Pausen sind wichtig für die Gedächtniskonsolidierung

Februar 16, 2018 – 5:52 pm

Georg Elias Müller und Alfons Pilzecker veröffentlichten 1900 eine Monographie, in der Berichte über vierzig Experimente zum Erlernen, Vergessen und Erinnern enthalten waren (Müller, Pilzecker 1900). In einem dieser Experimente zur Gedächtniskonsolidierung mussten ihre Teilnehmer eine Liste von sinnlosen Silben lernen. Danach musste eine Gruppe der Probanden eine zweite Liste lernen, während die andere sechs Minuten lang eine Pause machte. Eineinhalb Stunden später wurden beide Gruppen getestet, wobei sich die Gruppe mit der Pause nahezu 50% ihrer Silbenliste gemerkt hatten, während die anderen Gruppe nicht einmal 30 % erreicht hattw.

Diese Ergebnisse zeigen nachhaltig, wie wichtig es ist, dem Gehirn immer wieder Zeit zu geben, das Gelernte zu verarbeiten. Allerdings ist es wichtig, in diesem Pausen nicht andere Tätigkeiten auszuführen, sondern tatsächlich einfach ruhig zu sitzen und nichts zu tun – und wenn möglich, dabei auch nichts zu denken. Wenn es beim Lernen gelingt, einen solchen Pausenrhythmus zu entwickeln bzw. auch durchzuhalten, kann man seine Lernleistung auf Dauer enorm steigern.

Literatur

Müller, G. E. & Pilzecker, A. (1900). Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis. Zeitschrift für Psychologie, Ergänzungsband 1, 1-300.



Schlechte Gewohnheiten verlernen

Februar 3, 2018 – 4:13 pm

mit haaren spielen

Neben nützlichen Routinen entwickeln Menschen auch solche Gewohnheiten, die sie lieber wieder loswerden möchten, etwa in der Nase zu bohren, Fingernägel zu kauen, Haare zu drehen oder am mit dem Stuhl zu schaukeln. Alle diese Gewohnheiten sind gelernt, doch es ist nicht so leicht, diese wieder zu verlernen, was daran liegt, dass das Gehirn von sich aus nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten unterscheiden kann. Gelernt ist eben gelernt. Das Gehirn hält aus diesem Grund lieber an dem fest, was sich einmal bewährt hat, und was sich bewährt hat, wird eben wiederholt, sodass sich die neuronalen Verbindungen immer mehr verstärken. Allmählich werden solche Gewohnheiten immer mehr vom Unbewussten gesteuert. Um aus diesen Gewohnheiten auszubrechen, also diese zu verlernen, braucht es daher Zeit, Ruhe und vor allem das Bewusstsein, solche unerwünschten Gewohnheiten wieder loszuwerden. Eine Möglichkeit ist es, den Auslösereiz mit anderen erwünschten Verhaltensweisen zu verknüpfen, d. h., dem Gehirn neue Möglichkeiten anzubieten, um die alten Verknüpfungen im Gehirn zu ersetzen. Oft hilft es auch, die auslösenden Situationen zu vermeiden und das Umfeld zu verändern.

Literatur

Stangl, W. (2018). Stichwort: ‚Gewohnheit‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: http://lexikon.stangl.eu/6140/gewohnheit/ (2010-02-03)



Lern-Metaphern

Januar 31, 2018 – 10:20 am

Lern-Metaphern geben einen Einblick in das Verständnis vom Lernen. Wegner & Nückles (2015, 2016) haben einige Lern-Metaphern gesammelt, um zu zeigen, wie unterschiedlich von den Menschen Lernen wahrgenommen wird. Für den einen ist es, wie mit einer Käsereibe über die Stirn hobeln, für den anderen so etwas wie in den Kampf ziehen, zum Zahnarzt gehen oder ein Müsli essen. Bekannt ist auch das Bulimie-Lernen, bei dem man sich schnell Wissen in den Kopf stopft, bei der Prüfung wieder ausleert und danach schnell vergisst. Für einige ist Lernen wie Wandern, das nicht immer Spaß macht, aber wenn man am Ziel ist, dann fühlt es sich gut an. Manche beschreiben Lernen als das Sortieren einer Bibliothek.
Bei Lehrenden dominieren Lern-Metaphern, die das Lernen als gemeinsame Erfahrung schildern. Für einen Philosophieprofessor ist das Lernen wie wenn man durch den Säulengang wandelt und Probleme diskutiert, für einen Ökologen ist Lernen wie ein Wald, durch den man mit den Studierenden geht und sich den Wald gemeinsam anschaut. Schulisches Lernen wird von SchülerInnen eher mit Sport verglichen, und ist eine Notwendigkeit, die man so schnell wie möglich hinter sich bringen möchte. Für viele ist man als Lernender wie ein Schwamm, der die ganzen Informationen wie Wasser aufsaugt, und wenn man dann einen Test schreibt, dann lässt man des Wasser wieder ab und daraus entsteht eine Leere im Kopf.

Literatur

Wegner, E. & Nückles, M. (2015). From eating to discovering: How metaphors of learning change during students‘ enculturation. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 10, 145-166.
Wegner, E. & Nückles, M. (2016). Training the brain or tending a garden? Students‘ metaphors of learning predict self-reported learning patterns. Frontline Learning Research, 3, 95-109.



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© Werner Stangl Linz 2018