deren Beziehungen beeinflussen. Die Proteinkinase A wird dabei sehr rasch aktiviert und bleibt für etwa fünfzehn Minuten aktiv, eine weitere extrazellulär regulierte Kinase reagiert aber langsamer und erreicht erst fünfundvierzig Minuten die volle Wirkung. In Untersuchungen an Meeresschnecken (Zhang et al., 2011) zeigte sich, dass der Erfolg der geübten Inhalte immer dann besonders groß war, wenn beide Enzyme gleichzeitig aktiv sind, wobei eine Folge mit ungleichmäßig langen Pausen besonders effektiv war. Bei den Versuchen war eine Sequenz am wirkungsvollsten, bei dem das Lernen der Tiere erst durch zwei zehnminütige Unterbrechungen, dann durch eine fünf und eine dreißig minütige Pause unterbrochen wurden, was ein Widerspruch zu den meist auf Grund von Erfahrung gewonnenen Lernabläufen mit festen Pausenzeiten darstellt. Es muss aber berücksichtigt werden, dass diese Ergebnisse wohl nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind.
Quelle
Zhang, Yili, et al. (2011). Computational design of enhanced learning protocols. Nature Neuroscience; doi: 10.1038/nn.2990)

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