Der Countdown bis zur Nachprüfung läuft. Wer jetzt durchstartet, hat gute Chancen auf Erfolg.

August 10, 2018 – 3:55 pm

Ein Monat süßes Nichtstun und das Gehirn vom Schulstress auslüften – das empfehlen Schulpsychologen allen Nachzipf-Kandidaten. Also, jetzt ran an die Bücher und Versäumtes nachholen, um bei der Wiederholungsprüfung nicht ins Stottern zu geraten.
Bestandsaufnahme. „Gemeinsam mit dem Nachhilfelehrer sollte man herausfinden, wo die Mängel liegen“, rät Werner Stangl, Professor für Psychologie und Pädagogik an der Uni Linz. Oft stellt sich heraus, dass im jeweiligen Gegenstandwesentliche Grundlagen fehlen, die es zuallererst gilt aufzuarbeiten. Stangl rät: „Schüler und Eltern sollten bereits zu Schulschluss mit dem Lehrerreden, um zu erfahren, wo dieser die Defizite ortet.“
Nachfragen. Gerhild Hanselmayer, Nachhilfelehrerin und Leiterin des Institutes Lernen ohne Stress (LOS), weiß aus Erfahrung, dass viele Lehrer auch gerne eine Lernprogramm für den jeweiligen Schüler bereitstellen, das Auskunft gibt, was zu lernen ist und welcher Stoff bei der Prüfung in die engere Wahl kommt.
Gemeinsam mit der Nachhilfe wird häufig in kleinen Schülergruppen mit maximal drei Personen eineinhalb Stunden pro Tag gelernt. „In der Gruppe fühlen sich viele Jugendliche wohler und können so auch ihr  “Leid“ besser teilen“, weiß Hanselmayer.
Motivation. „Wir machen auch gerne spielerische Wiederholung des Lernstoffs – das Gehirn nimmt das Gelernte dann besser auf.“ Abendmenschen könnten ruhig vor dem Einschlafen lernen, „aber danach bitte auf keinen Fall mehr fernsehen oder Computer spielen“, warnt die Nachhilfelehrerin. „Sonst bleibt das Gelernte nicht im Unterbewusstsein hängen.“
Fürs Leben.Gute Nachhilfelehrer achten auf den Lernstil des Schülers. Jemand, der ständig Fehler wegen Schlampigkeit beim Lesen von Textaufgaben macht, bekommt Konzentrationsübungen mit auf den Weg. Diese können schließlich später im Berufsleben ebenso nützlich sein. Bei Prüfungsangst helfen Probetests, die Situation zu analysieren und zu entschärfen.
Tag der Wahrheit. Wiederholen bis zum Schluss ist in Ordnung. Wer sich kurz vor der Prüfung neue Informationen zumutet, wird wohl mehr verwirrt als gut vorbereitet dastehen.

Gerhild Hanselmayer, Nachhilfelehrerin bei LOS
„Zu viele Lernstunden am Tag sind kontraproduktiv. Drei Stunden inklusive Hausübung vom Nachhilfelehrer genügen für die meisten Schüler, wenn noch vier Wochen Zeit sind.“
Werner Stangl, Professor für Psychologie und Pädagogik an der Uni Linz
„Eine Nachprüfung ist eine Chance, an die Sache neu heranzugehen – ohne täglichen Schulstress. Eltern sollten ihre Kinder nicht pausenlos fragen, ob sie eh genug lernen.“
Daniel Kaufmann, Schüler in der 11. Schulstufe
„Ich hatte zum Glück noch nie einen Nachzipf. Aber wenn, dann würde ich nicht den ganzen Sommer über lernen. Den Lernstoff portionsweise nachzuholen, fände ich sinnvoller.“
Morris Kosche, ab Herbst in der Maturaklasse
Meine Strategie ist aufgegangen: Vor zwei Jahren hatte ich eine Wiederholungsprüfung, für die ich erst ab Anfang August mit meiner Nachhilfelehrerin gelernt habe. Urlaub muss sein.“

TIPP & LINK
www.lerntipp.at ist eine umfangreiche Website von Werner Stangl mit praktischen Lerntechniken für Schüler ab der Grundstufe und auch für Erwachsene.
Schulpsychologie-Bildungsberatung mit wertvollen Tipps auf www.bmukk.gv.at.



Optimale Planung für eine Nachprüfung

August 9, 2018 – 11:06 am

Für jeden Nachprüfling sollte nach einer ersten Lernstandsanalyse ein individueller Plan erstellt werden, in dem intensiv die relevanten Themen aufgearbeitet werden. Jeder Schüler sollte dabei Lern- und Lösungsstrategien entwickeln, damit sein Selbstbewusstsein gestärkt wird und die Schüler angstfrei und gut vorbereitet in die Prüfung gehen können.
Etwa ab der fünften Ferienwoche bietet sollte man spezielle Kompaktkurse für Fremdsprachen, für Mathematik und für den Übergang in die weiterführenden Schulen angehen. Hier sollte es darum gehen, Versäumtes aufzuholen oder Gelerntes zu vertiefen und zu festigen.

Häufig ist auch ein Methodentraining „Lernen lernen“ wichtig, das den SchülerInnen zu einer besseren Struktur verhilft und so den kommenden Schulalltag erleichtert. Generell für alle Prüflinge ist es, in einem Lesekompetenztraining Sinn erfassendes Lesen zu üben, denn häufig stecken in den Prüfungsfragen sprachliche Hürden, an denen dann die Lösung scheitern kann. Im Vordergrund sollte in solchen Kompaktkursen neben dem fachspezifischen Inhalt das Lernen fernab vom Schulalltag und die Freude am Lernen stehen.

Alles dazu in unseren Lerntipps Was tun bei einer Nachprüfung, Wiederholungsprüfung?



Mathematik und Mädchen

August 4, 2018 – 1:50 pm

Mädchen weisen häufig sehr schlechte Leistungen in Mathematik auf und erreichen öfter als Knaben nicht die notwendigen Mindestkompetenzen, wobei das nicht bedeutet, dass Knaben von Natur aus einen besseren Zugang zu Zahlen haben, denn es gibt Länder wie Island, wo Mädchen bei Pisa bereits eindeutig besser in Mathe abschnitten als ihre gleichaltrigen Mitschüler. Auch in der TIMMSS-Studie zeigten in mehreren Ländern Mädchen bessere Matheleistungen. Generell vermutet man, dass Mädchen sich oft weniger zutrauen und deshalb auch schlechtere Noten haben. Auch schreiben sich Knaben im Schulfach Mathematik größere Fähigkeiten zu als Mädchen, und zwar in einem Ausmaß, das durch die tatsächlichen Schulnoten nicht gerechtfertigt ist. Dabei weichen die entsprechenden Selbsteinschätzungen von Schülerinnen und Schülern bereits in der fünften Klasse deutlich voneinander ab, und die Unterschiedeb leiben bis einschließlich der zwölften Jahrgangsstufe weitgehend bestehen. In vielen Gesellschaften herrscht ein Klima, in dem es als normal erscheint, dass Mädchen Mathematik nicht so gut können, ein Faktor, der sich offenbar auch auf die Schulleistungen auswirkt. Grundlage ist dabei das Rollenklischee, dass Mädchen einfach nicht rechnen können und sie in dieser Fehleinschätzung auch noch von vielen Eltern bestärkt werden. Mädchen werden offenbar unbewusst dazu erzogen, keine besonders gute Mathematikkenntnisse zu besitzen, sodass gerade die Eltern oft bewusst oder unbewusst dazu bei tragen, dass sich Knaben mehr für Mathematik und Naturwissenschaften interessieren, etwa indem sie sich für ihre Töchter seltener einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf vorstellen können als für ihre Söhne. Auch wenn es sich dabei um einen Bildungsmythos handelt, ändert das nichts daran, dass sich Vorurteile häufig bestätigen, weil Mädchen sich dadurch weniger zutrauen und ihr schlechteres Abschneiden so zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. In Kanada erreichten Studentinnen in einem Mathetest deutlich weniger Punkte, wenn sie vorher gesagt bekamen, dass Frauen in diesem Test üblicherweise schlechtere Leistungen erbringen als Männer, wobei ohne diese Ansage die Studentinnen ähnlich gut abschnitten wie ihre männlichen Kommilitonen. Das verwundert umso mehr, als viele Mädchen gut statische Strukturen analysieren, sich aber schlechter dynamische Prozesse vorstellen können, was wiederum Knaben oft leicht fällt. Es gibt also offenbar Unterschiede im Gehirn, doch die bedeuten nicht, dass Mädchen automatisch schlechter in Mathematik sind, sondern man müsste sie lediglich anders auf die Aufgaben vorbereiten, damit sie genauso gut abschneiden wie Knaben. Allerdings gibt es in den letzten Jahrzehnten ein gewandeltes gesellschaftliches Bewusstsein und mehr erfolgreiche Rollenmodelle für Frauen und Mädchen, und es scheint realistisch, dass sich in ein paar Jahrzehnten diese Rollenbilder verändern werden, und damit auch die Leistungen in Mathematik bei Mädchen.

Quelle

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/mathe-warum-maedchen-schlechter-abschneiden-a-1221366.html (18-08-04)



© Werner Stangl Linz 2018